Worauf es bei kundenspezifischen Displays ankommt

| Autor / Redakteur: Vincenzo Santoro * / Hendrik Härter

Langzeitverfügbar: Ein kundenspezifisches Display wird theoretisch solange bereitgestellt, wie der Auftraggeber das Display produzieren möchte. Das können bis zu 15 Jahre sein.
Langzeitverfügbar: Ein kundenspezifisches Display wird theoretisch solange bereitgestellt, wie der Auftraggeber das Display produzieren möchte. Das können bis zu 15 Jahre sein. (Bild: Displaytech)

Wer auf der Suche nach einem passenden Display ist, sollte sich zuerst fragen, was die Anwendung vom Display abverlangt. Hier kann ein Distributor wertvolle Hilfe geben.

Dank der stetigen Entwicklung der Mikroelektronik kommt den Displays als Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine eine wachsende Bedeutung zu. Sämtliche erfassten Daten unserer Umwelt werden visualisiert: Sie zeigen persönliche Leistungen, Abfragen, Messungen, Kontroll- und Optimierungswerte für die Industrie und den Automobilbau ebenso wie einfache Statusanzeigen für Smart Home oder Metering.

Das erweitert den Einsatzort der Displays um ein Vielfaches. Allerdings bedarf jedes Anwendung ein zugeschnittenes Display. Eine Thermostatanzeige an der Zimmerwand beispielsweise ist von allen Blickwinkeln lesbar, ein Head-up-Display im Auto hingegen nur vom Fahrer selbst und nicht vom Beifahrer. Manche Displays verfügen über eine stärkere Hintergrundbeleuchtung, andere wiederum besitzen keine Hintergrundbeleuchtung und arbeiten reflektiv.

Passive Displays nehmen eine besondere Stellung ein: Sie lassen sich einfacher ansteuern, verfügen über eine geringe Bautiefe und lassen sich für unterschiedliche Anwendungen einsetzen. Das beginnt vom Taschenrechner über einfache Messgeräte, wie Gas- und Wasserzähler, bis hin zu Smartwatches, Temperaturanzeigen und Weißer Ware sowie industriellen Messgeräten waren und sind hier oftmals kundenspezifisch angepasste passive LC-Displays im Einsatz.

Welche Vorteile ein passives Display bietet

Im Vergleich zu aktiven TFT-Displays liegt der Vorteil eines passiven Displays darin, dass die Kosten für Tools und MOQs (Minimum Order Quantity) für eine Full-Custom-Lösung kostengünstiger und besser für kleinere Projekte und Unternehmen umsetzbar sind. Für ein vollkundenspezifisches TFT kann ein Tooling an die 200.000 US-Dollar kosten und damit oftmals den finanziellen Rahmen sprengen. Für die Herstellung eines kundenspezifischen Displays ist ein Tooling (Werkzeug) als Maske für alle zu produzierenden Displays des Kunden notwendig.

Solche Kosten sind ein einmaliger Betrag, um das Toolingwerkzeug zu erstellen. Anders bei einem passiven Display: Es lässt sich bereits mit rund 2000 US-Dollar an Toolingkosten als reflektives und je nach Technik und Komplexität zwischen 2000 und 5000 US-Dollar als passives Display-Modul realisieren. Ein weiteres Argument für ein kundenspezifisches LC-Display ist die Langzeitverfügbarkeit. Bei Standard-TFT-Modulen liegt die Verfügbarkeit meist zwischen drei und fünf Jahre. Ein kundenspezifisches Display hingegen wird theoretisch so lange bereitgestellt, wie der Eigentümer des Toolingwerkzeugs das Display produzieren möchte. Projekte mit fünf, zehn oder 15 Jahren Laufzeit sind damit realistisch.

Es muss nicht immer bunt sein

Bei der Planung für eine Applikation stehen passive LC-Displays nicht an erster Stelle. Mögliche Gründe sind: Ein Display muss leuchten, Werte bunt darstellen und es muss über eine Touch-Funktion verfügen. Doch ein passives Display hat Vorteile und besteht nicht nur aus einer Sieben-Segmentanzeige.

Bei den monochromen Displays bietet die Vertical-Alignment-Technik einen tiefschwarzen Hintergrund und einen Kontrast von 1000:1. Sie eignet sich für Anwendungen, bei denen es auf eine hohe Temperaturspanne und und eine vom Blickwinkel unabhängige Lesbarkeit ankommt. Für Temperaturen zwischen -30 und 80 °C sind mit einer ASTN-Zelle Anwendungen im Automobil oder für Metering möglich. Sie sind nicht nur als Segment-, sondern auch als Grafikmodul möglich. Wer für eine Applikation eine klassische TN-, STN- oder FSTN-Technik benötigt, kann dafür das Display auf Maß anfertigen lassen.

Vorteile eines passiven, kundenspezifischen Displays

Für ein passives und kundenspezifisches Display sollte man beachten: Wie soll es aussehen, welche Abmessungen hat es und welchen Temperaturbereich soll es abdecken? Sind außerdem eine Hintergrundbeleuchtung oder ein bestimmter Blickwinkel gewünscht und soll es grafische Bildpunkte oder gar vordefinierte Segmente enthalten? Zudem gilt es zu definieren, welche Technik für die Applikation infrage kommt. Nachdem alles geklärt ist, fertigen Hersteller von passiven LC-Displays, wie Yeebo Display, Tianma Micro oder U.R.T., binnen einer Arbeitswoche eine detaillierte Zeichnung des zu produzierenden Displays an.

Nach der Freigabe der Zeichnung folgt die Produktion der Freigabemuster, fünf bis zehn Displays sind in den Toolingkosten enthalten. Je nach Komplexität haben diese eine Produktionszeit von fünf bis acht Wochen bei reflektiven Displays und zehn bis 14 Wochen bei Display-Modulen. Anhand der Freigabe-Displays erstellt der Hersteller eine detaillierte Spezifikation, die wiederum geprüft und gemeinsam mit den Mustern freigegeben wird. Dann geht es zur Serienproduktion und nach ungefähr zehn bis 14 Wochen kann die Serie starten. Rutronik bietet ein umfassendes Projektmanagement. Die Kommunikation zum Hersteller erledigt während der Aufbauphase das Produktmarketing und koordiniert sämtliche Aktionen.

* Vincenzo Santoro ist Senior Marketing Manager Displays & Monitors bei Rutronik Elektronische Bauelemente.

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