Embedded-Plattformen

Wind River will Android fit fürs Auto und die Industrie machen

| Redakteur: Franz Graser

Bei Automotive-Lösungen, etwa für In-Vehicle-Infotainment-Systeme, setzt Wind River auf Android – hier der Demostand bei der Embedded World 2013.
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Bei Automotive-Lösungen, etwa für In-Vehicle-Infotainment-Systeme, setzt Wind River auf Android – hier der Demostand bei der Embedded World 2013. (Bild: Wind River)

Der US-Betriebssystemspezialist Wind River hat die Google-Plattform Android von Anfang an begleitet. Der Plattform-Ingenieur Sebastian Lalaurette erklärt, wie Android seinen Weg in die Industrie und ins Auto finden soll.

Wind River ist bereits seit 2007 Mitglied der Open Handset Alliance, jenes Industriekonsortiums aus Geräteherstellern, Netzbetreibern, Halbleiterherstellern und Softwerkern, die das Betriebssystem Android vorantreiben. Bei Smartphones und Tablets erzielte die Plattform einen gewaltigen Erfolg. Jetzt aber geht es für Wind River darum, Android auch in anderen Märkten zu verankern.

Ein Hindernis für die Akzeptanz von Android in der Industrie ist die Zunahme von Malware auf der Google-Betriebssystemplattform. „Es gibt eine signifikante Zahl von Schadprogrammen, sogar im Google-Marketplace“, sagt Lalaurette. Meistens handle es sich dabei um scheinbar seriöse Apps, die aber von den Malware-Entwicklern dekompiliert und um Schad-Algorithmen erweitert würden. „Der User, der diese Apps herunterlädt, weiß deshalb nicht, dass die Apps manipuliert sind“, erläutert der Wind River-Spezialist.

Wenn Android im Industrieumfeld oder für Anwendungen im Automobilbereich eingesetzt werde, dann müsse man einen eigenen Marktplatz für Applikationen schaffen, der gegen solche Malware gesichert sei. „Man könnte zum Beispiel Signaturen einsetzen, um sicherzustellen, dass nur signierte Applikationen installiert werden können“, so der Vorschlag von Lalaurette.

„Wir ziehen außerdem eine zusätzliche Sicherheitsebene ein: Der Bootloader prüft, ob es sich um den richtigen Linux-Kernel und die richtige Android-Firmware handelt“, erläutert der Wind River-Experte. Das hat damit zu tun, dass Hacker häufig einen manipulierten Linux-Kernel verwenden, um Root-Zugriff auf das Betriebssystem zu erhalten. Eine weitere Sicherheitsvorkehrung ist es, das von der amerikanischen NSA entwickelte SELinux (SE steht für Security Enhanced) einschließlich seiner Zugangskontrolle als Kernel für Android einzusetzen.

Langzeit-Support tut not

Ein weiteres Problem stellen die raschen Versionswechsel des Smartphone-Betriebssystems dar. Während Smartphones nicht selten im Zwei-Jahres-Rhythmus ersetzt werden, sind Autos und Industrieanlagen über viele Jahre im Einsatz. Das bedeutet aber, dass im Fahrzeug oder in der Maschine eine Android-Version ihr Werk tut, die im Smartphone-Bereich unter Umständen schon längst verschwunden ist und nicht mehr unterstützt wird. Für viele Smartphones, die älter als ein Jahr sind, stellen die Hersteller ja zum Beispiel keine System-Updates mehr zur Verfügung.

Lalaurette erwidert hier: „Es ist Teil unseres Geschäfts, Langzeit-Support für jede Lösung zu bieten.“ Wind River verpflichte sich daher zu einer Support-Dauer zwischen sieben und zehn Jahren und auch darauf, sicherheitsrelevante Patches noch lange nach Erscheinen einer bestimmten Android-Variante zur Verfügung zu stellen. „Meistens werden die Patches ja nur für die jeweils jüngste Variante angeboten. Wir können diese Fixes aber auch für ältere Versionen zurückportieren.“

Dieser Langzeit-Support sei ja auch im Linux-Bereich nicht ungewöhnlich. Lalaurette verweist darauf, dass Wind River ein dediziertes Security-Team habe, das potenzielle Sicherheitsprobleme rund um Linux beobachte und im Fall des Falles auch Fixes für ältere Varianten des freien Betriebssystems entwickle. „Wir erstellen immer noch Treiber-Patches für den Kernel 2.6.29, obwohl wir aktuell bei der Version 3.6 oder 3.8 stehen.“

Auch im Automobil- und Industriebereich ist laut Lalaurette inzwischen die Tatsache akzeptiert, dass Android im Vergleich zu typischen Echtzeitbetriebssystemen sehr umfangreiche Systemressourcen fordert – schließlich sind im Smartphone-Bereich Quadcore-Chips inzwischen keine Seltenheit mehr.

Eine ähnliche Entwicklung, so Lalaurette, wird es auch für In-Vehicle-Entertainment-Systeme geben. Aus seiner Sicht werden sich hier aber Highend- und Lowend- Angebote herausbilden. Die Highend-Angebote würden dann mit einer angemessen leistungsfähigen CPU und umfangreichem Speicher ausgerüstet, während bei den Lowend-Versionen die Hardwareausstattung etwas bescheidener ausfalle.

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posted am 22.03.2013 um 17:16 von Unregistriert

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posted am 14.03.2013 um 18:48 von Olaf Barheine


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