Aus für A+ bis A+++ ZVEI kritisiert Revision des EU-Energielabels

Redakteur: Franz Graser

Der Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) sieht die Brüsseler Entscheidung zur Zukunft der Energielabel zum Teil kritisch. Unter anderem wollen die EU-Gremien die Klassen A+ bis A+++ abschaffen. Das führe dazu, dass die Verbraucher umdenken müssen.

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Bei der geplanten Revision des EU-Energielabels fallen die Plus-Klassen weg. Top-Geräte könnten sich deshalb in Zukunft in einer ungewohnten Einstufung wiederfinden.
Bei der geplanten Revision des EU-Energielabels fallen die Plus-Klassen weg. Top-Geräte könnten sich deshalb in Zukunft in einer ungewohnten Einstufung wiederfinden.
(Bild: gemeinfrei)

Am 21. März hatten sich EU-Kommission, -Rat und -Parlament über die Eckpunkte einer Rahmenrichtlinie für ein neues Energielabel geeinigt. Ein wesentliches neues Element ist die Abschaffung der Plusklassen. Diese wurden erst vor sieben Jahren eingeführt und hatten die Nachfrage nach Geräten mit hoher Energieeffizienz gefördert.

„Die Verbraucher werden umdenken müssen“, sagt deshalb Werner Scholz, Geschäftsführer der Hausgeräte-Fachverbände im ZVEI: „Ein Gerät, das heute in die beste Energieeffizienzklasse eingeordnet ist, könnte künftig durchaus ein Label der Klasse B tragen.“

Voraussichtlich bis Ende 2017 wird die EU-Rahmenrichtlinie formell in Kraft treten. Danach werden per Verordnung neue Label für die Produktgruppen definiert, wie etwa für Waschmaschinen, Fernseher oder Lampen und Leuchten.

Der ZVEI fordert deshalb, den Zeitplan und die neue Klasseneinteilung individuell an die Erfordernisse der jeweiligen Produktgruppe anzupassen. Denn erreichte Effizienzniveaus und Potenziale für weitere Einsparungen seien sehr unterschiedlich. „Wichtig ist auch die langfristige Stabilität eines neuen Labels. Die Hersteller brauchen Planungssicherheit, weitere Überarbeitungen in kurzen Zeitabständen halten wir für nicht zielführend“, so Scholz.

Insbesondere die Einführung einer EU-weiten Produktdatenbank sieht der ZVEI kritisch. Die Datenbank werde mehrere tausend Hersteller und einige hunderttausend Produkte enthalten. Deswegen sei es schwer vorstellbar, dass die Datenbank tatsächlich eine Hilfe bei der Kaufentscheidung sein könne. Das Energielabel am Gerät und die von Herstellern und Handel vielfältigen Informationen seien ausreichend, so der Hausgeräteexperte des ZVEI.

Ein Teilnehmer am ELEKTRONIKPRAXIS-Forum kommentierte die Pläne zur Zukunft des EU-Energielabels folgendermaßen: „Wenn die Stufe C den heutigen Stand der Technik beschreiben würde und sich die Spreizung zwischen A und C danach richten würde, was in den nächsten 10-15 Jahren machbar ist, dann wäre gegen so eine Neusortierung nichts einzuwenden. Dann wären halt die jetzigen absoluten Top-Geräte irgendwo zwischen C und B angesiedelt und die Industrie hätte Luft und Ansporn, sich und die Produkte weiter zu entwickeln. So wird es aber wohl leider nicht kommen. Bürokratie und Fortschritt konnten ja bekanntlich noch nie gut miteinander; die Lobbies werden sich mit hoffnungslos überbewerteten Geräten durchsetzen.“

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