EMS-Dienstleister „Wir haben unsere Kontakte in der Krise verstärkt“

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Flache Hierarchie und kurze Abstimmungswege erleichtern Entscheidungen, gerade in schwierigen Zeiten. Mit einer Datenbrille bindet cms electronics seine Kunden direkt in die Produktion ein.

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Kunden einbinden: „Mit einer Datenbrille können wir unsere Partner direkt in die Produktion einbinden“, erzählt Michael Polligger von CMS Electronics.
Kunden einbinden: „Mit einer Datenbrille können wir unsere Partner direkt in die Produktion einbinden“, erzählt Michael Polligger von CMS Electronics.
(Bild: cms electronic)

Der Komplettanbieter für Electronic Manufacturing Services, cms electronics, unterhält drei Standorte: Das ist die Zentrale in Klagenfurt, Österreich, sowie Niederlassungen in Deutschland und Ungarn. Außerdem gehören noch zwei sogenannte Trading-Offices in Hong Kong und Shenzhen dazu.

Die rund 460 Mitarbeiter haben 2020 einen Umsatz von rund 93 Mio. Euro erwirtschaftet. Michael Polligger ist seit 2020 als CCO für den Sales und Marketing zuständig. Er erzählt im Gespräch, wie das Unternehmen die schwierigen Zeiten durchlebt hat und warum eine schlanke Hierarchie nicht nur in guten Zeiten sinnvoll ist.

Herr Polligger, was haben Sie in der Krise gelernt?

Die Krise ist nicht nur eine große Herausforderung für den Geschäftserfolg, sondern bringt auch viele Risiken mit sich. Sie bietet allerdings auch Chancen, die wir genutzt haben. Wir haben unsere Digitalisierungsstrategie weiterentwickelt. Damit konnten wir trotz der eingeschränkten persönlichen Kontakte im Geschäft zu bleiben. Wir nutzen außerdem die Zeit, unsere Denk- und Handlungsweisen anzupassen und zu ändern.

Was hilft in diesen schwierigen Zeiten?

Es hat sich herausgestellt, dass wir mit unserer flachen Hierarchie und den damit verbundenen kurzen Abstimmungswegen rasch Entscheidungen treffen konnten. Eine agile Organisation sowie ein enger Zusammenhalt in den Teams boten Halt und Unterstützung bei schwankender Auftragslage und unvorhersehbaren Herausforderungen. Dabei war eine stabile Ausgangslage vor der Krise natürlich eine gute Basis.

Wie unterstützen Sie als Unternehmen Ihre Mitarbeiter?

Wir sind dankbar für die Unterstützung unserer Mitarbeiter, die die Vorgaben unserer Regierung, des Unternehmens und die Herausforderungen in der täglichen Arbeit umgesetzt und mitgetragen haben. Unsere Mitarbeiter haben wir mit flexibleren Arbeitsmodellen und -zeiten während der Krise unterstützt.

Die Möglichkeit zum Homeoffice bieten wir auf Wunsch der Mitarbeiter auch weiterhin bei uns an. Um Belastungen besser zu evaluieren, wurde und wird Hilfe durch Arbeitsmediziner und einer Psychologin angeboten. Unsere Mitarbeiter können sich regelmäßig testen lassen und sich und ihre Angehörige bei uns impfen lassen.

Wie binden Sie Ihre Partner ein?

Anfangs war es durch Lockdowns und Homeoffice etwas schwierig. Wir haben gelernt, dass man Kontakte in Krisenzeiten intensivieren muss. Ein regelmäßiger Informationsaustausch schafft Offenheit und Vertrauen. Da Kundenprojekte auch während der Krise weiter vorangetrieben wurden, mussten Qualifizierungsaudits oder Meilensteine, wie Prozess-/Produkt-Freigabeaudits, während der eingeschränkten Reisetätigkeit durchgeführt werden. So haben wir die Möglichkeit eines „Remote Audits“ geschaffen, wo wir unter anderem mithilfe einer Datenbrille die Partner direkt in die Produktion eingebunden haben.

Was haben Sie in der Krise Neues erreicht?

Die digitale Kommunikation hat sich etabliert. Die Digitalisierung haben wir ausgebaut. Wo es möglich ist, sind die Arbeitsplätze unabhängig vom Standort. Unser Krisenmanagement wurde ausgebaut und lässt sich für andere Szenarien anwenden oder adaptieren. Wir haben die Zeit genutzt und über neue Entwicklungen nachgedacht und sie auf den Weg zu bringen.

Neue Entwicklungspartner wurden aufgebaut, die sich jetzt schon mit einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit unseren Kunden bewähren.

Wie sehen Sie die Zukunft und wie bereiten Sie sich darauf vor?

Alles in allem gelassener. Nach der Krise ist vor der Krise. Wir sind auf die kommenden Herausforderungen viel besser vorbereitet, die sich eigentlich nur wiederholen können. Das Geschäftsleben hat sich gewandelt: Das Vertrauen in Geschäftspartner, Mitarbeiter oder Unternehmen wird wichtiger. Wir arbeiten daran, die Beziehungen zu stärken. Neue Themen im Geschäftsumfeld – ob sozial-, kunden- oder technikgetrieben – greifen wir auf. Wir blicken nach vorne und nehmen die Erfahrungen aus der Krise mit. Damit passen wir die Denk- und Handlungsweisen den neuen Rahmenbedingungen an.

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