Museum für Medizinische Technik

Zeitreise durch 160 Jahre Medizintechnik von Siemens

| Redakteur: Hendrik Härter

Das Siemens MedMuseum zeichnet die Entwicklung der Medizintechnik nach und erzählt Geschichten von Menschen mit Pioniergeist. Im Bild eine Büste von Werner von Siemens, der im Jahr 1844 erstmals eine seiner Erfindungen medizinisch anwendet.
Das Siemens MedMuseum zeichnet die Entwicklung der Medizintechnik nach und erzählt Geschichten von Menschen mit Pioniergeist. Im Bild eine Büste von Werner von Siemens, der im Jahr 1844 erstmals eine seiner Erfindungen medizinisch anwendet. (Siemens AG)

160 Jahre Medizintechnik in Erlangen. Auf 400 m² präsentiert Siemens entscheidende Kapitel seiner Medizintechnik.

Auf einer Fläche von 400 Quadratmetern präsentiert Siemens die Entwicklung der Medizintechnik der letzten 160 Jahren, die das Unternehmen entscheidend mitgeprägt hat. Das reicht von der Röntgen- bis zur Labordiagnostik. Dem Besucher wird anhand von Erfindern und ihren Entwicklungenn die Medizintechnikgeschichte von ihren Anfängen Mitte des 19. Jahrhunderts bis in dei Gegenwart multimedial präsentiert. In den historischen Räumen eines einstigen Maschinensaals aus dem Jahr 1893 werden sowohl ausgesuchte Exponate wie die ersten Röntgengeräte, Computer- und Magnetresonanztomographen von Siemens gezeigt, als auch die Hintergründe und Funktionsweisen der Technologien erklärt. Zudem zeichnet das Siemens MedMuseum die Entwicklung der verschiedenen Vorläuferfirmen von Siemens Healthcare nach.

Die Geschichte des medizinischen Fortschritts ist eine Geschichte technischer Hilfsmittel und Geräte. Zu allen Zeiten werden sie genutzt, um Krankheiten zu erkennen und zu heilen, um Schmerzen zu lindern oder um Erkenntnisse über Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers zu erhalten. Zahlreiche Fortschritte auf dem Gebiet der Medizintechnik sind eng mit Siemens verbunden.

Seit 60 Jahren exakte Herzdiagnose mit der Echokardiographie

Untersuchung des Herzens

Seit 60 Jahren exakte Herzdiagnose mit der Echokardiographie

30.10.13 - Bis in den 1950er Jahren waren exakte Diagnosen bei Herzklappenerkrankungen undenkbar. Hier konnte der Ultraschall helfen. Allerdings mussten sich die Ärzte anfangs ein Ultraschallgerät von Siemens leihen. lesen

Beginnend mit Werner Siemens, der im Jahr 1844 erstmals eine seiner Erfindungen medizinisch anwendet, um die Zahnschmerzen seines Bruders Friedrich mit elektrischem Strom zu behandeln. Nur drei Jahre später gründet er gemeinsam mit Johann Georg Halske in Berlin die Firma Siemens & Halske, die neben dem Zeigertelegraphen auch elektromedizinische Geräte fertigt. In Erlangen schließt sich Erwin Moritz Reiniger mit Max Gebbert und Karl Schall zum Medizintechnikunternehmen Reiniger, Gebbert & Schall (RGS) zusammen, das schon bald Wilhelm Conrad Röntgen mit Röntgenröhren beliefert. Im historischen Maschinensaal der RGS-Fabrik aus dem Jahr 1893 ist von nun an das Siemens MedMuseum beheimatet – nur wenige hundert Meter entfernt von der heutigen Zentrale der Siemens-Medizintechnik.

Auch Opfer der Röntgentechnik sind Thema

Den Anfängen der Medizintechnik räumt das Siemens MedMuseum breiten Raum ein: der Elektromedizin mit Reizstromgeräten wie Reinigers Tauchbatterie – dem ältesten Exponat aus der Zeit kurz nach der RGS-Gründung anno 1886 – und insbesondere dem Röntgenverfahren, dem der Ausstellungsbereich "Schattenbilder" gewidmet ist. Mit der Nutzung der Röntgenstrahlen werden um die Wende zum 20. Jahrhundert die Grundlagen gelegt für die medizinische Bildgebung. Eine Röntgenanlage aus dem Jahr 1902 von Friedrich Dessauer, dessen Elektrotechnisches Laboratorium Aschaffenburg (ELA) später in RGS aufgeht, ist Zeuge dieser frühen Jahre.

Rasch werden auch die weiteren Effekte der Röntgenstrahlen entdeckt, die Strahlentherapie begründet und ihre Wirkung nachgewiesen. So faszinierend diese medizintechnische Pionierzeit allerdings ist: Das Siemens MedMuseum thematisiert auch die Opfer, die die ersten Anwender der Röntgentechnik bringen, weil sie die Risiken ihrer Arbeit nicht kennen.

Um eine noch vergleichsweise junge Epoche der medizinischen Bildgebung geht es im Bereich der "Schichten und Schnitte": In hauchdünnen Schichten bilden Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) das Körperinnere ab. Die Entwicklung beider Technologien treibt Siemens von Beginn an entscheidend voran. Dies belegt die erste deutsche MRT-Aufnahme aus dem Jahr 1980 – das Bild einer Paprika. Die ersten Siemens-Systeme beider Modalitäten, der MRT-Scanner Magnetom (1983) und der für die Schädeldiagnostik entwickelte Computertomograph Siretom (1975), sind im Siemens MedMuseum zu sehen. Nebenan in der Rubrik "Schallbild(n)er" wird ein Durchbruch in der Ultraschalltechnologie präsentiert: Vidoson, das es im Jahr 1965 erstmals möglich macht, Ultraschallbilder in Echtzeit darzustellen und auf diese Weise Bewegungs-vorgänge im Körper zu beobachten. Heute ist keine Schwangerschaftsuntersuchung ohne diese Technik denkbar.

Vom ersten Zahnbohrer bis zur Labordiagnostik

Neben dem Schwerpunkt der Bildgebung greift das Museum auch die anderen Medizintechnikbereiche auf, die Siemens prägt, etwa die Audiologie. Louis Weber, der 1911 das erste elektrische Siemens-Hörgerät Phonophor entwickelt, wird mit einer eigenen Station gewürdigt. Ebenfalls in Form eines Hörspiels wird an William Niendorf erinnert, der bei RGS 1890 den ersten elektrischen Zahnbohrer Deutschlands baut. Und an den Schweden Rune Elmqvist, der bei Elema-Schönander (später Siemens-Elema) in den 1950er Jahren den ersten vollständig implantierbaren Herzschrittmacher fertigt.

Die Labordiagnostik ist zwar erst seit acht Jahren tragender Teil der Siemens-Medizintechnik, doch das Siemens MedMuseum erinnert auch daran, dass sich das Unternehmen bereits in den 1970er Jahren kurzzeitig im Bereich der Laborautomation positioniert: Das Silab-System macht es damals möglich, in Krankenhäusern und Arztpraxen deutlich mehr Proben zu analysieren und die Ergebnisse den Patienten automatisch zuzuweisen.

An vielen Stationen erhalten die Museumsbesucher mithilfe von Tablet-Computern Zusatzinformationen in Text und Bild. Eine digitale Weltkarte zeigt, wie sich die Siemens-Medizintechnik rund um den Globus entwickelt hat. Durch das virtuelle Fenster ins Archiv können die Besucher mehr erfahren über die Arbeit des Siemens MedArchivs nebenan. Und sie können entdecken, wie Form und Gestaltung das Erscheinungsbild der technischen Geräte prägen. Der Bezug zum historischen Raum bleibt dabei stets erhalten: An mehreren Stationen können die Besucher des Siemens MedMuseums die einstige Maschinenhalle der 1890er Jahre unter die Lupe nehmen.

Der Eintritt in das Museum ist frei. Geöffnet ist von Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, Samstag von 11 bis 19 Uhr, sonntags, montags und an Feiertagen geschlossen.

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