Windows 10 Mobile: Microsoft zieht den Stecker

| Redakteur: Michael Eckstein

Abgekachelt: Übermächtige Konkurrenz und mangelnde Unterstützung durch Hardware und App-Entwickler setzen dem Smartphone-OS seit langem zu.
Abgekachelt: Übermächtige Konkurrenz und mangelnde Unterstützung durch Hardware und App-Entwickler setzen dem Smartphone-OS seit langem zu. (Bild: Microsoft)

Das Smartphone-Betriebssystem der Windows-Macher ist tot - jetzt aber wirklich!

Microsoft-Manager Joe Belfior will nicht länger ein totes Pferd reiten: Der frühere Windows-Phone-Chef hat per Twitter bestätigt, dass das erfolglose Windows 10 Mobile am Ende ist – und dass er umgesattelt hat. Neue Funktionen und Hardware seien nicht mehr zu erwarten, lediglich bestehende Unternehmenskunden werde man noch weiter aktiv unterstützen. Dann der entscheidende Satz: Er selbst habe mittlerweile die Plattform gewechselt. Zu einer, die mehr Auswahl bei Hardware und Apps bietet.

Überraschend kommt das Eingeständnis nicht: Laut Marktforscher IDC dümpelt Microsoft mit seinem Smartphone-OS bei unter 0,1 Prozent Marktanteil herum. Mit entscheidend für die Misere ist der kaum gefüllte App-Store. Und das daraus resultierende Henne-Ei-Problem: Kaum ein App-Entwickler steckt Energie in Programme, bei denen von vorneherein klar ist, dass sie so gut wie niemand kaufen wird. Doch ohne Apps fehlt vielen potenziellen Nutzern der Kaufanreiz für ein Windows-10-Smartphone.

Laut Belfior hat Microsoft mit großem Aufwand versucht, App-Entwickler dafür zu gewinnen, Programme für die eigene Plattform zu schreiben. Man habe ihnen sogar Geld gezahlt. Offensichtlich weitgehend erfolglos. So hat Microsoft den Vorsprung von Apple mit seiner iOS- und Google mit seiner Android-Plattform nie aufholen können.

Konzentration auf Software für iOS und Android

Microsofts Umsätze sprechen ebenfalls eine klare Sprache: Mit Smartphones verdient das Unternehmen kaum noch einen Blumentopf. Das haben die Redmonder bei der Vorstellung ihrer Quartalszahlen im April zugegeben, eingepackt in blumiges Marketing-Sprech. 2016, als mit Nokia Lumia das ebenfalls erfolglose Kapitel Hardware geschlossen wurde, mussten zudem rund 1.850 Mitarbeiter ihren Hut nehmen. Damit fehlten plötzlich auch die Plattformen zur Verbreitung von Windows 10 Mobile.

Jetzt tritt Microsoft die Flucht nach vorn an: Der Browser Edge, Nachfolger des Internet Explorers, soll bald für iOS und Android verfügbar sein. So, wie es andere erfolgreiche Dienste und Apps aus dem Unternehmen bereits sind – allen voran das Office-Paket mit Word, Excel und Powerpoint. Auch die E-Mail-, Termin- und Kontaktzentrale Outlook und der Cloud-Speicher OneDrive sowie das Kommunikationsprogramm Skype laufen längst auf den Konkurrenzplattformen.

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