Suchen

Aufgedeckt Zielscheibe Erde: Asteroid D14 auf Kollisionskurs mit der Erde

| Redakteur: Gerd Kucera

In zwei Tagen gibt es Gewissheit: Dann wird der Asteroid 2012 D14 haarscharf an der Erde vorbeifliegen oder ähnlich vernichtend sein wie der Tunguska-Asteroid im Juni 1908. Die Meinung der Experten ist zweigeteilt. Sicher ist, die Erdnähe verändert seine Umlaufbahn um die Sonne. Was wird geschehen, wenn wir diesmal Glück haben, der Erdbahnkreuzer die Sonne umkreist hat und auf seiner Trajektorie zu uns zurückkehrt?

Firma zum Thema

Soll 2016 ins Weltall starten: Weltraumteleskop Sentinel
Soll 2016 ins Weltall starten: Weltraumteleskop Sentinel
(B612 Foundation.org/EP)

Wenn am Freitag alles gut geht, soll künftig das Sentinel-Projekt der B612 Foundation für eine frühzeitige Warnung sorgen. B612 ist der Name einer privaten Gesellschaft, die im Sommer 2012 an der California Academy of Sciences in San Francisco sich und ihr Projekt der Öffentlichkeit vorstellte.

Bildergalerie

Grund zur Sorge haben der Apollo-9-Astronaut Rusty Schweickart und zahlreiche NASA-Wissenschaftler „...weil wir mit unserer Erde blind durch das Weltall fliegen...“ und eine Vielzahl erdbahnkreuzender Asteroiden gefährlich nahe kommen. Denn im inneren Solarsystem gibt es mehr als ½ Mio. Asteroiden der Tunguska-Klasse mit einem Durchmesser von etwa 50 m. Nur etwa 10.000 von ihnen sind bekannt.

Entdeckt haben den Asteroiden 2012 D14 (offizielle Bezeichnung 46610) die japanischen Astronomen Kin Endate und Kazuo Watanabe im Asteroiden-Gürtel zwischen den Planetenbahnen von Mars und Jupiter unseres Sonnensystems. In diesem Gebiet ist das Gros der Zwergplaneten und Asteroiden unseres Sonnensystems verteilt. Die Ziffer 46610 als hexadezimale Zahl lautet B612 und ist deshalb die Bezeichung der Foundation.

Die Namengebung war auch bewusst an die 1943 veröffentlichte Erzählung „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry angelehnt. Der kleine Prinz lebte auf dem Planetoiden B612. In der französischen Schreibweise heißt der Asteroid Bé six douze, was 2002 zur offiziellen Namensgebung „Asteroid Bésixdouze (46610)“ führte.

Am 15.2.2013 soll der katalogisierte Asteroid Berechnungen zufolge die Erde um etwa 24.000 km verfehlen, sagen NASA-Experten. Dennoch befürchten andere Wissenschaftler, diese Erdnähe könnte so großen Einfluss auf ihn haben, dass doch mit einem Einschlag zu rechnen sei. Auf jeden Fall unterfliege er die Umlaufbahnen von geostationären Satelliten und könnte einen von ihnen zerstören.

Wahrscheinlichkeitsberechnungen zeigen, dass etwa alle 10 Mio. Jahre ein bedeutender Komet auf die Erde stürzt, während Asteroiden allein aufgrund ihrer größeren Zahl häufiger mit unserem Planeten kollidieren. Entscheidend für die zerstörende Flächenwirkung ist eine Mindestgröße. In Tunguska (Sibirien) hatte das 50-m-Objekt etwa 6000 km2 Waldfläche zerstört; die Kraft wurde auf über 10 Megatonnen TNT geschätzt.

Sentinel wird das innere Sonnensystem kartografieren. Die Projektlaufzeit ist auf 5,5 Jahre angesetzt, bei einer Systemlebensdauer von 10 Jahren. Zum Projektende sollen 98% aller erdnahen Objekte erfasst sein (bereits 200.000 im ersten Jahr). Die Sonde Senitel wird eine Venus-ähnliche elliptische Umlaufbahn haben. Hierbei ist ihre Rückseite der Sonne zugewandt. Mit nur 108 Mio. km Entfernung von der Sonne (Erde ist etwa 150 Mio. km entfernt) braucht der Satellitenwächter bei gut +500 °C einen ausgeprägten (doppelten) Hitzeschutz. Fest montierte Photovoltaik-Zellen mit 2 kW Leistung speisen eine Batterie mit 24 Ah Kapazität.

Die optimale Wellenlänge zur Erkennung von Asteroiden ist das Infrarot-Spektrum, weshalb das IR-Teleskop für eine Wellenlänge von 5 bis 10,4 µm empfindlich ist. Die Auflösung für ein Teilbild beträgt 24 Mio. Pixel. Das Sensor-Array wird auf -133 °C gekühlt, um die Hochempfindlichkeit zu sichern. Via Hochleistungs-Parabolantenne mit 0,5 m Durchmesser werden alle Daten über das Deep Space Network der NASA zur Erde übermittelt. Im Service-Modul von Sentinel sind elektrische und elektronische Systeme enthalten, beispielsweise für die Steuerdüsen und zur Kommunikation. An Bord sind 96 GByte Speicher für Daten.

Während das Hubble-Teleskop, das bekanntlich faszinierende Bilder aus dem All lieferte, nur 560 km im Orbit kreist, ist Sentinel mehrere hundert Tausend mal tiefer im Sonnensystem. Eine besondere Herausforderung für die Wissenschaftler ist die elliptische Umlaufbahn, die zwischen 48 und 272 Mio. km Erdabstand variiert.

Mehr über das Innenleben elektronischer Systeme in unserer Bildstrecke Aufgedeckt

Nach Abschluss der Erfassung aller erdnahen Objekte soll es möglich sein, gefährliche Planetoiden Jahrzehnte im Voraus zu erkennen. Das sei Zeit genug, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Ist einmal Kollisionsgefahr gegeben, dann reiche eine geringe Änderung der Asteroiden-Geschwindigkeit um weniger als 0,032 km/h aus, um einen Einschlag zu verhindern. Falls das misslingt, so meinte ein Forscher, dann muss Bruce Willis erneut einen Einsatz fliegen. Senitel soll 2016 mit der Trägerrakete Falcon 9 in Umlauf gebracht werden.

(ID:37548900)