Kartenzahlung an E-Ladesäulen ZVEI: Einbaupflicht von Kartenlesern bremst Elektromobilität

Redakteur: Michael Eckstein

E-Ladesäulen müssen mit Kartenlesegeräten für Debit- oder Kreditkarte ausgerüstet werden, hat der Bundesrat entschieden – und bremst damit womöglich die Elektromobilität aus, findet der Branchenverband ZVEI. Auch der Bundesverkehrsminister kritisiert die Entscheidung.

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Neue Ladesäulen sollen nach em Willen des Bundesrats mit Terminals für Kredit- und Debitkarten ausgestattet werden. Das Nachrüsten älterer Säulen ist nicht vorgesehen.
Neue Ladesäulen sollen nach em Willen des Bundesrats mit Terminals für Kredit- und Debitkarten ausgestattet werden. Das Nachrüsten älterer Säulen ist nicht vorgesehen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Beim Tanken herkömmlicher Kraftstoffe ist die Sache für die meisten Autolenker klar: Am Schalter wird die Kreditkarte gezückt und bezahlt. Immer häufiger ist jedoch auch das Zahlen per Smartphone-App möglich. Letzteres sollte für E-Ladesäulen die bevorzugte – und einzige – Bezahlmöglichkeit sein, hatten viele Akteure in der Elektromobilitätsbranche gefordert.

Dem hat der Bundesrat nun einen Riegel vorgeschoben: Ab Juli 2023 müssen in alle neuen Ladepunkte Lesegeräte für gängige Debit- oder Kreditkarten eingebaut sein. Einer entsprechenden Verordnung der Bundesregierung stimmte der Bundesrat am Freitag zu. Ältere Ladesäulen müssen nicht umgerüstet werden.

Anachronismus an der Ladesäule

Aus Sicht vieler Marktteilnehmer ist die neue Pflicht ein Rückschritt: „Kreditkarten-Terminals an Ladesäulen sind ein echter Anachronismus“, ärgert sich Dr. Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung – und kritisiert damit den Bundesratsbeschluss zur Ladesäulenverordnung. „Wir bauen eine Ladeinfrastruktur für 2030 und darüber hinaus – da müssen wir auch beim Bezahlen auf zukunftsweisende Lösungen setzen!“ Sonst bestehe die Gefahr, dass man die Ladeinfrastruktur „bis in die Unwirtschaftlichkeit kaputt reguliert“.

Die Bundesregierung hat das Ziel zehn Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen bis 2030. Davon ist man weit entfernt. Es fehlen vor allem immer noch Ladesäulen. Der ZVEI ist überzeugt, dass eine bessere Ladeinfrastruktur die Kaufbereitschaft bei E-Autos stärker anreizt als eine weitere Förderung für die Anschaffung der Fahrzeuge selbst.

Würgt Überregulierung den Ladesäulenausbau ab?

Der nun verpflichtende Einbau von Lesegeräten für Debit- und Kreditkarten in bzw. an allen Ladesäulen klingt zunächst nach einer guten Sache, schließlich stehen Anwendern damit mehr Bezahlmöglichkeiten zur Verfügung.

Doch die könnte sich als Bärendienst erweisen: Die Integration ist ein zusätzlicher Aufwand, der den Ausbau der Ladeinfrastruktur und damit die Elektromobilität an sich ausbremsen könnte. Der Grund: Die Säulen werden komplexer und damit teurer. Der ZVEI hatte sich in den vergangenen Monaten – auch im Schulterschluss mit anderen Verbänden – gegen die Kartenterminals ausgesprochen.

Wie man bisher bezahlt

Es gibt mehr als 46.000 öffentliche Säulen – und Hunderte Betreiber, Vertragsmodelle und Tarife. Autofahrer müssen bestimmte Ladesäulen ansteuern und können nicht spontan jede beliebige auf ihrem Weg nutzen. Bezahlt wird per spezieller Kundenkarten des jeweiligen Anbieters oder per App. Ein einheitliches System gibt es nicht. Mal wird monatlich eine Grundgebühr abgebucht, mal nur pro Ladevorgang gezahlt. Kurzum: Ein Chaos zum Nachteil der Nutzer.

Argumente für Kartenzahlung

Es gibt also gute Gründe, diesen Wildwuchs zu begrenzen und regulierend einzugreifen. So wollen Bund und Länder das Laden von Elektroautos einfacher und unabhängiger machen. Wenn man überall mit der Debit- oder Kreditkarte zahlen kann, könnte es leichter werden, spontan Ladepunkte zu finden.

Auch Kreditwirtschaft, Städte, Gemeinden und Kreise sind dafür. Der Verbraucher müsse an jeder Ladesäule mit der Karte bezahlen können, die er im Portemonnaie habe, heißt es etwa beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Der ADAC lobt die Entscheidung als „Sieg für die Verbraucher“.

Auch im Ausland einfach und sicher laden

Die Befürworter der Kartenlesegeräte argumentieren, dass die Kartenzahlung international verbreitet und sicher sei. So könnten Urlauber in Deutschland ihre E-Autos einfacher laden. Außerdem könne man an den Terminals auch kontaktlos zum Beispiel mit dem Smartphone bezahlen – genau wie an der Supermarktkasse. Anders als bei App-Lösungen sei keine Registrierung mit sensiblen Daten nötig.

Verbraucher müssten die Sicherheit haben, immer und überall ohne Vertrag laden zu können, betont der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Allein auf digitale Bezahllösungen zu setzen, schließe viele aus. „Verbraucher wollen den Strom fürs Elektroauto so bequem und einfach mit der Karte bezahlen können wie heute ihre Tankrechnung an der Tankstelle“, sagt auch Karl-Peter Schackmann-Fallis, der aktuelle Federführer der Deutschen Kreditwirtschaft.

Nun richteten sich alle Augen auf Brüssel, wo ebenfalls eine Entscheidung ansteht. „Auch Europas Gesetzgeber müssen im Interesse der Verbraucher das Bezahlen mit Kredit- und Girokarten an den E-Ladesäulen möglich machen“, fordert Schackmann-Fallis.

Die Gegenargumente der Auto- und Energiewirtschaft

Die Präsidentin des Autoindustrieverbands VDA, Hildegard Müller, hält die Entscheidung des Bundesrats hingegen für einen Rückschritt. EC-Kartenterminals bedeuteten zusätzliche Kosten für die Nutzer, das Innovationstempo werde gebremst, und digitale Bezahldienstleister würden zugunsten überholter Geschäftsmodelle ausgeschlossen.

Die Autobranche setzt stattdessen auf digitale Lösungen, also etwa Apps oder mobile Anbieter wie Paypal. Derzeit würden mehr als 90 Prozent der Ladevorgänge ohne Kredit- oder EC-Karten bezahlt, erklärt etwa Volkswagen. Was allerdings wenig verwunderlich ist, da es diese Alternative meist gar nicht gibt.

„Spontanes Laden ist auch ohne Kreditkarte möglich“

Trotzdem: „Auch Ad-hoc-Ladevorgänge, bei denen Kundinnen und Kunden spontan die Ladesäule ansteuern, können bequem über eine Smartphone-App oder Website abgewickelt werden.“ Daher seien verpflichtende Kartenlesegeräte unnötig. Auch BMW betont, für spontanes Laden sei es wichtig, nicht einseitig auf Kartenlesegeräte zu setzen.

Der Chef des Stadtwerkeverbandes VKU, Ingbert Liebing, kritisiert, Bund und Länder träten durch ihre Entscheidung beim Ausbau der Elektromobilität auf die Bremse. „Viel effizienter wäre es gewesen, konsequent auf kostengünstige, digitale und mobile Lösungen zu setzen.“ Die zusätzlichen Anforderungen verteuerten und erschwerten den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Außerdem könne es sein, dass alle Auflagen schon bald durch die Entscheidung auf EU-Ebene hinfällig würden.

Tank-Roaming? Wichtiger sind funktionierende Ladesäulen!

Viele Fahrerinnen und Fahrer, die mit einem E-Auto unterwegs sind, haben sich darauf eingestellt, dass mehrere Karten oder Apps notwendig sind, um überall aufladen zu können. Apps zeigen auch in Echtzeit an, welche Ladestationen in der Umgebung gerade frei sind.

Viele Anbieter bieten zudem Roaming-Optionen, so dass man beispielsweise mit einer Karte einer großen Tankstellenkette oder eines Energieversorgers an Tausenden Stationen laden kann. Viele Fahrer ärgern sich eher über defekte Ladesäulen, die wochenlang nicht instandgesetzt werden. Außerdem wünschen sie sich, dass Falschparker auf Ladeplätzen konsequenter abgeschleppt werden.

Mit Material von dpa.

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