Zwischen Bohrplattform und Weltraumteleskop

Redakteur: Dr. Anna-Lena Gutberlet

Ob auf Bohrplattformen, in Haushaltsgeräten oder in Weltraumteleskopen – additiv gefertigte Teile erobern immer mehr Einsatzfelder. Einen Einblick in neue Material-, Produkt- und Prozesslösungen gibt die Anwendertagung am 6. und 7. Juni 2018 zur Rapid.Tech + FabCon 3.D in Erfurt.

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Additiv hergestellter Leichtgewichtsspiegel des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF. Forscher des Instituts stellen die additive Fertigung von Metalloptiken auf der Anwendertagung der Rapid.Tech + FabCon 3.D 2018 in Erfurt vor.
Additiv hergestellter Leichtgewichtsspiegel des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF. Forscher des Instituts stellen die additive Fertigung von Metalloptiken auf der Anwendertagung der Rapid.Tech + FabCon 3.D 2018 in Erfurt vor.
(Bild: Fraunhofer IOF)

„Wir möchten den Besuchern Anregungen vermitteln, wie sich additive Technologien sinnvoll in bestehende betriebliche Abläufe integrieren lassen bzw. wie zukünftige Produktionslandschaften z. B. unter dem Aspekt einer nachfragegesteuerten Fertigung mit Additive Manufacturing gestaltet werden können“, betont Dr. Sabine Sändig, Projektmanagerin im Bereich Technologieförderung der Thüringer Aufbaubank. Die Fachfrau für Lasermaterialbearbeitung und Additive Fertigung verantwortet die inhaltliche Ausrichtung der Anwendertagung.

Der erste Themenblock der zweitägigen Veranstaltung rückt neue Materialien und Technologien in den Fokus. Vorgestellt wird mit Figure 4 von 3D Systems eine skalierbare additive Hochgeschwindigkeits-Fertigung für automatisierte Produktionsumgebungen, mit der produktive Großserien möglich werden.

Individualisierte Lösungen auch für Großserien

Dass 3D-Druck und Großserienproduktion kein Widerspruch mehr sind, belegt auch die Schweizer Exentis Group mit einem patentierten 3D-Siebdruckverfahren, das individualisierte Geometrien in Großserie bei freier Materialwahl erlaubt. Im Mittelpunkt des Vortrags stehen kundenspezifische Produktlösungen in den Bereichen Metallurgie/Keramik wie auch Biomaterialien.

Mit einem innovativen Pulvergenerierungsprozess eröffnet EOS neue Möglichkeiten zur Entwicklung neuartiger Kunststoffmaterialien für Lasersintersysteme. Auf der Anwendertagung werden erste Praxiserfahrungen mit dem Polypropylen basierten Produkt „PP 1101“ vorgestellt.

Neue Produktionslösungen und Anwenderbeispiele für ein breites Branchenspektrum bilden die Hauptinhalte der Tagung. Baker Hughes erschließt additive Technologien für Anwendungen in der Öl- und Gasindustrie. Das GE-Unternehmen nutzt das Selektive Elektronenstrahlschmelzen zum Erzeugen hochfester Kobalt-Chrom-Wolfram-Legierungen für Werkzeuge, um hohe Abrasions-, Erosions- und Korrosionsfestigkeit zu erzielen.

Fertigung von großen Bauteilen bis zu 1,80 m Höhe

Im Kontrast dazu steht die additive Fertigung von Metalloptiken, z. B. für Luft- und Raum­fahrt­anwendungen, für die Medizintechnik oder den Automotive-Bereich. Am Fraunhofer IOF konzentrieren sich Forscher auf den Aufbau einer Technologiekette, die auf dem Selektivem Laserschmelzprozess von Aluminium-Silizium-Legierungen basiert, um opto-mechanische Metall-Komponenten zu entwickeln, die hohe Anforderungen an Stabilität und Massereduktion erfüllen.

Für die Fertigung größerer Bauteile als bisher möglich bietet FIT als erstes Unternehmen in Deutschland das Gel Dispensing Printing an, bei dem hochviskoses Gel aus einer Düse schichtweise aufgetragen und mit UV-Licht ausgehärtet wird. Der Vorteil des Verfahrens liegt in der schnellen Fertigung von sehr großen Kunststoffteilen bis zu 1,80 m Höhe, die sehr gut nachbearbeitet werden können. XXL-Teile lassen sich so bis zu zehn Mal schneller als mit vergleichbaren Ablegeverfahren herstellen.

Gleichbleibende Serienqualität gewährleisten

Wie 3D-Druck-Technologien in betriebliche Prozesse integriert werden, stellt der Hausgerätehersteller Miele vor. BMW gibt einen Einblick, wie additiv hergestellte Schäume für einen Einsatz in der Automobilindustrie qualifiziert werden. Die Herstellung lichttechnischer Komponenten mittels 3D-Druck ist Thema eines Vortrags des Dienstleisters Canto. Die Potenziale der additiven Fertigung für Sondermetalle, insbesondere hochschmelzende Refraktärmetalle und Edelmetalle wie sie in der Luft- und Raumfahrt, der Medizintechnik oder der Schmuckherstellung benötigt werden, zeigt Heraeus auf.

Wie AM-Fertigungsprozesse für eine gleichbleibende Serienqualität zu zertifizieren sind, welcher Stand hierbei erreicht wurde und welche Richtlinien sowie Standards bezüglich Arbeitssicherheit und Qualifizierung erarbeitet sind, beleuchten die Vorträge der abschließenden Tagungs-Session, die Experten vom DVS – Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren, vom TÜV Süd sowie von Siemens halten.

Die Anwendertagung ist von Anfang an Teil der Internationalen Messe und Konferenz für additive Technologien Rapid.Tech + FabCon 3.D vom 5. bis 7. Juni 2018 in der Messe Erfurt. Die Veranstaltung feiert in diesem Jahr ihr 15-jähriges Jubiläum. Sie findet seit 2004 in Erfurt statt und ist damit einer der internationalen Vorreiter für die 3D-Technologien. Zum umfangreichen und in dieser Form einmaligen Programm der Kongressmesse gehört das Forum AM Science am 6./7. Juni.

Neu auf der Agenda steht an beiden Tagen das Forum Medizin-, Zahn- und Orthopädietechnik. Ebenfalls erstmals im Programm ist das Forum Recht am 5. Juni. An diesem Tag finden außerdem die Foren Additive Lohnfertigung, Konstruktion, Werkzeug-, Formen- und Vorrichtungsbau sowie Automobilindustrie statt. Am 6. Juni laden die Foren 3D gedruckte Elektronik & Funktionalität sowie 3D Metal Printing und am 7. Juni das Forum Luftfahrt ein und runden das hochkarätige Kongressprogramm der drei Messetage ab.

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