Produktsicherheit

Zertifikate für Elektroprodukte nach nationalen und internationalen Standards

| Redakteur: Hendrik Härter

Elektrische oder elektronische Produkte müssen sich Gesetzen, Richtlinien und Genehmigungen unterwerfen, die in jedem Land anders ausfallen (Bild: EMV Testhaus)
Elektrische oder elektronische Produkte müssen sich Gesetzen, Richtlinien und Genehmigungen unterwerfen, die in jedem Land anders ausfallen (Bild: EMV Testhaus)

Sollen elektrische oder elektronische Produkte exportiert werden, müssen sowohl nationale als auch internationale Regularien beachtet werden. Wir stellen Ihnen eine Auswahl der Wichtigsten vor.

Im heutigen globalen Markt unterliegen elektrische und elektronische Produkte verschiedenen Anforderungen, etwa im Bereich der Produktsicherheit, elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) oder Funkeigenschaften.

Einen einheitlichen Weltstandard für Sicherheit und Qualität gibt es allerdings nicht. Vielmehr haben die verantwortlichen Gremien jedes Landes oder einer jeden Wirtschaftsregion ihre eigenen Anforderungen festgelegt. Diese Gesetze, Richtlinien und Normen müssen eingehalten werden, damit die Produkte auch die Genehmigung für die Einführung auf dem jeweiligen Markt erhalten können.

Eine Auswahl von nationalen wie internationalen Regularien für wichtige Märkte zeigt, wie komplex und vielfältig die Zulassungswelt ist, was wiederum zu Verunsicherungen bei Herstellern, Exporteuren oder Händlern, aber auch bei Verbrauchern führt.

Das europäische CE-Kennzeichen für Produktkonformität

Das CE-Kennzeichen ist das anerkannte europäische Kennzeichen für die Konformität eines Produktes und damit der Schlüssel zu den Märkten von 30 Ländern in Europa. Ein Gerät, eine Baugruppe oder ein Modul, das das CE-Zeichen trägt, darf offiziell innerhalb der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA - European Free Trade Association) verkauft werden.

Dabei ist das CE-Zeichen kein Qualitäts- oder Gütesiegel, sondern es kennzeichnet nur, dass alle gesetzlichen Anforderungen der entsprechenden EU-Richtlinien an das Produkt eingehalten werden. Eine CE-Kennzeichnung ist zwingend erforderlich. Nur dann dürfen Elektroprodukte ohne Handelshemmnisse nach den Richtlinien des europäischen Binnenmarktes frei gehandelt werden.

Geprüfte Sicherheit mit dem GS-Zeichen

Das GS-Zeichen steht für «Geprüfte Sicherheit» und ist ein freiwilliges Sicherheitszeichen. Unter deutschen Verbrauchern und auch Herstellern ist das Zertifizierungszeichen hochangesehen. Auch außerhalb Deutschlands ist das Zeichen sehr bekannt und geschätzt. Das GS-Zeichen kann nur von einer durch die ZLS in München akkreditierten Prüfstelle vergeben werden. Das Zeichen wird durch die deutschen Sicherheitsbehörden kontrolliert.

Die drei Verfahren für den US-amerikanischen Markt

Die meisten elektrischen und elektronischen Produkte dürfen nur dann in die USA geliefert, verkauft oder dort importiert werden, wenn sie den EMV- und funkspezifischen Anforderungen der Federal Communications Commission (FCC) genügen. Dabei gibt es drei Verfahren, unter denen Produkte für den amerikanischen Markt entweder zertifiziert oder für konform erklärt werden können:

  • Das Verfahren «Verification» beruht auf einer Erklärung des Herstellers. Dabei führt dieser Messungen durch oder lässt sie in einem Labor durchführen, um sicherzustellen, dass das Gerät mit den technischen Vorschriften übereinstimmt. Eine Produktkennzeichnung und ein Hinweis im Handbuch sind erforderlich.
  • Bei dem Verfahren «Declaration of Conformity» (DoC) führt der Hersteller ebenfalls eine Konformitätsbewertung in Eigenverantwortung durch. Allerdings müssen die Prüfungen in speziellen Prüflaboren erfolgen. Diese müssen akkreditiert sein und außerhalb der USA als Konformitätsbewertungsstelle (CAB) anerkannt sein. Unter dem DoC-Verfahren in Verkehr gebrachte Produkte wie PCs, PC-Komponenten und angeschlossene Geräte, bedürfen einer besonderen Kennzeichnung und ebenfalls einem Hinweis im Handbuch.
  • Das Verfahren «Certification» beschreibt die klassische Zulassung. Es ist ein bilateraler Zulassungsprozess, bei dem ein Antrag an die FCC oder einen Telecom Certification Body (TCB) zur Bewertung und Zulassung für Funkanwendungen gestellt werden muss. Europäische Hersteller, die Produkte in die USA exportieren wollen, können hier die Vorteile des Abkommens über die gegenseitige Anerkennung von Prüfergebnissen und Zertifizierungen (MRA: Mutual Recognition Agreement) zwischen den USA und der Europäischen Union nutzen. Dadurch ist es möglich, dass Funksendegeräte bereits in Europa durch ein TCB zugelassen werden können.

Bevor ein Produkt auf den amerikanischen Markt gelangen kann, muss dieses aber auch nach US-Normen und -Standards auf dessen Sicherheit hin geprüft werden. Der amerikanische Markt verlangt die Einhaltung der Sicherheitsstandards. Den Nachweis der Konformität erhält man von einer anerkannten Prüfstelle, den National Recognized Testing Laboratory (NRTL) und wird durch das Aufbringen des Prüfzeichens auf dem Produkt belegt. Europäische Prüfungen auf Basis von EN-Normen werden allein nicht anerkannt.

Kanada:

Die Zulassung für elektrische und elektronische Produkte in Kanada weist eine starke Ähnlichkeit mit dem FCC-Verfahren in den USA auf.

Bei vorhandener FCC-Zulassung vereinfacht sich das Verfahren, da nur die von FCC abweichenden Normenpunkte erwähnt und falls erforderlich abgeprüft werden müssen.

Australien und Neuseeland:

Das «Mutual Recognition Agreement» (MRA) zwischen Australien und der Europäischen Union ermöglicht es, das Konformitätsbewertungsverfahren in Europa durchzuführen und anschließend das Produkt mit einer entsprechenden Dokumentation und einem Repräsentanten vor Ort in Australien zu vermarkten. Bei herkömmlichen Elektro- und Funkprodukten ist das Prüfzeichen C-Tick. Telekommunikationsprodukte werden mit dem A-Tick- Prüfzeichen abgedeckt. Bilaterale Abkommen zwischen Australien und Neuseeland stellen sicher, dass Produkte mit australischen Zulassungen auch in Neuseeland in Verkehr gebracht werden können.

China:

Das CCC-Zertifikat (China Compulsory Certificate) ist das chinesische Pflichtzertifikat für verschiedene Produktgruppen, insbesondere für elektrotechnische Produkte. Die zertifizierungspflichtigen Produkte dürfen erst nach China importiert und dort verkauft werden, nachdem eine CCC-Zertifizierung des Produktes durchlaufen wurde. Das CQC (China Quality Certification Centre) ist für die Durchführung der Zertifizierung verantwortlich und legt die Produktgruppen fest, die zertifizierungspflichtig sind. Eine CCC-Zertifizierung muss daher für alle Produkte durchgeführt werden, die zu den von der CQC festgelegten Produktgruppen gehören.

Ob ein Produkt CCC-pflichtig ist, kann anhand der Zolltarifnummer überprüft werden. Hinweise auf die CCC-Pflicht liefert auch der «First Catalogue of Products Subject to China Compulsory Certification». Für eine Reihe von Produkten besteht eine freiwillige Zulassung mit dem CQC-Zeichen. Eine Sonderregelung gibt es für Funksysteme. Diese müssen durch die Zertifizierungsbehörde SRRC (State Radio Regulation Center) zugelassen werden.

Russland:

In Russland gibt es eine Zertifizierungspflicht von Waren die vergleichbar mit der CE-Kennzeichnung ist. Da die russische Regierung die europäischen Qualitätszertifikate nicht anerkennt, müssen bestimmte Produkte wie aus der Elektrotechnik, die nach Russland exportiert werden, auf die Konformität mit den russischen Normen und Anforderungen überprüft werden. Diese werden im GOST-R-Zertifikat dokumentiert. Aber nicht alle Waren benötigen ein GOST-R-Zertifikat, einige sind davon ausgenommen. Diese kann man allerdings auf freiwilliger Basis zertifizieren lassen. Hier entscheidet der Hersteller selbst, ob er die Zertifizierung wünscht.

Japan:

Ein Prüfzeichen für die EMV ist VCCI. VCCI ist freiwillig und nur für Hersteller aus dem Bereich IT anwendbar. Der Hersteller muss ein VCCI-Mitglied werden. Das Einhalten der Kriterien, wofür das VCCI-Kennzeichen steht, gilt als Hinweis auf die Produktqualität. Die elektrische Sicherheit wird durch das PSE-Prüfzeichen gekennzeichnet. Jedoch sind auch hier nicht alle Produkte betroffen. Es gilt Produktkategorien zu beachten.

Taiwan:

BSMI steht für die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) und die elektrische Sicherheit und muss produktabhängig durchgeführt werden. Nur anerkannte Prüflabore können die BSMI-Zulassung durchführen. Funkprodukte werden durch die National Communications Commission (NCC) zertifiziert, Die erforderlichen Prüfungen müssen in einem von der NCC zugelassenen Labor vorgenommen werden.

Korea:

In Korea müssen IT- und Kommunikationsprodukte nach den KCC-Bestimmungen zertifiziert werden. Für alle anderen zulassungspflichtigen Produkte ist das KC-Prüfzeichen notwendig.

* *Edgar Riesinger hat Nachrichtentechnik studiert und ist seit Oktober 1996 bei EMV Testhaus in Straubing.

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Servus Edgar, wollte mich mal wieder melden. Ich bin seit Juli diesen Jahres weg von Siemens und...  lesen
posted am 03.11.2017 um 13:06 von Unregistriert


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