Neue Konkurrenz im Anmarsch Chinas ZTE will Autoelektronik fertigen

Autor / Redakteur: Henrik Bork / Michael Eckstein

Der chinesische Telekom-Ausrüster ZTE wird demnächst Autoelektronik fertigen, Wettbewerber Huawei könnte bald folgen. Damit wächst neue Konkurrenz für etablierte Player heran – etwa Bosch, Continental und Denso.

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Kausalkette: Die anhaltenden US-Sanktionen treiben chinesische Elektronikkonzerne in neue Märkte – zum Beispiel die Automobilelektronik.
Kausalkette: Die anhaltenden US-Sanktionen treiben chinesische Elektronikkonzerne in neue Märkte – zum Beispiel die Automobilelektronik.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Nach den weitreichenden und anhaltenden US-Sanktionen suchen chinesische Elektronikkonzerne alternative Geschäftsfelder. So wird der chinesische Telekom-Ausrüster ZTE in das Geschäft mit Elektronik für E-Autos einsteigen. Entsprechende Medienberichte, angeführt von der Nachrichtenagentur Reuters, hat ZTE-Chef Xu Ziyang nun auf der Jahresversammlung des Konzerns bestätigt.

Der in Shenzhen beheimatete Konzern wolle seine „existierenden Vorteile in der Informations-Kommunikations-Technologie nutzen, um im Bereich der Automobilelektronik zu expandieren“, sagte Xu. In allen Bereichen habe man die dafür nötigen Fähigkeiten, so der ZTE-Chef – sowohl bei der Hardware, der Software, bei Betriebssystemen, Datenbanken, Konnektivität, Big Data und KI.

Der in Shenzhen beheimatete Tech-Konzern, der während der Präsidentschaft von Donald Trump auf die schwarze Liste der US-Regierung geraten ist, reiht sich damit in eine lange Liste chinesischer Unternehmen ein, die sich die „patriotische Selbstversorgung“ mit Autoelektronik auf die Fahnen geschrieben haben.

Folgt bald ZTE-Konkurrent Huawei?

Immer wieder gibt es Medienberichte, denen zufolge auch der ZTE-Konkurrent Huawei bald in die Produktion von E-Autos einsteigen wolle. Huawei beteuert bisher, nur Komponenten produzieren zu wollen, keine eigenen Autos. Der Internet-Konzern Baidu hat schon im Januar angekündigt, gemeinsam mit dem OEM Geely intelligente, vernetzte E-Autos entwickeln zu wollen.

Auch der Handy-Produzent Xiaomi hat Anfang April eine Investition von mehreren Milliarden US-Dollar in einen neuen Geschäftsbereich zur Produktion von E-Autos angekündigt. Auslöser ist das rasante Wachstum der E-Mobilität in China. Für das laufende Jahr prognostizieren Marktforschungsunternehmen in China einen Absatz von 1,8 Millionen Elektroautos, inklusive Hybriden und Autos mit anderen alternativen Antrieben, nach 1,5 Millionen im vergangenen Jahr.

Nach US-Embargo: Auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern

Für Technologie-Konzerne wie ZTE und Huawei geht es beim Einstieg in die Autoelektronik auch um eine nötige Diversifizierung, um die von den USA aktiv betriebene Beschädigung ihres Handy- und Telekom-Geschäftes zu ersetzen. Eine neue Produktlinie für Autoelektronik solle dabei helfen, das wegen des Handelskrieges einbrechende, internationale Geschäft von ZTE innerhalb Chinas zu kompensieren, sagen Analysten in China.

Der jüngste Finanzbericht des börsennotierten Konzerns zeigt, dass Neu-Ausrichtung auf den heimischen Markt an Fahrt gewinnt. Einnahmen aus Geschäften innerhalb Chinas legten bei ZTE im Jahr 2020 um 16,9 Prozent zu, während das internationale Geschäft lediglich um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr wuchs. Der Einstieg in die Autoelektronik soll nun diesen Trend verstärken, heißt es unter Marktbeobachtern in China.

Vom Auto zum Konnektivitäts-Hub

Der Einstieg in die automobile Elektronik sei für ZTE ein „natürlicher Schritt“, sagen Konzernsprecher. Besonders E-Autos entwickelten sich für die Endkunden immer mehr von einem reinen Transportmittel zu einem Werkzeug der alltäglichen Konnektivität. Da habe man viel Erfahrung und Entwicklungspotenzial.

ZTE wird damit langfristig zu einem weiteren Konkurrenten für Zulieferer wie Bosch, Continental und Denso werden. Einem Bericht des chinesischen Autofachmediums Zhidongxi zufolge haben diese sogenannten Tier-1-Zulieferer in China bei der Autoelektronik gegenwärtig einen Marktanteil von rund 70 Prozent.

Vor dem Hintergrund der US-Boykotte bei Halbleitern und auch aufgrund der jüngsten Versorgungsengpässe bei Chips für die Autoproduktion wird das Thema Selbstversorgung derzeit in China mit großem Enthusiasmus diskutiert. Langfristig ist das Ziel, in diesem Bereich autark zu werden.

* Henrik Bork ist Analyst bei Asia Waypoint, einem auf den chinesischen Markt fokussierten Beratungsunternehmen in Peking.

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