Deutscher Halbleitermarkt ZVEI erwartet 5 Prozent Wachstum für 2007

Redakteur: Holger Heller

„Die Elektronikindustrie kann sich in Deutschland eigentlich nicht beklagen“, meint Ulrich Schaefer. Nach einem Durchhänger wegen der BenQ-Pleite rechnet der Vorsitzende der Fachgruppe Halbleiter im ZVEI für 2007 mit einem Anstieg des heimischen Halbleitermarkts um 5% auf knapp 12 Mrd. €.

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„Vor allem der Automotive-Bereich erhöht den Halbleiterumsatz in Deuschland“, so Dr. Ulrich Schaefer vom ZVEI
„Vor allem der Automotive-Bereich erhöht den Halbleiterumsatz in Deuschland“, so Dr. Ulrich Schaefer vom ZVEI
( Archiv: Vogel Business Media )

Im Jahr 2007 wird der deutsche Halbleitermarkt voraussichtlich um 5% auf knapp 12 Mrd. € Umsatz wachsen“, progniostiziert Dr. Ulrich Schaefer, Vorsitzender der Fachgruppe „Halbleiter Bauelemente“ im ZVEI-Fachverband Electronic Components and Systems. Das Wachstum stütze sich vor allem auf einen zweistelligen Umsatzanstieg bei diskreten Bauelementen, Opto-Halbleitern und Sensoren, für die ICs wird ein Plus von 4% geschätzt.

Der leichte Umsatzrückgang des deutschen Halbleitermarktes von 3,1% auf €-Basis im vergangenen Jahr 2006 sei zum Großteil auf den Preisverfall der Prozessoren und dem damit verbundenen Umsatzrückgang der ICs von 6,7% zurückzuführen.

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„Erstmals in der Geschichte der Mikroelektronik verzeichnet die Umsatzentwicklung auf dem Weltmarkt über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren ein stetiges Wachstum“, stellte Schaefer fest. Der Zuwachs im Jahr 2006 lag bei 8,9% und hob den Umsatz auf 247,7 Mrd. US-$ an. Im laufenden Jahr erwartet der ZVEI einen Anstieg des weltweiten Umsatzes mit Halbleitern von ca. 8% auf knapp 270 Mrd. US-$. Diese Entwicklung werde maßgeblich von ICs sowie Sensoren und Aktuatoren getragen, wohingegen die diskreten und optischen Bauelelemente schwächer wachsen würden.

„Der Absatz von ICs liege deutlich über dem sich seit Jahren abzeichnenden langfristigen Wachstum der IC Stückzahlen“, so Schaefer. Unklar sei, ob der derzeitige Überschuss von ca. 16 Mrd. ICs auf einen Aufbau von Lagerbeständen oder auf einen sprunghaften Anstieg des Bedarfs zurückzuführen ist. „Eine Erklärung wäre, dass der große Markt China und die Umstellung auf bleifreies Löten zu einem starken Nachfrageplus geführt haben“, fügte Schaefer hinzu.

Automotive in Deutschland weiter stark

Die positive Entwicklung des Abnehmersegments Automotive hat sich mit 12% Umsatzwachstum für 2006 nach plus 3,6% im Vorjahr verstärkt fortgesetzt, so der ZVEI. Dessen Marktanteil betrage in Deutschland nun 32%. Auch für die Industriesparte sei das Geschäft im vergangenen Jahr mit einem Umsatzplus von 10% auf 14% Marktanteil sehr gut gelaufen – nach minus 7,6% im Vorjahr. Ursache sieht der Verband im gewachsenen Bedarf der Chipkartenbranche.

„Da das Chipkartengeschäft jedoch ein sehr volatiler Markt ist, wird dieser Zuwachs starken Schwankungen unterworfen sein“, schränkt Dr. Schaefer ein. Die Datentechnik habe im Jahr 2006 um die 14% weniger Umsatz realisiert nach einem Wachstum von 13,1% im Vorjahr. Ihr Marktanteil liegt nun bei 30%. Der Marktanteil des Segmentes Kommunikation sei durch einen Umsatzrückgang von 5% auf 21% gesunken, wodurch u.a. auch durch die BenQ-Insolvenz beitrug.

Trotz eines geringen Umsatzzuwachses von 1% bei der Konsumelektronik verliert diese 0,1% Marktanteil. Diese Entwicklung zeigt, dass sich das bislang ausgewogene Verhältnis der Marktsegmente des deutschen Marktes mehr und mehr in Richtung Automotive verschiebt.

Wachstum des Weltmarkts in allen Halbleiter-Segmenten: 8% insgesamt

Zum Umsatzzuwachs des Welt-Halbleitermarkts hätten im vergangenen Jahr insbesondere das starke Wachstum der Sensoren/Aktoren von 17,6% auf 5,3 Mrd. US-$ beigetragen. Umsatzzuwachs sei auch bei der Sparte Opto-Halbleiter mit 9,3% auf 16,3 Mrd. US-$ zu verzeichnen. Die Umsätze mit diskreten Bauelementen sei um 8,8% auf 16,6 Mrd. US-$ und mit ICs um 8,7% auf 209,5 Mrd. US-$ gewachsen.

Für 2007 prognostiziert der ZVEI für den weltweiten Halbleitermarkt ein Wachstum von 8% auf knapp 270 Mrd. US-$ Umsatz. Dabei erwartet die Branche bei den ICs einen Zuwachs von 9%, bei den Sensoren/Aktoren 8%, bei den Opto-Halbleitern 4% und bei den diskreten Bauelementen 6%.

Die Aufteilung nach Marktsegmenten zeige für den Welt-Halbleitermarkt für 2006, dass die Datentechnik mit 43% Marktanteil nahezu jeden zweiten Halbleiter verbrauche. Zweitstärkste Branche bleibe die Kommunikation mit einem Anteil von 21%. Die Konsumelektronik stelle wie auch schon im Vorjahr mit einem Anteil von 19% das drittgrößte Segment dar. Die Automobilelektronik konnte mit einem Umsatzwachstum von 5% Prozent ihren Anteil bei 8% Prozent halten. Stärkstes Wachstum verzeichnet die Industriesparte mit 29% Umsatzsteigerung auf 9% Marktanteil.

Sättigungstendenzen auf dem asiatischen Markt

Die Entwicklung der Regionalmärkte sei sehr unterschiedlich, berichtet Schaefer. Europa stelle deutlich den kleinsten Markt dar. Asien/Pazifik hingegen näherten sich 50% Marktanteil, wobei das Wachstum hierbei sehr viel langsamer als in den letzten Jahren fortschreite. Japan hingegen verzeichne einen leichten Rückgang und zeige seit zehn Jahren einen weitgehend konstanten Markt. Amerika habe in den letzten zwei Jahren einen beständigen Mikroelektronikbedarf.

Der europäische Markt sei im Vergleich zum Welt-Halbleitermarkt im Jahr 2006 lediglich um 1,6% gewachsen. Die Zunahme habe bei ICs 1,1%, bei Sensoren/Aktoren 16,2% sowie bei diskreten Bauelementen 12,2% betragen. Einen starken Umsatzeinbruch hingegen hätten Opto-Halbleiter zu verzeichnen.

Im Jahr 2006 stellte die Datentechnik mit 37% das größte Marktsegment dar. Der Marktanteil der in Europa zweitstärksten Sparte Kommunikation liegt bei 21%. Die Anteile der Segmente Industrie mit jetzt 13% und der Konsumelektronik mit 10% sind 2006 etwas gestiegen. Die Automotive-Branche in Europa hat den Umsatz um 4% gesteigert. Sie hält damit ihren Marktanteil von 19% etwa konstant. Für 2007 erwartet der ZVEI für Europa ein solides Wachstum von 7%.

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