ESE Kongress 2015

„Wir brauchen eine neue Multicore-Architektur“

| Autor: Sebastian Gerstl

„Harte“ Embedded-Multicores vs. „weichgespülte“ PC-MCs

Stimmen aus dem Publikum: In Sachen harter Echtzeit und funktionaler Sicherheit gibt es bei funktionaler Sicherheit noch viel zu tun. Doch für Entwickler sind Multicore-Architekturen über die Jahre hinweg immer zugänglicher geworden. Dennoch gibt es noch eine Menge zu tun: Entwickler wünschen sich insbesondere mehr Erleichterungen, sowohl software- als auch hardwareseitig.
Stimmen aus dem Publikum: In Sachen harter Echtzeit und funktionaler Sicherheit gibt es bei funktionaler Sicherheit noch viel zu tun. Doch für Entwickler sind Multicore-Architekturen über die Jahre hinweg immer zugänglicher geworden. Dennoch gibt es noch eine Menge zu tun: Entwickler wünschen sich insbesondere mehr Erleichterungen, sowohl software- als auch hardwareseitig. (Bild: Sebastian Gerstl)

Ein generelles Problem, vor dem Entwickler bei Multicore-Systemen stehen, ist der Punkt funktionale Sicherheit. Dr. Albrecht Mayer, System Architect der 3. Generation an AURIX-Chips von Infineon, bestätigte diese Ansicht: Im Mikrocontroller-Bereich könne Multicore noch nicht die „harte“, unmittelbare Echtzeit bereitstellen, die für funktionale Sicherheit unverzichtbar ist. Um das zu beheben, brauche es eine neue, viel transparentere Architektur. Er unterscheide demnach Multicore generell in zwei Klassen: Die „harten“ Embedded-Multicores und die „weichgespülten“ PC-Multicores, bei denen es nicht auf so unmittelbare Echtzeitanforderungen ankäme und die daher kein Problem damit hätten, sich viele Probleme vom Betriebssystem bereits abnehmen und softwareseitig die Tasks auf den einzelnen Cores zuweisen zu lassen.

André Schmitz, FAE Green Hills Software, verwehrte sich gegen den Begriff „weichgespült“. Softwareseitig ließe sich auch auf PC-Multicores eine harte Echtzeit produzieren. Die Vertreter des Hardware-Lagers konnte er damit aber nicht überzeugen: Software-Lösungen, so Dr. Albracht Mayer, bräuchten einfach zu lang, um die etwa für funktionale Sicherheit nötige Echtzeit bereitzustellen.

Speziell an ARM gerichtet kam daher die Frage, wieso das Thema Multicore auf PC-Ebene schon so lange etabliert sei, im Mikrocontroller-Bereich derzeit aber noch immer kaum zur Geltung komme. Christopher Seidl, Technical Marketing Manager ARM/Keil, räumte ein, dass man speziell die ARMv7-Architektur hier noch etwas hinterherhinke. Man sitze aber gerade daran dass zu beheben. Erst vor kurzem habe man eine neue Architektur vorgestellt, die chipseitig dem Entwickler neue Handreichungen bietet, um ihm die Entwicklung auf Mikrocontroller-Ebene weiter zu erleichtern.

Ingo Pohle, Geschäftsführer von Microconsult, ging in seiner Forderung allerdings einen Schritt weiter: Das Thema Multicore an sich ist noch lange nicht abgehakt, man stehe noch am Anfang. Man müsse sich ein neues Konzept überlegen, wie etwa mit Interrupt-Technik umzugehen sei oder wie man sinnvoll mit Timings handhabt. Sein Fazit: Alte Zöpfe müssen abgeschnitten werden, neue Ansätze müssen her: „Wir brauchen eine neue Architektur, die sinnvoll und effektiv mit einem solchen Multicore umgeht“.

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posted am 04.12.2015 um 15:10 von Unregistriert


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