EBV Elektronik und Diehl Aerospace Zusammenarbeit von der Entwicklung bis zur Langzeitlagerung

Redakteur: Jan Vollmuth

Die Luftfahrtindustrie ist aufgrund der mit dem Fliegen verbundenen Risiken ein sensibles Industriesegment. Dementsprechend hoch sind die Anforderungen an die Lieferanten der Flugzeughersteller. Der Spezialist für Kabineninnenbeleuchtung und Sicherheitssysteme für Großflugzeuge Diehl Aerospace aus Nürnberg verlässt sich dabei auch auf seinen Distributor EBV Elektronik.

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Stimmungsmacher: Diehl stellt Produkte für die zivilie Luftfahrtausrüstung her, darunter die Kabineninnenbeleuchtung für Großraumflugzeuge wie den A380
Stimmungsmacher: Diehl stellt Produkte für die zivilie Luftfahrtausrüstung her, darunter die Kabineninnenbeleuchtung für Großraumflugzeuge wie den A380
( Archiv: Vogel Business Media )

Langsam verdunkelt sich der Kabineninnenraum des Flugzeuges. Der Fluggast kippt die Lehne seines Sitzes nach hinten. Sein Blick wandert zum Nachthimmel, an dem unzählige Sterne zu blinken beginnen und sich zu Sternbildern gruppieren. Langsam fallen ihm die Augen zu. Wenige Stunden später wird er von rotgoldener Morgenröte sanft geweckt.

„Ambient Lighting, so genanntes Stimmungslicht, wird auf Langstreckenflügen immer wichtiger“, erklärt Christian Ried, Leiter Materialwirtschaft Cabin Customisation Interior bei Diehl Aerospace. Wechselnde Kabinenbeleuchtung soll dazu beitragen, den Komfort auf Langstreckenflügen zu erhöhen und den Flugpassagier das Umstellen auf eine andere Zeitzone zu erleichtern – etwa durch Nachahmen des Sternenhimmels oder des Sonnenaufgangs.

Diehl Aerospace hat sich auf verschiedene Produkte für die Luftfahrtindustrie spezialisiert, darunter Kabineninnenbeleuchtung, Kabinensicherheitssysteme wie z.B. Notbeleuchtung, Strom- und Notstromversorgungen oder Kabinen-Managementsysteme. Im Nürnberger Werk befinden sich ca. 80% der Produktionskapazität und der komplette Einkauf.

Diehl Aerospace gehört zum Teilkonzern VA Systeme des Diehl-Konzerns. Der weltweit tätige Konzern erwartet 2006 einen Umsatz von ca. 1,8 Mrd. €, den rund 10 200 Mitarbeiter rund um den Globus erwirtschaften. VA Systeme wird mit rund 4000 Beschäftigten zu diesem Ergebnis voraussichtlich einen Umsatz von ca. 760 Mio. € beisteuern.

Zu den Großkunden des Unternehmens gehören die beiden Flugzeughersteller Airbus und Boing: Diehl beliefert als OEM alle Airbus-Modelle und bei Boing alle Modelle seit der 737. Beim neuen A380 liefert Diehl beispielsweise die vollständige Kabineninnenbeleuchtung. „Im A380 kommen erstmals Mischsysteme zum Einsatz“, erklärt Christian Ried, „das weiße Licht wird von Röhren erzeugt, das Stimmungslicht von LEDs.“ Die vier dort eingesetzten LED-Lichtketten wurden von Diehl entwickelt. Sie sind jeweils 70 m lang und tragen zusammen zwischen 15 und 20 000 LEDs.

Unternehmen, die die Luftfahrtindustrie beliefern, stehen vor besonderen Herausforderungen: „Aufgrund der besonderen Risiken stellt die Luftfahrt hohe Anforderungen an die Qualität der Produkte, Prozesse und die Flexibilität der Lieferanten“, sagt Christian Ried. Die strengen Vorgaben wiederum beeinflussen die Lieferantenwahl seitens Diehl.

Prozessoren und Mikrocontroller für seine Produkte bezieht Diehl Aerospace schon seit vielen Jahren von dem Distributor EBV Elektronik. „EBV bietet uns nicht nur eine breite Produktpalette und hochwertige Bauteile, sondern unterstützt uns auch von der Entwicklung bis zur Einlagerung von Bauteilen“, beschreibt Christian Ried die Zusammenarbeit.

Absolute Lieferfähigkeit ist oberstes Gebot

Neben den besonderen Sicherheitsaspekten birgt der Markt weitere Herausforderungen für das Unternehmen und seinen Distributor: Die Luftfahrt ist eines der Industriesegmente, die von der RoHS-Umstellung ausgenommen sind – es herrscht striktes Bleifrei-Verbot. „Bleifrei löten geht nicht“, sagt Christian Ried, „bringt ein BGA eigenes Lot mit, gibt’s Probleme.“ Gleichzeitig bestehe eine hohe Produktvarianz mit niedriger Stückzahlen.

Warum arbeitet Diehl Aerospace mit einem Distributor zusammen? „Durch die Zusammenarbeit mit einem Distributor gewinnen wir Flexibilität bei der Produktlieferung“, erklärt Christian Ried. Verzögerungen bei der Produktlieferung können für Diehl teuer werden: Verfehlt das Unternehmen einen fest vereinbarten Liefertermin, drohen ihm hohe Konventionalstrafen. Zu solchen Verzögerungen kann es etwa aufgrund von Lieferengpässen kommen. Aktuelles Beispiel: Bei diversen Mikrocontrollern beispielsweise bestehen derzeit Lieferfristen von ca. 26 Wochen.

Dem begegnen Diehl und EBV mithilfe eines Buffer Stocks. EBV definiert den Umfang des Lagers auf Basis einer Kombination aus langjährigen Branchenkenntnissen, Marktanalysen und „einer Portion Bauchgefühl“, erklärt Andreas Schmitt, Key Account Manager bei EBV. Der genaue Umfang des Buffer Stocks wird dann in Absprache beschlossen.

Derzeit übermittelt Diehl im Wochenrhythmus eine langfristige Bedarfsprognose an EBV mit rollierender Lieferplanung. Die Bestelldaten werden teils noch in schriftlicher Form übermittelt. Doch nicht mehr lange: Um den Bestellvorgang zu beschleunigen und die Prozesskosten zu senken, werden Bestellungen künftig vollelektronisch durchgeführt werden. Plattform dafür wird das Warenwirtschaftssystem SAP, das bei Diehl bereits im Einsatz ist.

Distributor übernimmt die Langzeitlagerung und berät Entwickler

Daneben übernimmt EBV die Langzeitlagerung von Bauteilen mit Laufzeiten von mehreren Jahren. Nach einer Bedarfsanalyse des Kunden werden die betreffenden Bauteile vorschriftsmäßig eingelagert. Hintergrund: Flugzeuge werden auch dann noch von Fluglinien eingesetzt, wenn das Modell bereits seit vielen nicht mehr hergestellt wird oder es den Hersteller vielleicht gar nicht mehr gibt – alle Ersatzteile müssen auch dann noch verfügbar sein.

Der Distributor kümmert sich jedoch nicht nur um die Lagerung oder Beschaffung von Bauteilen: EBV unterstützt Diehl in der Entwicklungsphase u.a. mit technischen Seminaren oder spricht entsprechend der jeweiligen Produktanforderungen Empfehlungen bei der Bauelementeauswahl aus. Hier profitiert das Luftfahrtunternehmen von der breit gefächerten Linecard des Distributors und dessen umfassender Produktübersicht. EBV lässt Bauteile bei Bedarf von externen Testhäusern prüfen, um deren Qualität feststellen zu lassen. „In dieser Branche ist angesichts der hohen Risiken Qualität das A und O“, erklärt Schmitt.

EBV berät die Entwickler auch, wie sie bereits beim Design Geld sparen können, etwa durch die Integration vieler Funktionen in einem Bauteil. Und natürlich leisten die Ingenieure des Distributors umfassenden technischen Support.

Diehl und EBV werden auch in Zukunft eng zusammenarbeiten. Dabei ist neben den Dienstleistungen von EBV ein ganz anderer Aspekt besonders wichtig, meint Christian Ried: „Über die Jahre ist ein gegenseitiges Vertrauen gewachsen, das in einem so sensiblen und risikobehafteten Umfeld wie dem unseren entscheidend ist.“

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