Wingtech erkauft sich mit NXP-Spin-off Nexperia Zugang zum Automotive-Markt

Redakteur: Michael Eckstein

Der chinesischer Auftragsfertiger Wingtech Technology will sich für die Zukunft breiter aufstellen. Durch die Übernahme von Nexperia, dem früheren Standardhalbleitergeschäft von NXP, verschafft sich Wingtech Zugang zum wichtigen Markt für Fahrzeugelektronik.

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Schlüsseldienst: Chipfertiger Wingtech sucht Zugang zum lukrativen Automotive-Markt.
Schlüsseldienst: Chipfertiger Wingtech sucht Zugang zum lukrativen Automotive-Markt.
(Bild: Clipdealer)

Der chinesische Auftragsfertiger Wingtech Technology will für insgesamt rund 3,63 Mrd. Dollar die Mehrheit am niederländischen Halbleiterhersteller Nexperia übernehmen. Die Chinesen streben eine Beteiligung von ca. 76% an Nexperia an. Die ehemalige Standardhalbleitersparte von NXP zählt neben Apple auch Samsung zu ihren Kunden. Kerngeschäftsgebiet von Nexperia sind allerdings Automotive-Komponenten wie Transistoren, Filter, Dioden, Logikbausteine und Leistungshalbleiter.

Der geplanten Übernahme müssen noch Regulierungsbehörden in mehreren Ländern zustimmen, darunter der US-amerikanische Ausschuss für Auslandsinvestitionen (CFIUS). Angesichts der aktuellen enormen Spannungen zwischen den USA und China ist dieser Schritt längst keine Selbstverständlichkeit. Ende 2017 hatte CFIUS beispielsweise den Verkauf von Lattice an chinesische Investoren verhindert. Quasi im Gegenzug hatten chinesische Regulierer die geplante Übernahme vn Qualcomm durch Broadcom ausgebremst.

Nexperia wird durchgereicht

Wingtech zählt zu den größten Produzenten von Smartphones und fertigt beispielsweise im Auftrag von chinesischen Unternehmen wie Huawei und Xiaomi. Angesichts der zunehmenden Sättigung des Mobile-Marktes will sich der Konzern nun breiter aufstellen. Dazu passt die Nexperia-Übernahme, mit der sich Wingtech Zugang zum aufstrebenden Automotive-Markt verschafft. Da in Fahrzeugen immer mehr Elektronik zum Einsatz kommt, verspricht der Markt enormes Wachstumspotenzial.

Erst im letzten Jahr hat NXP seine Tochter Nexperia endgültig ausgegliedert. Diesem Spin-off ging 2016 eine Großinvestition von 2,75 Mrd. Dollar voraus, mit der sich die chinesischen Finanzinvestoren Beijing Jianguang Asset Management (JAC Capital) und Wise Road Capital an der Standardhalbleitersparte von NXP Semiconductor beteiligten.

Wingtech strebt Beteiligung von 76% an

Durch den Verkauf wollte NXP 2016 Ressourcen freimachen, um sich stärker auf sein Geschäft mit Hochleistungs-Mixed-Signal-Komponenten konzentrieren zu können. Nexperia wiederum würde davon profitieren, mit den neuen Geldgebern in weltweite Wachstumsmärkte investieren zu können, erklärte seinerzeit NXP-CEO Rick Clemmer. Im Geschäftsjahr 2015 hatte die Standardhalbleitersparte einen Umsatz von 1,2 Mrd. Dollar erzielt, in 2016 rund 1,1 Mrd Dollar.

Diese Mehrheitsbeteiligung will Wingtech den Finanzinvestoren nun für etwa 2,67 Mrd. Dollar abkaufen. Interessant ist, dass der Kaufpreis damit niedriger liegt, als JAC Capital und Wise Road Capital nur zwei Jahre zuvor bezahlt haben. Bereits im September hatte Wingtech nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters angekündigt, für knapp 1 Mrd. Dollar einen weiteren Nexperia-Anteilseigner übernehmen zu wollen. Am Ende beider Transaktionen wird Wingtech eine Mehrheitsbeteiligung von knapp 76% an Nexperia halten.

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