Elektrobranche behauptet sich

ZVEI sorgt sich um den Freihandel

| Redakteur: Franz Graser

Die deutsche Elektro- und Elektronikindustrie ist gut aufgestellt. Die ersten Handlungen des neuen US-Präsidenten Trump bergen allerdings Konfliktpotenzial. Links: Dr. Andreas Gointermann, ZVEI-Chefvolkswirt, Rechts: ZVEI-Geschäftsführer Dr. Klaus Mittelbach.
Die deutsche Elektro- und Elektronikindustrie ist gut aufgestellt. Die ersten Handlungen des neuen US-Präsidenten Trump bergen allerdings Konfliktpotenzial. Links: Dr. Andreas Gointermann, ZVEI-Chefvolkswirt, Rechts: ZVEI-Geschäftsführer Dr. Klaus Mittelbach. (Bild: Franz Graser)

Bei der Jahresauftakt-Pressekonferenz des ZVEI hat sich der Branchenverband mit dem abgelaufenen Jahr zufrieden gezeigt. Für 2017 erwartet die Industrie weiteres Wachstum. Die protektionistischen Anwandlungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump trüben allerdings die Stimmung.

Von „einer Reihe konjunktureller Stolpersteine“ im abgelaufenen Jahr sprach Dr. Andreas Gontermann, der Chefvolkswirt des ZVEI, in seinem einleitenden Statement. Los ging es demnach mit Deflations-Sorgen um die chinesische Wirtschaft, dann kam das unerwartete Votum, für den Brexit, daraufhin der Putschversuch in der Türkei sowie im November die Wahl des Milliardärs Donald Trump zum US-Präsidenten.

All diese und noch weitere Probleme – schwaches Wachstum beim Welthandel, Sorgen um den europäischen Bankensektor wie die seit Monaten schwelende Krise des traditionsreichen italienischen Geldhauses Monte dei Paschi und eine Zunahme des Protektionismus – hat die Branche insgesamt gut weggesteckt. Die um Preiseffekte bereinigte Produktion der Elektro- und Elektronikbranche stieg im Zeitraum von Januar bis November 2016 im Vergleich zu den Vorjahesmonaten um 1,4 Prozent. Die ursprüngliche Wachstumsprognose von 1,0 Prozent wurde damit laut Gontermann knapp übertroffen.

Insgesamt verzeichnete die Branche in den ersten elf Monaten 2016 beim Umsatz ein leichtes Plus von 0,3 Prozent, das Umsatzvolumen belief sich in diesem Zeitraum auf 162,3 Milliarden Euro. Der Löwenanteil der Erlöse entfiel auf die Automation mit 45,7 Milliarden Euro, für das größte Plus sorgte die Medizintechnik mit einem Wachstum von 5,5 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro. Den aggregierten Branchenumsatz über das ganze Jahr schätzt der Verband auf 179 Milliarden Euro – der beste Wert seit dem Beginn der Finanzkrise im Jahr 2009.

Zum Rekordumsatz des Jahres 2008 fehlen der Branche noch drei Milliarden Euro; für das laufende Jahr hat die Branche diese Zahl fest im Blick. Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der Geschäftsführung des ZVEI, sagte, man wolle die 182 Milliarden „endlich wieder reißen“,

Bei den Exporten verzeichnete die Branche das dritte Rekordjahr in Folge. Sorge bereitet dem Verband jedoch der „deutliche Druck auf den Freihandel“, der unter anderem von US-Präsident Donald Trump ausgeht. Am Tage vor der Konferenz war bekannt geworden, dass Trump das erst vor knapp einem Jahr unterzeichnete Freihandelsabkommen TPP (Trans-Pacific Partnership) mit den Pazifik-Anrainerstaaten aufgekündigt hat. Die USA waren im abgelaufenen Jahr knapp vor China der größte ausländische Kunde der deutschen Elektro- und Elektronikindustrie; Vereinigten Staaten kauften in den ersten elf Monaten Waren und Dienstleistungen im Wert von 14, 8 Milliarden Euro.

Vor diesem Hintergrund betonte ZVEI-Geschäftsführer den internationalen Charakter der deutschen Elektro- und Elektronikunternehmen. Die Industrie habe im Jahre 2014 insgesamt 45,8 Milliarden Euro im Ausland investiert, davon 5,4 Milliarden in den USA. 2014 standen außerdem 845.000 Beschäftigten der Branche in Deutschland rund 704.000 Beschäftigte im Ausland gegenüber. „Wir glauben nach wie vor, dass wir alle von einer arbeitsteiligen Welt profitieren können“, sagte Mittelbach. Allerdings ließ der ZVEI-Geschäftsführer durchblicken, dass man überrascht gewesen sei, dass Trump als Präsident in seinen ersten Amtstagen keine Abstriche von dem gemacht habe, was er im Wahlkampf angekündigt hatte.

Mittelbach verwies auf die Stärken der deutschen Elektro- und Elektronikindustrie, darunter zum Beispiel die Sensorik – auch in einem Produkt wie dem iPhone komme der Großteil der Sensorbausteine aus Deutschland. Zudem sei die Digitalisierung laut einer Acatech-Studie in Deutschland weiter vorangeschritten als in anderen Ländern. Die Länderstudie schreibe Deutschland hier sogar einen Vorsprung von zwei bis drei Jahre. Chefvolkswirt Gontermann hob außerdem den hohen Anteil von Mitarbeitern, die in der Forschung und Entwicklung tätig sind, hervor.

Ein Plus der deutschen Elektro- und Elektronikindustrie ist zudem die breite Aufstellung; „Unser Export-Portfolio ist heute wesentlich diversifizierter als noch vor zwei bis drei Jahrzehnten“, erläuterte Chefvolkswirt Gontermann. Noch 1990 hätten die zehn größten Abnehmerländer mehr als 72 Prozent aller Branchenausfuhren abgedeckt. Mittlerweile sei dieser Wert auf 57 Prozent gesunken. Rückgänge an einer Stelle könnten somit besser durch Zuwächse an einer anderen Stelle kompensiert werden.

Mittelbach verwies darauf, dass die Branche eine hohe Verantwortung trage; unter anderem müsse man den Menschen den digitalen Wandel erklären und sie dabei mitnehmen. „Da haben wir noch eine Menge zu tun“, bemerkte der Verbandsgeschäftsführer.

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Der arme Freihandel, OOHHHHH. China macht seit Jahren vor, wie gut Protektionismus an den...  lesen
posted am 30.01.2017 um 13:31 von Unregistriert

... wir erwarten also, dass Mr. President sein Wort bricht, also das was er im Wahlkampf gesagt...  lesen
posted am 26.01.2017 um 17:12 von Unregistriert

Oh mein Gott! Der arme, unschuldige Freihandel! Es gibt kein höheres Gut auf Erden! Außer Wachstum...  lesen
posted am 26.01.2017 um 11:00 von Unregistriert


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