ZVEI: EU muss grüne und digitale Schlüsseltechnologien stärken

Redakteur: Michael Eckstein

Technologische Souveränität, industrielle Belastbarkeit und europäische Kompetenzen: Für den ZVEI sind dies die zentralen Bausteine, mit denen Europa eine Position der Stärke im internationalen Wettbewerb erlangen und halten kann. In seinem Positionspapier fordert der Verband zudem höhere Investitionen in wichtige Schlüsseltechnologien.

Firmen zum Thema

Für ein starkes Europa: Im Positionspapier „Technologische Souveränität, Resilienz der Industrie und europäische Kompetenzen“ stellt der ZVEI die Sicht der Elektroindustrie auf Europas wirtschaftliche Erholung nach Covid-19 und die zukünftige Industriestrategie dar.
Für ein starkes Europa: Im Positionspapier „Technologische Souveränität, Resilienz der Industrie und europäische Kompetenzen“ stellt der ZVEI die Sicht der Elektroindustrie auf Europas wirtschaftliche Erholung nach Covid-19 und die zukünftige Industriestrategie dar.
(Bild: rainerplendl/123RF)

„In Europa hat die aktuelle Krise eine politische Diskussion über den Zustand der Industrie des Kontinents in kritischen Kernbereichen und neuen digitalen Technologien intensiviert. Angesichts des zunehmenden globalen Wettbewerbs und der Spannungen im internationalen Handel erscheint ein Fitness-Check des bestehenden politischen Instrumentariums angebracht“, sagt Martin Pioch, EU Manager Trade & Digital Economy beim ZVEI.

Die langfristige Strategie für die industrielle Entwicklung in Europa müsse sich mit neuen, zukunftsfähigen Technologien, der digitalen Transformation der Industrie und der nachhaltigen Zukunft Europas befassen. „Diese Ziele gehen weit über die unmittelbar dringende Erholung von den Folgen der Covid-19-Pandemie hinaus.“

Europa muss bei der industriellen Digitalisierung weiter Vorreiter sein

Daher hat der ZVEI ein Positionspapier entwickelt, in dem der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie drei Handlungsempfehlungen definiert: technologische Souveränität, industrielle Belastbarkeit und europäische Kompetenzen. Die Konzentration darauf soll die industriellen Kapazitäten stärken und Europa in die Lage versetzen, ein Kontinent zu bleiben, der bei der industriellen Digitalisierung eine Vorreiterrolle spielt.

Eine Position der Stärke ließe sich erreichen, indem die bereits vorhandenen Kompetenzen gezielt erweitert würden. Dies sei zudem ein Schlüsselelement zum Vermeiden von Ungleichgewichten. „Der beste Weg für Europa besteht darin, seine Attraktivität für die globale Zusammenarbeit zu erhöhen und gleichzeitig die europäischen Standards im globalen Wettbewerb zu stärken“, heißt es vom ZVEI.

Europas größte Stärke – seine Industrie – stärken

„Die neue EU-Industriestrategie muss jetzt einen Rahmen schaffen, der die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärkt“, erklärt Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung anlässlich der Diskussion des EU-Rats für Wettbewerbsfähigkeit zur europäischen Industriepolitik.

Eine der größten Stärken Europas sei seine Industrie, die mehr denn je gebraucht werde, um die Folgen der Corona-Krise so gut wie möglich abzufedern und zugleich dringliche Herausforderungen wie den Klimaschutz und die digitale Transformation anzugehen. „Die künftigen globalen Märkte müssen auch weiterhin mit europäischer Spitzentechnologie bedient werden können.“

Technologische Souveränität darf nicht zur Abschottung führen

Voraussetzung hierfür sei, in der EU auf eine global agierende, widerstandsfähige Industrie aufsetzen zu können. „Die in Europa diskutierten Ansätze zu technologischer Souveränität und ‚offener strategischer Autonomie‘ dürfen keinesfalls zu einer Abschottung der europäischen Wirtschaft führen“, betont Weber. „Eine resiliente und erfolgreiche Industrie braucht enge Beziehungen zu ihren globalen Geschäftspartnern – und eine offene Haltung der Politik zu Digitalisierung und industriellen Innovationen.“

Eine strenge Regulierung, wie bei der Entwicklung einer B2B-Datenökonomie oder von industrieller KI, sei kontraproduktiv und schwäche die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen, beispielsweise auch im Hinblick auf die neue Freihandelszone zwischen 15 Ländern der Asien-Pazifik-Region.

Investitionen in Schlüsselkompetenzen wie KI und 5G nötig

Die Investitionen in Schlüsselkompetenzen bei digitalen Technologien, Dienstleistungen und Plattformen – etwa Künstliche Intelligenz (KI) und 5G-Mobilfunk – sowie in digitale Fähigkeiten aller europäischen Bürger, sei daher eine unbedingte Voraussetzung für die erfolgreiche grüne und digitale Transformation und müsse daher noch stärker in der neuen EU-Industriestrategie festgeschrieben werden.

Hierfür müsse die EU über neue Handelsabkommen zügig weitere Märkte öffnen und auf multilateraler WTO Ebene globale Themen wie E-Commerce und eine Reform des Subventionsabkommens voranbringen.

Verzögerungen beim EU-Haushalt werfen Europas Unternehmen zurück

Zudem sei eine schnelle Einigung zum kommenden EU-Haushalt und der Finanzierung des „Next Generation“-EU-Instruments notwendig – weitere Verzögerungen werfe Europa im internationalen Wettbewerb zurück und nehme Unternehmen dringend benötigte Planungssicherheit.

Um die mittel- und langfristigen Klimaziele der EU erfüllen zu können, sieht der ZVEI zudem im Bereich des Green Deal einen enormen Bedarf an privaten und öffentlichen Investitionen – unter anderem in Industrie, Gebäuden und Verkehr. „Gleichzeitig brauchen wir eine Reihe von Indikatoren zur quantitativen Erfassung der industriellen Entwicklung in Europa im globalen Vergleich, um die Erfolge der Industrie stärker sichtbar zu machen.“ Nur so könne man die politischen Ziele in der Umwelt-, Klima- und Sozialpolitik mit der Perspektive der Stärkung der industriellen Basis und der Wettbewerbsfähigkeit Europas in Einklang zu bringen.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:47037039)