WLAN-Standard: IEEE 802.11ax heißt jetzt Wi-Fi 6

| Redakteur: Michael Eckstein

Wi-Fi 6: Der neue Name für den WLAN-Standard IEEE 802.11ax soll unter anderem die Vermarktung erleichtern.
Wi-Fi 6: Der neue Name für den WLAN-Standard IEEE 802.11ax soll unter anderem die Vermarktung erleichtern. (Bild: Wi-Fi Alliance)

Erst Ende 2019 soll der neue WLAN-Standard 802.11ax abschließend vom Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) definiert werden. Doch bereits jetzt führt die Wi-Fi Alliance einen neuen Namen ein: Wi-Fi 6. Primär Endverbraucher sollen besser damit klar kommen.

Kryptische Bezeichnungen wie „IEEE 802.11ax“ lassen sich schlecht vermarkten. Daher führt die Wi-Fi Alliance „Wi-Fi 6“ als Branchenbezeichnung für Produkte und Netzwerke ein, die Funktechnologie auf Basis des vom IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers) definierten WLAN-Standard 802.11ax verwenden. Analog beschreibt ab jetzt Wi-Fi 5 Produkte, die das ältere 802.11ac verwenden, und Wi-Fi 4 solche auf Basis von 802.11n. Weiter zurück reicht die Deklaration nicht. Das ist sinnvoll, da ältere WLAN-Standards unter anderem wegen unzureichender Sicherheitsmechanismen heute kaum noch im Einsatz sind. Die offizielle „Wi-Fi CERTIFIED 6™“-Zertifizierung wird voraussichtlich 2019 kommen.

Das neue Namensschema wird vor allem Endanwender freuen, die technisch weniger orientiert sind und mit kryptischen Bezeichnungen à la IEEE 802.11ax in der Regel wenig anfangen können. „Seit fast zwei Jahrzehnten müssen Wi-Fi-Nutzer komplizierte technische Namenskonventionen durchgehen, um festzustellen, ob ihre Geräte das neueste Wi-Fi unterstützen“, sagt Edgar Figueroa, Präsident und CEO der Wi-Fi Alliance. Das sei durch den jetzigen Schritt viel einfacher. Die neuen Namen sollen denn auch „eine leicht verständliche Bezeichnung sein, sowohl für die von ihrem Gerät unterstützte Wi-Fi-Technologie als auch für eine Verbindung, die das Gerät mit einem Wi-Fi-Netzwerk herstellt“, erklärt Figueroa.

Neues Wi-Fi-Namensschema soll auch softwareseitig sichtbar werden

Jede Generation von Wi-Fi bietet neue Funktionen – schnellere Geschwindigkeiten, höheren Durchsatz – die die Nutzerfahrung verbessern. Die Übernahme der neuen Terminologie durch die Industrie wird nach Ansicht von Vertretern der Wi-Fi Alliance Benutzern helfen, die zu erwartenden Leistungen besser zu verstehen. Sie erwarten, dass die Industrie die neue Terminologie für das Wi-Fi-Ökosystem weitgehend übernimmt. Das ist naheliegend, stellt sie doch eine deutliche Vereinfachung gegenüber dem derzeitigen Zustand dar.

Die neue Nomenklatur soll nach dem Willen der Wi-Fi Alliance auch softwareseitig sichtbar werden: Anstatt die geschwungenen Linien eines Wi-Fi-Verbindungslogos zu verwenden, können Softwareentwickler tatsächlich eine 4, 5 oder 6 direkt in das auf der Benutzeroberfläche angezeigte Logo integrieren. Dies soll dynamisch den derzeit genutzten Funkstandard anzeigen. „So wird der Anwender in Echtzeit darüber informiert“, erklärt der Verband. Ob ihm das so wichtig ist, sei dahingestellt.

Das soll Wi-Fi 6 können

Bis heute ist 802.11ax, also die Basis für Wi-Fi 6, noch nicht fertig – auch wenn bereits erste Chipsätze dafür auf dem Markt sind. Nach aktuellen Informationen wird die endgültige Ratifizierung erst Ende 2019 erfolgen. Die neue, auch „High Efficiency WLAN“ oder kurz HEW genannte Technik funkt in den lizenzfreien Spektren 2,4 GHz und 5 GHz. Später soll möglicherweise noch das 6-GHz-Band hinzukommen.

Dank Funktionen wie OFDMA (Orthogonal Frequency Division Multiple Access) und 1024 QAM (Quadraturamplitudenmodulation) nutzt Wi-Fi 6 die Frequenzen besser aus als Vorgängertechniken. Die bessere Spektralnutzung führt zu mehr verfügbarer Bandbreite und höheren Datenraten. Auf der letzten CES vorgestellte Geräte sollen bereits 11 GBit/s erreicht haben. Wichtiger als die Spitzengeschwindigkeiten sind die um bis zu 75% geringeren Latenzzeiten. Diese ermöglichen schnelle Reaktionen auf Ereignisse, weshalb sich die Technik unter anderem auch für anspruchsvolle Automobil-Anwendungen eignen soll.

Darüber hinaus kann Wi-Fi 6 die verfügbare Bandbreite besser auf mehrere Clients verteilen. Dazu nutzt es mehr Unterkanäle und weist diese nicht fest einzelnen Geräten, sondern so genannten „Ressource Units“ zu. Diese können simultan mit mehreren Wi-Fi-6-Clients kommunizieren – bei einem 160-MHz-Kanal mit bis zu 72 Stück. Auch unterstützt 802.11ax effizientere Energiesparmodi per „Target Wake Time“. Dabei können Access Point und Client eigenständig vereinbaren, zu welchem Zeitpunkt eine Verbindung aufgebaut werden soll. Die nicht aktiven Phasen kann das Funkmodul des Clients im Tiefschlaf verbringen – und so Strom sparen. Dadurch soll sich Wi-Fi 6 auch für IoT-Anwendungen eignen.

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