Treiber Lithium-Ionen-Batterien ZVEI: Deutscher Batteriemarkt weiter im Aufwind

Redakteur: Kristin Rinortner

Der deutsche Batteriemarkt setzt sein starkes Wachstum trotz der Corona-Pandemie fort. 2020 wuchs der Markt um 1,5 Milliarden Euro (+ 35 Prozent) auf rund 5,9 Milliarden Euro. Wachstumstreiber war wiederum der Absatz von Lithium-Ionen-Batterien (+ 63 Prozent). Die Volumina für Bleibatterien gingen dagegen zurück.

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Batteriemarkt Deutschland: Gute Prognose. Lithium-Ionen-Batterien treiben den Batteriemarkt in Deutschland nach wie vor nach oben.
Batteriemarkt Deutschland: Gute Prognose. Lithium-Ionen-Batterien treiben den Batteriemarkt in Deutschland nach wie vor nach oben.
(Bild: pixabay)

Einen Anteil von Europas Batterieproduktion von 25 bis 30 Prozent am Weltmarkt prognostizierte Deutschlands Wirtschaftsminister Altmeier. Das Potenzial ist laut der ZVEI-Batteriespezialisten da. Es sei zwar noch vieles im Aufbau, aber der Marktanteil werde weiter deutlich steigen, erklärt ZVEI-Fachverbandsgeschäftsführer Batterien Christian Eckert.

Die breit aufgestellte Batterieindustrie Deutschlands (das umfasst Produktionskapazitäten und Forschungsinfrastruktur) habe einen deutlichen Anteil an der Stärkung der europäischen Batterieindustrie. Diese werde getrieben von den Bereichen Mobilität, Energie, Consumer und Industrie.

Bild 1: Die Entwicklung des deutschen Batteriemarkts.
Bild 1: Die Entwicklung des deutschen Batteriemarkts.
(Bild: ZVEI)

Der deutsche Batteriemarkt ist im vergangenen Jahr insgesamt um kräftige 35 Prozent auf zuletzt 5,9 Milliarden Euro gestiegen. Lithium-Ionen- Batterien hatten mit einem Umsatz von 3,04 Milliarden Euro den größten Anteil am Markt. Das Segment wuchs kräftig um 63 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Ebenfalls zulegen konnten mit einem Volumen von 2,1 Milliarden Euro die sonstigen Batteriesysteme. Dazu zählen verschiedene aufladbare und nicht-aufladbare Technologien, wie Zink-Luft-Batterien (z. B. für Hörgeräte-Batterien), Lithium-Knopfzellen oder Nickel-Cadmium-Batterien (z. B. für Bahnanwendungen). Der Markt für Bleibatterien sank hingegen um 26 Prozent auf 740 Millionen Euro.

Deutscher Batteriemarkt: Trotz Corona im Aufwärtstrend

„Trotz der Corona-Pandemie befindet sich der deutsche Batteriemarkt im Aufwärtstrend. Vor allem das Volumen des Markts für Lithium-Ionen-Batterien hat enorm zugelegt“, erklärt Eckert. Mit seinem durch Lithium-Ionen-Batterien getriebenen Wachstum von 35 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro hat sich die Entwicklung im Vergleich zum Jahr 2019 noch einmal beschleunigt.

Bild 2: Import von Batterien nach Deutschland.
Bild 2: Import von Batterien nach Deutschland.
(Bild: ZVEI)

Das Marktvolumen bei Lithium-Ionen-Batterien ist unter anderem auf das hohe Wachstum der Importe von Batteriezellen nach Deutschland zurückzuführen. Während der Großteil der Batterieimporte 2019 aus Asien stammte, holte Europa gegenüber Asien als Importregion auf. So stehen die gesamten Europa-Batterieimporte von knapp 3,8 Milliarden Euro, und damit 79 Prozent über Vorjahr, für 52 Prozent des gesamten Importvolumens.

Polen etabliert sich als deutscher Zulieferer mit einem Umsatz von 1,6 Mrd. Euro – im Vergleich dazu liegt China gleich auf mit ebenfalls 1,6 Mrd. Euro. Das zeigt auch, dass das Interesse insbesondere der Automobil-OEMs wächst, Batterien aus Europa zu beziehen.

Deutsche Hersteller fertigen aus importierten Zellen komplexe Batteriesysteme

Wichtig zu wissen ist, dass zwar die meisten Batteriezellen nach Deutschland importiert werden, doch hierzulande die Hersteller mit ihrem speziellen Know-how aus den Zellen erst die komplexen Batteriesysteme fertigen.

Bild 3: Batterieindustrie am Standort Deutschland.
Bild 3: Batterieindustrie am Standort Deutschland.
(Bild: ZVEI)

Während die Elektromobilität und der Ausbau der erneuerbaren Energien besonders den Bedarf an Lithium-Ionen-Batterien treiben, bleibt die Bleibatterie wichtig für zahlreiche Anwendungen: „Bleibatterien spielen eine große Rolle für die unterbrechungsfreie Stromversorgung in Krankenhäusern und Rechenzentren.“ Außerdem komme nach wie vor kaum ein Elektrofahrzeug ohne Bleibatterie als Bordnetzbatterie aus, resumiert Eckert.

Deutlich zugenommen hat im Jahr 2020 die Produktion von nicht wiederaufladbaren Primärbatterien. Deren Produktionsvolumen stieg um 79 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Primärbatterien werden beispielsweise in Hörgeräten, Bojen, Sensoren, Herzschrittmacher eingesetzt.

Europa ist wichtigster Absatzmarkt

Bild 4: Export der deutschen Batterien.
Bild 4: Export der deutschen Batterien.
(Bild: ZVEI)

Knapp zwei Drittel der Batterieexporte aus Deutschland gingen im Jahr 2020 nach Europa (3 Mrd. Euro). Je rund 18 Prozent gingen nach Amerika und nach Asien. Größter Abnehmer außerhalb der EU sind die USA (0,7 Mrd. Euro).

Die in Deutschland ansässigen Hersteller stehen somit für etwa ein Drittel des Umsatzes mit Batterien in Europa. In den vergangenen Jahren waren sowohl bei der Produktion als auch beim Import und Export deutliche Zuwächse zu verzeichnen. Die Beschäftigtenzahl stieg im Jahr 2020 um 25 Prozent auf fast 12.000 Mitarbeiter. Bei den Auftragseingängen konnte im Jahr 2020 ein Plus von 26 Prozent gegenüber 2019 erzielt werden.

European Green Deal: Batterie ist maßgeblich

Die Batterie sei maßgeblich, um die EU-Klimaschutzziele zu erreichen. „Die Ziele des European Green Deal können wir nur mit den verschiedenen Batterietechnologien erreichen, denn sie sind die Voraussetzung für die Dekarbonisierung des Verkehrssektors sowie die Speicherung der erneuerbaren Energien“, erklärt Eckert. Die laufende Überarbeitung der europäischen Batteriegesetzgebung werde die bestehende Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit von Batterien weiter stärken.

Europa forciert schon seit Jahren den Ausbau einer stärkeren Batterieinfrastruktur. Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, sei darüber hinaus elementar, dass Europa bei Schlüsseltechnologien wie Batterien technologisch souverän bleibe, so Eckert.

Europäische Förderprogramme, wie die Important Projects for Common European Interest (IPCEI), können laut Eckert dazu einen wichtigen Beitrag leisten. „Mit einer starken europäischen Batterieindustrie kann Europa seine strategischen Interessen auf Basis einer multilateralen Weltwirtschaft wahren“, meint Eckert abschließend.

Batterien: Recycling und neue Technologien

Während die Recycling-Effizienz (das Verhältnis der Menge der wiedergewonnenen Rohstoffe zu der dem Recyclingprozess zugeführten Menge) bei Blei-Säure- Batterien mit knapp 82 Prozent und bei Nickel-Cadmium-Systemen mit rund 78 Prozent sehr hoch sei, müssten Produktionskapazitäten für das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien erst aufgebaut werden, erklärt Dr. Christian Rosenkranz von Clarion.

Die EU strebe einen Anteil von 65 Prozent bis 2025 an. Das sei sehr ambitioniert, wenn man die Lebensdauer der Lithium-Ionen-Akkus betrachte. Zudem sei es schwierig, aufwändig und teuer die insgesamt sechs Primärrohstoffe in Lithium-Ionen-Systemen zu trennen.

Herausfordernd werde auch der europäische Battery Passport, mit dem die Kommission sicherstellen will, dass alle in der EU auf den Markt gebrachten Batterien nachhaltig, kreislauffähig und sicher sind. Dazu werden spezifische Anforderungen für die verschiedenen Phasen des Produktlebenszyklus sowie neue Anforderungen an die CE-Kennzeichnung von Batterien eingeführt, die in den Pass eingetragen werden müssen.

Als vielversprechende Entwicklungen sieht Rosenkranz Natrium-Ionen-Batterien, die das Potenzial bieten, Lithium-Ionen-Batterien zu ergänzen. Festkörper-Batterien erwartet er Ende des Jahrzehnts, da die Handhabung und Sicherheit der Elektrolyte immer noch schwierig sei. Mitte des Jahrzehnts sei auch noch keine Massenproduktion möglich, sondern realistisch sind erste Demonstratoren.

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