Elektronische Produkte zulassen

Zertifizierte Produkte öffnen Türen zu Märkten

| Autor / Redakteur: Martin Maywald * / Hendrik Härter

Absorberraum für EMV-Messungen: Hier werden Messungen für die weltweiten Länderzulassungen vorgenommen
Absorberraum für EMV-Messungen: Hier werden Messungen für die weltweiten Länderzulassungen vorgenommen (Fujitsu)

Zertifizierte Produkte öffnen ansonsten verschlossene Märkte. Neben den Vorteilen muss vor allem ein allgemeines Verständnis für die Relevanz ordnungsgemäßer Zertifizierungen erfolgen. In unserem Beitrag geben wir Ihnen Lösungsansätze.

In Zeiten globaler Märkte werden Fragen der Zertifizierung immer komplexer: Die Normendichte und die Zahl der relevanten Prüfzeichen nehmen stetig zu, und die Voraussetzungen für eine Produktzulassung sind weltweit extrem inhomogen. Es erfordert viel Erfahrung, in diesem unübersichtlichen Gelände sicher zu navigieren. Die Vorteile einer fachgerechten Zertifizierung bzw. Produktzulassung liegen auf der Hand: Kürzere Einführungszeiten bringen erhöhte Umsatzchancen und Vorteile gegenüber den Wettbewerbern. Insofern ist bei Unternehmen, die technische Produkte vermarkten möchten, das Bewusstsein für die Relevanz ordnungsgemäßer Zertifizierungen mittlerweile sicherlich gewachsen.

Weltweite Zertifikate: Das Product Compliance Center ist von der Deutschen Akkreditierungsstelle DAkkS nach DIN EN ISO/IEC 17025 zertifiziert. Hinzu kommen Zertifikate für die Überprüfung nach UL, CSA und FCC (USA), CCC (China), BSMI (Taiwan), MIC (Vietnam), VCCI (Japan), KC (Korea), C-Tick (Australien) oder GOST-R (GUS-Staaten).
Weltweite Zertifikate: Das Product Compliance Center ist von der Deutschen Akkreditierungsstelle DAkkS nach DIN EN ISO/IEC 17025 zertifiziert. Hinzu kommen Zertifikate für die Überprüfung nach UL, CSA und FCC (USA), CCC (China), BSMI (Taiwan), MIC (Vietnam), VCCI (Japan), KC (Korea), C-Tick (Australien) oder GOST-R (GUS-Staaten). (Fujitsu)

Da jedoch die Ressourcen in der Regel anderweitig gebunden sind, wird häufig nicht strukturiert vorgegangen. In der Folge kommt es zu einer Reihe typischer Fehler. Diese reichen von Formalismen in der Deklaration, wie der Angabe eines falschen Produktnamens oder veralteter Normen, über die falsche Kategorisierung des Produktes und fehlende Dokumente bis hin zur Vermarktung ohne die korrekten Zulassungen, was für ein Unternehmen letztendlich zum Erlöschen der Liefererlaubnis in ein Land führen kann. Alle Fehler verursachen einen unnötigen Aufwand und kosten wertvolle Zeit, was letztendlich einen verzögerten Zugang zu den Zielmärkten und damit entgangene Umsätze bedeuten kann.

Strategisch vorgehen und Zielmärkte identifizieren

Weltweite Zulassungen: Eine Anechoic Chamber für EMV-Messungen
Weltweite Zulassungen: Eine Anechoic Chamber für EMV-Messungen (Fujitsu)

Die eigentliche Ursache für viele Probleme während der Zertifizierungsdurchführung liegt in der Regel darin, dass vorab keine Zertifizierungsstrategie festgelegt wurde, obwohl sich hier ein großes Potenzial an Kosten- und Zeitersparnis auftut. Dabei ist eine solide Zertifizierungsstrategie eine unverzichtbare Basis für den internationalen Marktzugang. Angesichts der Komplexität des Themas und der Vielfalt technischer Produkte muss die erste und wichtigste Empfehlung an Ratsuchende lauten: Informieren Sie sich rechtzeitig und stellen Sie die Weichen, bevor der Vertrieb nachfragt, warum das Produkt im Zoll hängengeblieben ist. Eine der wichtigsten Fragen, die im Vorfeld geklärt werden müssen, ist, in welchen Ländern das künftige Produkt vermarktet werden soll.

Entscheidend sind auch der Lieferumfang, der geplante Einsatzbereich der Produkte und schließlich der Einbau von Funkschnittstellen an Geräten. Darüber hinaus spielt der Faktor Zeit eine zentrale Rolle.Häufig wird während der Abwicklung der Zertifizierung die oft lange Liste von Ländern, in denen ein Produkt zugelassen werden soll, mit Blick auf die anfallenden Kosten sehr schnell zusammengestrichen. Oft wird dabei jedoch übersehen, dass manche Zulassungen in einigen Ländern verpflichtend sind, in anderen jedoch freiwillig. Ein Beispiel ist das Singapore Safety Mark. Dieses Siegel ist für die Home-Computer verpflichtend, bei Geräten für den professionellen Einsatz jedoch freiwillig. Dazu kommt, dass die Frage nach dem Umfang der Zertifizierung zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden kann, etwa im Zulieferbereich.

Selbst wenn zum Beispiel ein Hersteller den Marktzugang in einem Land ursprünglich nicht plante, kann die entsprechende Zertifizierung doch später Thema werden, wenn ein Kundenunternehmen das betreffende Bauteil in einem seiner Produkte verwenden möchte oder bereits verwendet hat und genau diesen Marktzugang anstrebt. Auch wenn aufgrund der Kosten sicher kein Unternehmen seine Produkte über den vorgeschriebenen Standard hinaus zertifizieren wird, ist es hier doch wichtig, gut zu planen und dabei auch die Interessen wichtiger Abnehmer im Blick zu behalten, um sich nicht frühzeitig Marktchancen zu verbauen.

Einsatzbereiche und Lieferumfang klären

Um den Aufwand bei der Zertifizierung möglichst gering zu halten, ist vor der Zulassung für jedes Produkt unter Betrachtung der Anwendungsfälle zu klären, in welche Kategorie es optimalerweise eingeordnet werden sollte. Selbst innerhalb eines Bereichs ist hier zu differenzieren. Ein Beispiel aus der Medizin: In Bezug auf die relevanten Vorschriften ist es ein Unterschied, ob ein PC in einem Krankenhaussekretariat oder zur Steuerung des Computertomographen eingesetzt wird.

Das nötige Wissen über Produktzulassungen hilft hier Kosten sparen. Einen Sonderfall stellen Geräte mit Funkschnittstellen dar. Denn hier wird es immer dann besonders diffizil, wenn in ein Gerät eine der heute gängigen Funkschnittstellen wie WLAN oder Bluetooth eingebaut wird. In diesem Fall müssen eine Reihe zusätzlicher Normen und Vorschriften beachtet werden.

EMV-Messungen: Neben Mess-Dienstleistungen für externe Kunden und für die weltweiten Länderzulassungen. Die Experten des Product Compliance Center von Fujitsu bieten auch Zertifizierungsberatung und -abwicklung. Zum Angebotsportfolio gehören Probe-Audits (CCC und ähnliche), Normen-Updates, Dokumenten-Checks, Ausstellung von CE-Erklärungen, Integrationsunterstützung.
EMV-Messungen: Neben Mess-Dienstleistungen für externe Kunden und für die weltweiten Länderzulassungen. Die Experten des Product Compliance Center von Fujitsu bieten auch Zertifizierungsberatung und -abwicklung. Zum Angebotsportfolio gehören Probe-Audits (CCC und ähnliche), Normen-Updates, Dokumenten-Checks, Ausstellung von CE-Erklärungen, Integrationsunterstützung. (Fujitsu)

Sofern das schon bei der Entwicklung des Gerätes berücksichtigt wurde, gibt es wie auch schon im vorherigen Beispiel Möglichkeiten, durch die Wahl der richtigen Vorgehensweise bei der Zulassung Kosten zu senken. Insbesondere ist hier vorab die Frage zu klären, welche Zulassungen das eingesetzte Funkmodul bereits mitbringt und ob diese verwendet werden können. Denn wenn zum Beispiel einzelne Bauteile eines Produktes CE-zertifiziert sind, heißt das nicht, dass das Gesamtsystem ebenfalls CE-konform ist. Auch das ist wiederum ein Beispiel für die Rückwirkung der Zertifizierungsstrategie in den Bereich der Produktdefinition und Entwicklung.

Der zeitliche Rahmen und der Zeitpunkt einer Zertifizierung

Entscheidend ist auch der zeitliche Rahmen und der Zeitpunkt einer Zertifizierung. Erstens ist es wichtig, sich rechtzeitig mit dem Thema Zertifizierung auseinanderzusetzen. Relevante Vorschriften sollten schon während der Entwicklung berücksichtigt werden. Im schlimmsten Fall kann sonst ein aufwändiges Redesign notwendig werden. Zudem ist einzuplanen, dass eine Zertifizierung je nach Land und „Lernkurve“ bis zu 26 Wochen dauern kann.

Bei Fujitsu Technology Solutions wird das Zertifizierungsteam des unabhängigen Product Compliance Center bereits in einer sehr frühen Entwicklungsphase eingebunden. Zusammen mit der Entwicklungsabteilung wird eine Zertifizierungsstrategie erarbeitet, um das Produkt zu einem möglichst frühen Zeitpunkt auf den Zielmärkten verkaufen zu können. Fujitsu Technoloy Solutions zertifiziert IT- und Elektronikprodukte und arbeitet mit einem internationalen Partnernetzwerk zusammen. Von dieser Expertise profitieren seit 1996 auch externe Kunden. Über das Service- und Beratungsangebot rund um den Themenkomplex Zertifizierung hinaus bietet das Product Compliance Center unter dem Stichwort Compliance Talks auch eine Seminarreihe zu den zentralen Fragen des internationalen Marktzugangs an.

* Dr. Martin Maywald ist Manager International Certification Team im Product Compliance Center von Fujitsu Technology Solutions in Augsburg.

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