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Zwerg mit Ring - Überraschende Entdeckung jenseits von Neptun

Autor / Redakteur: Till Mundzeck, dpa / Sebastian Gerstl

Alle Gasplaneten unseres Sonnensystems haben Ringe. Nun haben Forscher auch bei einem Zwergplaneten im äußeren Sonnensystem einen Ring erspäht: dem weitgehend unerforschten Zwergplaneten Haumea.

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Der Zwergplanet Haumea ist nicht nur ungewöhnlich elliptisch, er besitzt auch einen Ring - eine Überraschung, mit der Forscher jenseits des Neptun nicht gerechnet haben.
Der Zwergplanet Haumea ist nicht nur ungewöhnlich elliptisch, er besitzt auch einen Ring - eine Überraschung, mit der Forscher jenseits des Neptun nicht gerechnet haben.
(Bild: IAA-CSIC/ UHU)

Beim Zwergplaneten Haumea in den Außenbezirken unseres Sonnensystems haben Astronomen überraschend einen Ring entdeckt. Die Forscher um Jose Ortiz vom Astrophysikalischen Institut Andalusiens (CSIC) im spanischen Granada stellen ihre Beobachtung im Fachblatt Nature vor.

Es ist das erste Mal, dass bei einem Objekt im äußeren Sonnensystem jenseits des Planeten Neptun ein Ring erspäht worden ist. Alle großen Gasplaneten in unserem System haben mehr oder weniger stark ausgeprägte Ringsysteme, wobei lediglich die majestätischen Ringe des Saturn von der Erde aus leicht zu erkennen sind.

2013 wurde unerwartet bei dem nur rund 250 Kilometer großen Asteroiden Chariklo ein Ring gefunden. Er gehört zur Gruppe der sogenannten Zentauren, die zwischen den Umlaufbahnen von Jupiter und Neptun um die Sonne kreisen. Seitdem sind auch bei anderen Zentauren Ringe gesichtet worden.

Die Gruppe um Ortiz untersuchte nun den deutlich größeren, weitgehend unerforschten Zwergplaneten Haumea jenseits des äußersten Planeten Neptun. Mit zwölf verschiedenen Teleskopen an zehn Standorten verfolgten die Astronomen, wie Haumea vor einem Stern im Hintergrund vorbeizog und dessen Licht zeitweise blockierte. Aus der detaillierten Beobachtung konnten sie Durchmesser, physikalische Dichte, Lichtreflexion und Atmosphäre des Zwergs bestimmen.

Ergebnis: Haumea ist eiförmig und mit 2300 Kilometern an der längsten Stelle größer als zuvor geschätzt. Seine Dichte ist mit 1885 Kilogramm pro Kubikmeter nicht einmal doppelt so hoch wie die von Wasser und damit niedriger als erwartet, auch sein Reflexionsvermögen (Albedo) ist mit 51 Prozent geringer als bislang gedacht.

Eine Atmosphäre hat der Zwerg nicht. Überraschenderweise jedoch einen Ring, der rund 70 Kilometer breit ist und Haumea in dessen Äquatorebene umgibt. Der Ring liegt etwa 1000 Kilometer von der Oberfläche des Zwergplaneten entfernt und dreht sich rund drei Mal langsamer als Haumea selbst.

Die Entdeckung lege nahe, dass Ringsysteme im äußeren Sonnensystem keine Seltenheit seien, schreibt die südafrikanische Astronomin Amanda Sickafoose in einem Begleitkommentar in Nature. Da Planetenringe eine Art Miniaturausgabe von größeren rotierenden Strukturen wie Galaxien und Staubscheiben junger Sterne darstellten, könne die Untersuchung der physikalisch noch nicht gut verstandenen planetaren Ringsysteme neue Einblicke in andere kosmische Objekte ermöglichen.

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