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Desktop-Systeme Windows 10 installiert sich heimlich

| Redakteur: Franz Graser

Die Frist, in der für User von Windows 7, 8 und 8.1 ein kostenloses Update auf Windows 10 möglich ist, läuft in drei Monaten aus. Microsoft greift nun zu einer sehr handfesten Überzeugungstaktik: Bei einigen Kunden wird das System heimlich installiert, der Kunde wird erst hinterher gefragt, ob er Windows 10 behalten will.

Dieser Auswahlbildschirm stellt User nach dem Upgrade auf Windows 10 vor die Wahl: Wenn sie zu ihrem bisheriges Windows-Betriebssystem zurückkehren, verzichten sie auf das Recht zum kostenlosen Update auf Windows 10. Sollten sie Windows 10 zu einem späteren Zeitpunkt nachrüsten wollen, wird es kostenpflichtig.
Dieser Auswahlbildschirm stellt User nach dem Upgrade auf Windows 10 vor die Wahl: Wenn sie zu ihrem bisheriges Windows-Betriebssystem zurückkehren, verzichten sie auf das Recht zum kostenlosen Update auf Windows 10. Sollten sie Windows 10 zu einem späteren Zeitpunkt nachrüsten wollen, wird es kostenpflichtig.
(Bild: VBM-Archiv)

Benutzern von Windows-Rechnern könnte in den nächsten Tagen eine interessante Überraschung bevorstehen. Statt dem gewohnten Startbildschirm von Windows 7 begrüßt sie das neue Windows 10 – obwohl die Kunden das Upgrade gar nicht bewusst installiert haben.

So wie Walter G. aus der baden-württembergischen Kleinstadt Ellwangen an der Jagst. Der 77-Jährige hat sich vor ein paar Jahren einen gebrauchten PC mit Windows 7 gekauft, der seinen Ansprüchen genügt. Der Pensionär benutzt seinen Rechner hauptsächlich dazu, E-Mails zu lesen, Angebote der lokalen Einkaufsmärkte zu vergleichen, und hin und wieder eine Runde mit dem Eisenbahnsimulator von Microsoft zu drehen.

Am Sonntag hat ihm Microsoft nun eine unerwartete Überraschung bereitet: Als der Rechner hochfuhr, begrüßte ihn das neue Windows 10. Ein Auswahlbildschirm bot ihm zwei Möglichkeiten an – entweder das neue Betriebssystem zu behalten oder zu Windows 7 zurückzukehren. In letzterem Fall würde die Installation von Windows 10 zwar rückgängig gemacht; gleichzeitig sei aber das Recht auf das kostenlose Upgrade auf Windows 10 verwirkt.

Das Pikante daran: Windows 10 wurde auf dem PC des Pensionärs ohne dessen Wissen installiert. Zwar ist bekannt, dass Microsoft sein aktuelles Betriebssystem zum „Empfohlenen Update“ deklariert hat, so dass das System im Zuge des normalen Aktualisierungsprozesses heruntergeladen wird. Die Installation erfolgte allerdings bisher nicht ohne ausdrückliche Zustimmung der User – es sei denn, die Anwender hätten das Update auf Windows 10 reserviert.

Walter G. hat jedenfalls dem Update auf Windows 10 nicht bewusst zugestimmt, er hat Windows 10 zudem nach eigenen Angaben nicht reserviert. Als er den Auswahlbildschirm liest, ist er zunächst ratlos. Da ist auch Angst vor der neuen, ungewohnten Systemumgebung und vor der Kacheloptik, von der er im Gespräch mit ehemaligen Kollegen immer wieder gehört hat. Was wird sich ändern? Welche seiner bevorzugten Programme werden noch laufen?

Der 77-Jährige Pensionär bittet seinen Schwiegersohn um Rat: Der erklärt geduldig die Konsequenzen. Für und Wider werden abgewogen. Am Ende entscheidet sich Walter G. dafür, das Update auf Windows 10 zu behalten, da er im Detail durchaus einige Verbesserungen erkennt und sich das System nicht wesentlich anders anfühlt als der Vorgänger.

Ein ungutes Gefühl bleibt trotzdem, nämlich gewissermaßen unter vogehaltener Pistole zum Update gezwungen worden zu sein. Vor allem bei älteren Windows-Benutzern kann diese Praxis zur Verunsicherungen führen.

Wie ein Microsoft-Sprecher gegenüber ELEKTRONIKPRAXIS sagte, behalten die Anwender stets die volle Kontrolle über ihre jeweiligen Geräte. Da Windows 10 als „empfohlenes Update“ angeboten werde, könne es aber sein, dass abhängig von den Geräteeinstellungen der Upgrade-Prozess „automatisch initiiert“ werde.

Die eigentliche Installation erfolge jedoch laut Microsoft nicht ohne eine eindeutige Benachrichtigung des Anwenders. In einem Blog-Eintrag von Terry Myerson, dem Bereichsleiter für Windows, heißt es: „Bevor das Upgrade das Betriebssystem auf Ihrem Gerät wechselt, werden Sie klar aufgefordert zu wählen, ob das Update fortfahren soll oder nicht.“

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