Passive Bauelemente Würth Elektronik eiSos auf Wachstumskurs

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Die CEOs von Würth Elektronik eiSos, Oliver Konz und Thomas Schrott, sprechen über ihre Pläne. Das erfolgreiche Geschäftsmodell des Unternehmens wird durch strategische Akquisitionen jetzt auf weitere Produktbereiche ausgedehnt.

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CEOs der Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG: Oliver Konz (links) und Thomas Schrott
CEOs der Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG: Oliver Konz (links) und Thomas Schrott
(Bild: Würth Elektronik eiSos)

ELEKTRONIKPRAXIS: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen mittel-/langfristig in Ihrer Branche positioniert?

Oliver Konz: Neben den international größten Elektronikmärkten in China und Fernost stehen die anspruchsvollen Märkte und Kunden in Europa weiter im Mittelpunkt unserer Bestrebungen. Wo immer es um die Entwicklung anspruchsvoller Elektronik geht, sind wir die gefragten Partner. Unser Erfolgsrezept ist neben der Entwicklung immer effizienterer Bauelemente und Modulen die konsequente Kunden- und Serviceorientierung – hier setzen wir weltweit Maßstäbe.

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Thomas Schrott: Unsere Kunden wissen, dass bei uns alle Produkte auch in Kleinstmengen kurzfristig ab Lager lieferbar sind und Elektronikentwickler jederzeit kostenlose Muster erhalten. Und der Erfolg unserer Applikationszentren beweist: Unsere Kunden wünschen sich einen Hersteller als Partner, der Interesse am Einsatz seiner Produkte zeigt und aktiv an der Optimierung arbeitet. Auch über strategische Akquisitionen wollen wir unser Produktportfolio aktiv vergrößern. Unser Ziel ist die Verdoppelung des Umsatzvolumens bis 2020.

Welche neuen Märkte und Anwendungsfelder wird Ihr Unternehmen künftig mit Produkten und Services adressieren?

Thomas Schrott: Ein gutes Beispiel, um unsere Strategie zu erläutern, ist unsere kürzlich erfolgte Akquisition von Amber wireless. Wir erschließen damit neue Wachstumsfelder: Funktechnik und Sensorik sollen schon mittelfristig einen dreistelligen Millionenumsatzbeitrag leisten. Wir wollen dieses neue Geschäftsfeld rasch ausbauen und sondieren derzeit weltweit weitere Akquisitionsmöglichkeiten im Sensorikbereich. Wir werden uns mit diesen zusätzlichen Geschäftsfeldern auf die Zielmärkte Industrieelektronik, Medizintechnik und Automotive konzentrieren. Vor allem in den Sparten Automotive und Industrieelektronik rechnen wir mit interessanten Synergieeffekten zu unserem bisherigen Produktprogramm passiver und elektromechanischer Komponenten.

Die letzte große Übernahme vor Amber wireless war Büchele gewesen? Welche strategische Bedeutung hatte diese Akquisition?

Oliver Konz: Ein Schwerpunkt unserer Investitionen ist der Bereich Automotive.. Mit der im Januar übernommenen Firma Büchele integrieren wir einen Automotive-Spezialisten für kundenspezifische induktive Bauelemente. Automotive wird in Zukunft – ich denke da unter anderem an die vielfältigen Applikationsmöglichkeiten für Sensorlösungen – als Absatzmarkt deutlich an Bedeutung dazu gewinnen. Dabei geht es nicht nur um das Tagesgeschäft unseres ISO/TS 16949-zertifizierten Unternehmensteils Würth Elektronik iBE, sondern auch um unser Engagement für die Zukunft der E-Mobility.

Thomas Schrott: Sichtbarer Ausdruck dafür ist unser Engagement beim Formel-E-Team ABT Schaeffler Audi Sport. Wir verstehen das als Technologiepartnerschaft. Rennwagen sind ein Härtetest für die Elektronik und wir erwarten uns wertvollen Input für die Entwicklung elektronischer Bauelemente. E-Mobilität ist für uns dabei ein Leitbild, das weit über das Kraftfahrzeug hinausgeht. Wir vereinen in diesem Bereich verschiedene Innovationsfelder. Dazu gehören Komponenten, Konnektivität – sowohl drahtgebunden als auch drahtlos, Energiespeicher, Sensorik, Ladeinfrastrukturen und Ladetechnologien, ja sogar die Transporttechnik in der Lean Factory. Alles, was sich mit dem Antrieb oder Vortrieb durch einen Elektromotor realisieren und vereinfachen lässt, gehört für uns in den Bereich E-Mobilität.

Wie verändern sich derzeit die Kundenwünsche und wie könnten sich diese mittel-/langfristig entwickeln?

Oliver Konz: Neben der Hardware steht die Software immer stärker im Fokus. Außerdem geht es nicht mehr nur um einzelne Bauteile, sondern um Modullösungen oder ganze Baugruppen. Beratung und die Kooperation zwischen Entwickler und Lieferant werden immer wichtiger, weil die Elektronik durch die Miniaturisierung, Vernetzung und Funkübertragung komplexer und störanfälliger geworden ist. Da viele Firmen Entwicklungs-Know-how auslagern, werden unsere technischen Vertriebsmitarbeiter, Field Application Engineers und Application Center immer häufiger hinzugezogen, um spezielle Probleme zum Beispiel im Bereich EMV zu lösen.

Welche Versäumnisse sehen Sie hinsichtlich Fachkräftemangel/technische Ausbildung in den Unternehmen und an (Hoch)Schulen/Universitäten? Passt die Ausbildung noch zum Bedarf?

Thomas Schrott: Wir beobachten, dass ein wachsender Anteil der Jungingenieure nicht gut genug in den Grundlagen der Elektrotechnik ausgebildet ist. Vieles wird in Ausbildung und Studium weggelassen. So sind in den Lehrplänen der Hochschulen und Universitäten EMV und induktive Bauelemente häufig nur Randthemen. Und: Das hier vermittelte Basiswissen ist nicht nur mager, sondern oft auch veraltet. Wir können nur hoffen, dass sich die jungen Ingenieure und Ingenieurinnen in der Arbeit weiterbilden, die theoretischen Grundlagen vertiefen und auf einen aktuelleren Stand kommen – beispielsweise in Bezug auf zukunftsweisende Kernmaterialien.

Gute Nachwuchs- und Fachkräfte sind heiß umworben – wie begeistern Sie neue Fachkräfte für Ihr Unternehmen und wie halten Sie die guten Mitarbeiter?

Thomas Schrott: Wachstum, Sicherheit, globale Ausrichtung, interessante Aufgaben, Teamgeist, Entwicklungsmöglichkeiten und eine gute Work-Life-Balance – unsere geringe Mitarbeiterfluktuation sind die wichtigsten Argumente für einen Job bei uns. Wir sind ein attraktiver Ausbildungsbetrieb und bieten beste Einstiegsmöglichkeiten für Fachkräfte – wir sorgen also zu einem großen Teil selbst für unseren Nachwuchs.

Wie schützen Sie ihr Knowhow vor Produktpiraterie und wird dieses Problem in Zukunft noch größer?

Oliver Konz: Produktpiraterie ist in der Tat ein ernstes und wachsendes Problem. Durch unsere Unternehmensgröße rücken wir verstärkt in den Fokus der Produktfälscher. Wir gehen konsequent gegen jedes uns bekannte Plagiat vor. Zudem warnen wir unsere Kunden, dass Würth Elektronik Bauelemente nur von uns direkt oder von uns autorisierten Distributoren gekauft werden sollten. Nur so lässt sich dem Erwerb gefälschter, minderwertiger Produkte vorbeugen.

Wie wirkt sich die zunehmende Digitalisierung auf Ihr Unternehmen aus? Sind Sie hier Vorreiter oder warten Sie eher ab?

Oliver Konz: Wir sind früh auf das Thema aufgesprungen und haben wesentliche Produktions- und Logistikprozesse konsequent digitalisiert. So lassen sich Betriebsdaten unserer Maschinen in Echtzeit von überall in der Welt ansehen. Im neuen Logistikzentrum in Waldenburg steuern wir Logistikvorgänge vom iPad aus.

Aber Digitalisierung und Industrie 4.0 ist für uns kein Selbstzweck. Entscheidend ist, was uns am Markt und bei den Kunden weiterbringt. Wir fragen zuerst nach dem Mehrwert für unsere Kunden. Echtzeitdatenverbindungen zu unseren Werken und Maschinen schaffen Sicherheit über Qualität und Versorgung, der Einsatz mobiler Devices im Lager bringt Reaktionsgeschwindigkeit und verkürzt Lieferzeiten. Wir wollen unseren Kunden zeigen, dass wir unsere Produktion und Logistik weltweit im Griff haben und stetig optimieren. Das ist unser Ziel, hier investieren wir.

Welche allgemeinen technischen Trends sehen Sie in der Industrie?

Thomas Schrott: Das Thema Integration ist das Megathema für die Elektronik der Zukunft. Es besteht ein konstanter Druck, Dinge kleiner und kompakter zu machen. Die damit verbundene Integration schafft viele neue Möglichkeiten. Wir verfolgen diesen Ansatz ja schon seit ein paar Jahren erfolgreich mit unseren Power-ICs im Bereich der On-Board-Stromversorgungen. Steigende Integration und Komplexität, speziell auch im Bereich HF und Sensorik, kann Kunden aber auch Angst machen. Hier sehen wir uns als Technologieträger in der Pflicht, Kunden den problemlosen Einsatz auch komplexester Modullösungen zu ermöglichen.

Wie bedeutend ist das Internet der Dinge für Ihr Unternehmen und wie unterstützen Sie technologisch diese Entwicklung?

Thomas Schrott: Wir wollen mit unseren Produkten und unserer Applikationsunterstützung dazu beitragen, dass der Kunde seine Produktidee schneller, einfacher und erfolgreicher realisieren kann als bisher. Das gilt auch für das weite Feld der Internet-of-Things- oder Industrie-4.0-Projekte. Vieles dreht sich dabei um dezentrale autonome Systeme, für die wir mit unseren Entwicklungsschwerpunkten drahtlose Energieübertragung – Wireless Power – und Gewinnung von Energie aus der Umwelt – Energie Harvesting – wichtige Beträge leisten. Auch die neuen Produktgruppen Funkkommunikation und Sensorik sind hier wichtig –denkt man nur einmal an den Themenkomplex Smart Building, Home Automation und Smart Grid.

Elektrotechnik, Elektronik verschmelzen mit IT und Internet. Wie geht Ihr Unternehmen mit der daraus resultierenden Komplexitätssteigerung um?

Oliver Konz: Diese Verschmelzung von Elektrotechnik, Elektronik, IT und Internet ist essentiell und wird viele Unternehmen zwingen, sich zu ändern – interne Prozesse werden immer mehr zu externen Prozessen und man ist immer mehr fremdbestimmt. Die Kunst wird darin liegen, höchst flexible innere Entwicklungs-, Produktions- und Logistikprozesse mit hoher Qualität und anpassbaren Kapazitäten zu haben, um den weltweiten Anforderungen gerecht zu werden. Die Würth Elektronik eiSos hat hier schon vor über 10 Jahren begonnen, sich weltweit mit seinen 40 Ländern zu vernetzen – in über 10 Ländern mit ihren Produktionen – mit weltweiten Kunden und Endkunden. Wir haben ein Netzwerk geschaffen, das auf Knopfdruck alle notwendigen Informationen in Echtzeit bereitstellt. Dadurch können wir höchst effizient Business-Entscheidungen kurzfristig umsetzen.

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