Sichere Daten Wo steht das europäische Cloud-Projekt Gaia-X?

Gaia-X soll die europäische Antwort auf die dominierenden Cloud-Anbieter aus den USA werden. Es geht um das sensible Thema Datenhoheit, aber auch um die in Europa typische Bürokratie.

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Projekt Gaia-X: Die Daten der EU-Länder sollen auch in Europa bleiben. Verschlüsselt und ohne 
unrechtmäßigen Zugriff durch Staaten.
Projekt Gaia-X: Die Daten der EU-Länder sollen auch in Europa bleiben. Verschlüsselt und ohne 
unrechtmäßigen Zugriff durch Staaten.
(Bild: ©WavebreakMediaMicro - stock.adobe.com)

Wer über das Thema digitale Transformation spricht, muss sich auch Gedanken über die Daten machen und wo diese liegen. Da gibt es einige große US-Konzerne, die gerne alle Daten für sich behalten würden. Für sie spielt es keine Rolle, ob es sich dabei um private Daten oder um Daten aus der Industrie handelt.

Nicht nur im Privaten, auch die Industrie sammelt fleißig Daten: Sensoren erfassen sie, Computer werten sie aus und dann? Irgendwo müssen sie gespeichert werden. Das lässt sich am einfachsten mit einer Cloud lösen. Einige internationale Unternehmen können auf ihre eigene Rechenzentren zurückgreifen.

Die Datenhoheit soll in Europa verbleiben

Doch gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen wollen ihre Daten nicht auf den Servern der großen US-Tech-Konzerne oder gar chinesischer Firmen ablegen. Ende 2019 hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) das Cloud-Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt. Allen voran die Länder Frankreich und Deutschland sollen eine gemeinsame Dateninfrastruktur aufbauen: Gaia-X AISBL, die europäische Vereinigung für Daten und Cloud. Hier arbeiten Vertreter aus Politik, Wirtschaft aber auch der Wissenschaft gemeinsam mit aktuell 234 Mitgliedern an einer gemeinsamen Dateninfrastruktur.

Mit dem Projekt Gaia-X versprechen die Initiatoren nicht weniger, als die europäischen Datenschutzstandards einzuhalten und unabhängig von den Vorgaben fremder Rechtsordnungen zu sein. Die Daten der Mitglieder sollen dabei nicht nur sicher gespeichert werden. Es geht darum, alle Informationen zu strukturieren und zu verifizieren. Außerdem kommt die Datenschutzgrundverordnung zum Tragen. Die Mitglieder von Gaia-X erstellen auf Basis von Open Source Regeln, um ihre Daten untereinander branchen- und länderübergreifend sicher auszutauschen.

Zusammen an Standards arbeiten

Jedes Unternehmen, das Mitglied bei Gaia-X ist, kann Einfluss auf die Standards nehmen. Denn es sind gerade die offenen Standards, die den Datenaustausch ermöglichen. Doch es kommen auch bereits Zweifel auf. Wie das Handelsblatt berichtet, klagen einige Firmen darüber, dass das Projekt „so gewachsen und formalisiert ist und damit die Mitarbeit sehr zeitraubend ist“.

Nehmen vor allem große Konzerne zu viel Einfluss auf die Arbeit und die Standards, dann gehen die kleinen Firmen unter und ihre Sichtweise wird nicht berücksichtigt. Dann wird aus dem europäischen, unabhängigen Projekt wieder schnell eine Spielwiese der großen Anbieter. Kritik wird laut, dass zu viel abstrakt und über technische Standards oder Werte diskutiert wird. Es fehlt an der praktischen Umsetzung.

22 Prozent sind kleine und mittelständische Unternehmen

Hier widerspricht der Branchenverband Eco. Es gehe um eine Konsensbildung. Bei einem Projekt mit vielen Hundert Teilnehmern sei das notwendig. Andreas Weiss vom Eco koordiniert den Aufbau der Basisinfrastruktur. Immerhin sind 22 Prozent der Mitglieder Start-ups oder kleine und mittelständische Unternehmen. Sie sollen vom Projekt Gaia-X und der unabhängigen Infrastruktur profitieren.

Eine Beteiligung großer Konzerne aus den USA an Gaia-X ist grundsätzlich vorgesehen. Wirtschaftsminister Altmaier hatte mehrmals betont, dass ausländische Technologiekonzerne mitentwickeln können. Allerdings müssen sie sich an die europäischen Spielregeln halten. Es gibt verschiedene Mindestanforderungen, um aufgenommen zu werden. Die technischen Standards und Regeln zum Speichern sind noch nicht endgültig formuliert. Bleibt die Frage, ob es die Mit­glieder schaffen, gemeinsam gegen die Tech-Konzerne eine eigene Infrastruktur aufzubauen.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Fachredakteur Technologietrends, Vogel Communications Group