Zurück zu alter Größe Ziel 2 nm: Japan will Chipindustrie langfristig subventionieren

Von Henrik Bork

„Silicon Island“: Mit systematischer Förderung will Japan seine Halbleiterindustrie zu alter Größe zurückführen. In spätestens zehn Jahren soll die Fertigung von 2-nm-Chips stehen. Eine Insel im Süden Japans spielt dabei eine besondere Rolle.

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Déjà-Vu: Japan subventioniert den Bau einer TSMC-Fab auf heimischem Territorium, will aber langfristig vor allem die eigene Halbleiterindustrie stärken.
Déjà-Vu: Japan subventioniert den Bau einer TSMC-Fab auf heimischem Territorium, will aber langfristig vor allem die eigene Halbleiterindustrie stärken.
(Bild: TSMC)

Rund um den Jahreswechsel hat ein Paradigmenwechsel für Japans Industriepolitik stattgefunden: Die Regierung in Tokio hat entschieden, die Fertigung von Halbleitern ab jetzt stärker und regelmäßig zu subventionieren. So lautet das Fazit aus einer Reihe von Nachrichten und Entwicklungen im gerade abgelaufenen und im beginnenden neuen Jahr.

In Kumamoto, auf der südjapanischen Insel Kyushu, wird gerade ein 21,3 Hektar großes Baugelände für eine Grundsteinlegung in diesem Frühjahr vorbereitet. TSMC, der taiwanesische, weltweit größte Auftragshersteller für Halbleiterchips, baut dort eine neue Fabrik. Hauptsächlich für Chips mit 22- und 28-Nanometer-Technologie.

Etwa die Hälfte der schätzungsweise 1 Billion Yen (rund 7,8 Milliarden Euro) für das Werk wird in Form von Subventionen aus der japanischen Staatskasse bereitgestellt worden. So ist es Mitte November in einem „Notfall-Stärkungsplan“ für die japanische Halbleiterindustrie vom Kabinett in Tokio beschlossen worden.

Die Chip-Fabrik von TSMC in Kumamoto ist das erste Projekt, das von einem speziell für Halbleiter gedachten Zusatzhaushalt profitiert. Die Gelder werden von der „New Energy and Industrial Technology Development Organization“ verwaltet und sollen auch für andere Projekte der Halbleiter-Fertigung und -Forschung eingesetzt werden.

Wende in der japanischen Industriepolitik

Im Dezember hat die japanische Regierung ein erstes konkretes Subventionspaket von umgerechnet rund 6,2 Milliarden Euro bewilligt, diesmal noch in der Form eines Zusatzhaushaltes. Dies solle der Anfang einer Wende der japanischen Industriepolitik sein, nach Jahren der Vernachlässigung und des Niedergangs der heimischen Chip-Produktion, heißt es in Tokios Regierungskreisen.

Noch im Jahr 1988 hatten Hersteller in Japan einen Anteil von mehr als 50% an der globalen Halbleiter-Industrie. Bis 2019 war dieser Anteil auf weniger als zehn Prozent gesunken. Das soll sich nun wieder langsam ändern, hat man beschlossen.

Von der Einmal-Nothilfe zur regelmäßigen staatlichen Förderung

Der nächste Schritt, den Tokio plant, ist die Umwandlung dieses einmaligen „Nothilfe“-Programms von Subventionen in eine regelmäßige Staatsfinanzierung der heimischen Halbleiter-Industrie. „Ich erwarte, dass diese Höhe der Finanzierung zumindest in den kommenden Jahren weitergehen wird,“ sagte Tetsuro Higashi, der Chefberater des japanischen Kabinetts zum Thema Halbleiter.

Ähnlich wie in den USA und in Europa, wo bald Milliardensubventionen in die Stärkung der jeweils eigenen Halbleiterproduktion fließen werden, waren auch in Japan die Versorgungsengpässe mit Chips in der Folge der Corona-Lockdowns und der gestörten globalen Lieferketten seit Beginn des Handelszwists zwischen den USA und China als eine Art Weckruf verstanden worden. Die Angst, in der Folge eines militärischen Konfliktes zwischen der Volksrepublik China und Taiwan keine Halbleiter mehr beziehen zu können, ist in Japan ein zusätzlicher strategischer Faktor.

„Japan muss sein industrielles Fundament absichern!“

„Falls Japan nicht sein industrielles Fundament absichert, werden wir im Bereich Halbleiter auf das geistige Eigentum anderer angewiesen sein und die werden sämtlichen Mehrwert mitnehmen,“ sagte Higashi. Er empfiehlt, dass Japan in den kommenden zehn Jahren umgerechnet rund 78 Milliarden Euro an Subventionen für die lokale Chip-Fertigung bereitstellt. Ähnliche Zahlen sind bereits von führenden Mitgliedern der Japans Politik dominierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) genannt worden, etwa von Akira Amari.

Für Japans Autoindustrie, die im Zuge von Elektrifizierung und Digitalisierung immer mehr Chips benötigt, aber auch für viele Zukunftsindustrien wie 5G oder 6G, IoT und die Automatisierung der Fertigungsindustrie sei eine stabile Selbstversorgung mit Halbleitern essenziell, heißt es in Kommentaren der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei Asia und anderen japanischen Medien.

Während die neue TSMC-Fabrik in Kumamoto – an der sich auch der Grundstücksnachbar Sony mit etwa 20% beteiligt – vor allem Chips für Anwendungen in Autos und Kameras produzieren wird, zielt Japan eindeutig höher und weiter. Auch das wurde zum Jahreswechsel aus Äußerungen von Insidern in Tokio erstmals sehr deutlich.

2 nm: Japan will in zehn Jahren Top-Chiptechnologie liefern können

Innerhalb von zehn Jahren solle Japan eine eigenen Massenfertigung im 2-Nanometer-Bereich aufgebaut haben, also wieder zu momentan führenden Halbleiter-Standorten wie Taiwan oder Südkorea aufgeschlossen haben, wird Higashi, der Top-Berater von Japans Ministerpräsident Kishida, in den japanischen Medien zitiert.

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Damit ist die systematische Stärkung der eigenen Halbleiterindustrie endgültig wieder zu einer langfristigen und zentralen Säule der japanischen Industriepolitik geworden. Aus Kyushu, dieser schönen Insel im Süden Japans, soll erneut eine Art „Silicon Island” in Asien werden.

* Henrik Bork ist Analyst bei Asia Waypoint, einem auf den asiatischen Markt fokussierten Beratungsunternehmen in Peking.

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