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Meilensteine der Elektronik Zukunft braucht Herkunft – 93 Jahre Technologiegeschichte

Redakteur: Kristin Rinortner

Phoenix Contact hat 93 Jahre Technologiegeschichte geschrieben, geschaffen von Menschen mit Begeisterungsfähigkeit, Weitblick, Ideen und Tatkraft. Wir geben einen kurzen Abriss der Entwicklung.

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In Essen fing alles an: Hugo Knümann gründete 1923 eine Handelsvertretung für Elektroprodukte (Gebäude rechts unter den Bahngleisen des Essener Hauptbahnhofs). Wenig später nennt sich die junge Firma Phönix Elektrizitätsgesellschaft.
In Essen fing alles an: Hugo Knümann gründete 1923 eine Handelsvertretung für Elektroprodukte (Gebäude rechts unter den Bahngleisen des Essener Hauptbahnhofs). Wenig später nennt sich die junge Firma Phönix Elektrizitätsgesellschaft.
(Bild: Phoenix Contact)

Die „Goldenen Zwanziger (Jahre)“ stehen für die Aufbruchsstimmung und kulturelle Experimentierfreudigkeit der Jahre 1924 bis 1929, für ausschweifende Partys, Bubikopf, Bauhaus, Tippmamsell und Charleston genauso wie für Quantentheorie, Staubsauger, Rundfunk und Film als Massenmedium.

Der „Temporausch“ bestimmte den Zeitgeist. Motorisierung bedeutete technischen Fortschritt und Moderne. Aufgrund der großen Verkehrsdichte kamen in den Großstädten erste Verkehrspolizisten und die erste Ampelanlage Deutschlands zum Einsatz.

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Deutsche Automobilhersteller wie Maybach, Horch, Wanderer und Adler setzten Technik- und Sicherheitsmaßstäbe. Auch elektrische Verkehrsmittel wie Straßenbahnen erlebten in jenen Jahren einen enormen Aufschwung. Anfangs wurden noch keine Stromabnehmer und Oberleitungen verwendet, sondern ein System aus einer zweipoligen Fahrleitung in Kupferrohren mit kleinem Durchmesser und einem Schlitz an der Unterseite (Schlitzrohrfahrleitung). In dieser liefen zwei Kontaktwägelchen, die vom Triebwagen nachgezogen wurden.

In dieser Zeit (1923) gründete der Kaufmann Hugo Knümann in Essen eine Handelsvertretung für Elektroprodukte, die Phönix Elektrizitätsgesellschaft Hugo Knümann GmbH & Co KG. Die ersten Vertriebsprodukte waren Straßenbahn-Fahrleitungsarmaturen. Die junge Firma residierte in der Hollestraße 36, direkt am Essener Hauptbahnhof.

Die Stadt im Herzen des Ruhrgebiets hatte sich durch Kohle und Stahl rasant zu einer pulsierenden Großstadt entwickelt. Der Firmensitz bestand aus zwei gemieteten Etagen: in der unteren war das Büro, in der oberen die Montage untergebracht. Was mit dem Vertrieb einfacher Fahrdrahtklemmen begann, hat sich heute zu einer weltweiten Erfolgsgeschichte der Elektrotechnik entwickelt.

Der Erfolg der RWE-Phönix- Reihenklemme

In den 1920er Jahren nahm ein leitendender Ingenieur der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke (RWE) Knümann mit in eine Schaltanlage. Zur elektrischen Kontaktierung im Schaltschrank verwendete man damals 5-, 10-, 15- und 20-fache Keramikblöcke, die in den Klemmkörper montiert wurden. War ein Teil im Block beschädigt, musste der gesamte Block ausgetauscht werden.

Im Gedankenaustausch mit den RWE-Ingenieuren entwickelte Knümann schließlich die Idee, die unwirtschaftlichen keramischen Klemmblöcke in Scheiben zu unterteilen. Dies gilt als Geburtsstunde der modularen Reihenklemme.

Für das Produkt aus Keramikgehäuse und metallischem Klemmkörper erhielt Hugo Knümann 1928 das Patent. Mit der anreihbaren Reihenklemme auf der Hutschine ließen sich schaltungstechnische Wünsche in den mess-, steuer- und regeltechnischen Sekundärkreisen von Kraftwerken und Umspannstationen komfortabler erfüllen.

Die Phönix Elektrizitätsgesellschaft beschränkte sich auf die Entwicklung, Lagerhaltung und Vertrieb der Reihenklemmen. Die Keramikgehäuse wurden ebenso wie die spanend gefertigten metallischen Klemmkörper von Zulieferern bezogen.

Die RWE-Phönix-Reihenklemmen wurden so eingebaut, dass das Kugelschnappschloss auf der Profilschiene unten sitzt. Aufgebaut wurde die Klemmleiste von links nach rechts. Für eine bequeme Montage und eine gute Zugänglichkeit der Leitungsanschlüsse wurde der Schrägeinbau empfohlen.

Beim Lösen und Anziehen der Druckschrauben kam es darauf an, dass die Gegenmutter im nicht angezogenen Zustand stets unmittelbar unter dem Schraubenkopf saß. Denn sonst hätte die Gefahr bestanden, dass beim Anziehen der Druckschrauben eine vorzeitige Verriegelung der Druckschraube durch die Gegenmutter eintritt. Das Lösen der Druckschrauben zum Lösen der Verbindung oder zum Öffnen der Druckstücke bei der erstmaligen Einführung eines Leistungsdrahtes erfolgte stets mit einem mitgelieferten Steckschlüssel durch Linksdrehung der Gegenmutter.

Beim Festklemmen eines Leistungsdrahtes wurden zunächst die Druckschrauben mit dem Schraubendreher kräftig angezogen. Erst nachdem der feste Sitz des anzuklemmenden Drahtes durch Ziehen am eingeführten Ende einwandfrei festgestellt wurde, erfolgte die Verriegelung der Druckschraube durch Anziehen der Gegenmutter mit Hilfe des Steckschlüssels. Vor dem Anziehen der Druckschrauben konnte man sich überzeugen, dass sich die Gegenmutter in der vorgeschriebenen Lage unmittelbar unter dem Schraubenkopf befand.

Klemmen als Grundlage für die weitere Expansion

Im Jahr 1937 trat Ursula Lampmann als kaufmännische Leiterin und spätere Gesellschafterin in die Firma ein. Die starke Bombardierung der Stadt Essen zwang Knümann dazu, sein Unternehmen 1943 zu evakuieren. Blomberg in Ostwestfalen-Lippe bot Zuflucht. Hier wurde der Geschäftsbetrieb im Saal der Gaststätte „Bürgerheim“ wieder aufgenommen. Nach dem Krieg kehrten die kaufmännischen Mitarbeitenden 1948 nach Essen zurück, Montage und Lager blieben in Blomberg.

Durch Vermittlung des gemeinsamen Patentanwalts begegneten sich 1949 Hugo Knümann und der Starkstromingenieur Josef Eisert. Der ehemalige Leiter der Siemens-Schaltanlagenkonstruktion hatte sich selbstständig gemacht und intensiv mit der anwendungstechnischen Ertüchtigung befasst. Nach Gesprächen über die Verwertung der zahlreichen Patente begann zunächst eine beratende Zusammenarbeit, später trat Eisert als technischer Leiter in die Firma ein.

Anfang der 1950er Jahre begann Eisert die RWE-Klemmen zu modernisieren und überarbeitete das gesamte Produktprogramm. Daraus entstanden die Neuentwicklungen Rekord, Selecta und Kompensa, in die Eisert seine ganze Erfahrung legte. Sie wurden nicht nur ein großer Erfolg, sondern zum Fundament für die Expansion des Unternehmens in den 1950er Jahren. „Rekord“ war für Industrie und Bergbau bestimmt – das Alleinstellungsmerkmal war der Nummernwähler: 3-stellige Zahlenröllchen, die in jeder Klemme enthalten waren. So konnte der Monteur unter Tage die Klemmenleiste ohne zusätzliches Zubehör beschriften. Die „Selecta“ war eine Sekundär-Stromwandler-Trennklemme, die Kompetenz-Domäne von Eisert. Und „Kompensa“ war eine Klemme, die mit ihrem eingebauten Widerstand die unterschiedliche Leitungslänge von Temperatur-Messkreisen kompensierte.

In den folgenden Jahrzehnten gab es zahlreiche weitere Innovationen, die schließlich zur Markteinführung des Reihenklemmen-Systems Clipline complete führten. Das System vereint alle Anschlüsse in einem Programm: Die Anschlusstechniken Schraube, Zugfeder, Push-in, Schnellanschluss oder Bolzen sind durch den doppelten Funktionsschacht frei untereinander kombinierbar und nutzen das gleiche Zubehör.

Die 1950er Jahre: Der erste Generationenwechsel

Der kinderlose Hugo Knümann verstarb 1953 und vermachte sein Unternehmen Josef Eisert sowie Ursula Lampmann. Um den immer empfindlicher werdenden Abhängigkeiten von Zulieferern zu begegnen, beschlossen beide, eine eigene Fertigung zu bauen. 1957 entstand am Flachsmarkt in Blomberg die erste Werkshalle zur Fertigung von Schrauben und Kunststoffteilen. Stanz- und Biegeteile wurden aus dem Sauerland von Noelle & Berg geliefert. Unter dem Namen Phoenix Feinbau avancierte die Schwestergesellschaft zum ausschließlichen Zulieferer.

Die Verwaltung siedelte 1966 von Essen nach Blomberg um, in das neu errichtete, viergeschossige Bürogebäude am Flachsmarkt. Damit befand sich der komplette Firmensitz (rund 300 Mitarbeiter) in Blomberg.

Josef Eisert wurde seit 1961 von seinem ältesten Sohn Klaus unterstützt, 1962 kam der zweite Sohn Jörg dazu. Ingenieur Klaus kümmerte sich um Vertrieb und Produktentwicklung, Ingenieur Jörg um die Produktion.

Gegen Ende der 1960er Jahre folgte Eisert senior dem Trend, Produktionsabläufe mittels Elektronik zu automatisieren. Um auch auf Leiterplatten zuverlässige Kontakte zu gewährleisten, entwickelte er die ersten Ein-Pin-Klemmen, die aneinander auf die Platine gelötet werden können. Das war der Startschuss für die Leiterplattenklemmen – und damit für Lösungen speziell für Gerätehersteller. In den 1970er Jahren folgten mit der Miniklemme für gedruckte Schaltungen (MKDS) und der ersten Leiterplattenklemme mit Federanschluss weitere Quasi-Standards.

In den folgenden Jahren baute der Geschäftsbereich das Verbindungs- und Gehäuseangebot kontinuierlich mit durchgängigen und flexiblen Anschlusslösungen, die die Anlagenverfügbarkeit erhöhen, aus. Den Trend zur dezentralen Verkabelung stärkte man mit einem Programm von Rundsteckverbindern. Mit der M12-Schnellverriegelung SPEEDCON, dem DC-Stecksystem SUNCLIX für Photovoltaik-Anwendungen und dem Combined Charging System für Elektrofahrzeuge entstanden wegweisende Verbindungslösungen für unterschiedliche Branchen.

Der technischen Entwicklung folgend erfolgte 1970 die Namensänderung in Phönix Klemmen. Unter dem Slogan „... aus Kupfer plus Ideen“ soll das elektrotechnische Qualitätsprodukt dem Markt noch näher gebracht werden.

Josef Eisert starb 1975 im Alter von 78 Jahren. Drei Jahre zuvor war der jüngste Sohn Gerd ebenfalls in das Unternehmen eingetreten. Die drei Brüder leiteten mit Ursula Lampmann, die Finanzwesen, Verkauf und Personal verantwortete, das Unternehmen. Gerd übernahm 1976 die Leitung des Exportgeschäfts. 1979 starb Jörg Eisert auf der Fahrt nach Lüdenscheid bei einem Verkehrsunfall. Die Produktion stand fortan unter der Leitung von Klaus Eisert.

In den 1980er Jahren wurde das Produktportfolio in Richtung Elektronik ausgebaut. Zu den zahlreichen Klemmenfamilien kamen Printklemmen und Steckverbinder, Relais, Wandler und Produkte für den Überspannungsschutz hinzu. Den Übergang in die Automatisierungstechnik markierte die Entwicklung des Feldbussystems Interbus.

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