Unternehmensführung Wie wertorientiert arbeitet Ihr Einkauf?

Autor / Redakteur: Markus März, Dr. Leonhard Weck, Prof. Dr.-Ing. Andreas R. Voegele, Jörg Blecker, Thomas Fortmeier / Margit Kuther

Der Einkauf verantwortet einen Großteil der anfallenden Unternehmenskosten. Doch die wenigsten Entscheider wissen um dessen Wertbeitrag. Conmoto klärt auf.

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Einkauf im Wandel: Rasch wechselnde Rahmenbedingungen fordern kreative Lösungen
Einkauf im Wandel: Rasch wechselnde Rahmenbedingungen fordern kreative Lösungen
(Quelle: Conmoto Consulting Group)

Verschärfte Konkurrenz, abnehmende Fertigungstiefen, höhere Produkt- und Prozesskomplexität, kürzere Time-to-Market-, kürzere Reaktionszeiten und Produktlebenszyklen fordern vom Einkauf schnelle Anpassungsfähigkeit und kreative Antworten auf die sich ändernden Rahmenbedingungen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Wie wertorientiert arbeitet Ihr Einkauf“ der Conmoto Consulting Group.

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Die drei Schlüsselbereiche des Einkaufs

Der Einkauf als wichtiger Werttreiber im Unternehmen muss drei Schlüsselbereiche perfekt beherrschen: „Strategie und Innovation“, „Netzwerke, Kooperation und Integration“ sowie „Prozesse, Technologien und Standards“. Doch wie ist es tatsächlich um Einkäufer in Unternehmen bestellt? Conmoto stellte Topmanagern aus 111 Unternehmern anhand von elf Kernthesen die zentrale Frage: „Wie wertorientiert arbeitet Ihr Einkauf?“ Mit den Ergebnissen der Topmanagement-Umfrage 2012 will Conmoto den Verantwortlichen einen Spiegel in Bezug auf die aktuelle Ist-Situation im Einkauf vorhalten und sie auf diese Weise unterstützen, einen wertorientierten Einkauf voranzutreiben.

Die Gesamtnote über alle Unternehmen und Branchencluster (Automotive, Energie, Dienstleister, Maschinen-und Anlagenbau, Metall- und Elektroindustrie, Chemie sowie das Baugewerbe) hinweg lautet „befriedigend“. Spitzenreiter ist die Automobilindustrie, die rote Laterne trägt die Baubranche. Einige Unternehmen haben noch sehr viel Grundsatzarbeit zu leisten, während andere bereits sehr professionell agieren.

Das Lieferantenmanagement bietet Verbesserungspotenzial

So wichtig das Lieferantenmanagement ist, so schlecht fällt es in der Bewertung der Manager aus. Noch hinter den Einflussbereichen „Wettbewerbsintensivierung“ und „Risk Management“ rangiert es auf dem letzten Platz. Lediglich vier Prozent aller befragten Unternehmen gaben an, das Innovationspotenzial und die Wertschöpfungsreserven ihrer Lieferanten vollständig auszuschöpfen. Selbst in der „Vorzeigebranche“ Automotive wird noch erhebliches Verbesserungspotential gesehen. Weiterhin auffällig: Fast ein Drittel der Unternehmen verfügt über keine oder nur eine lückenhafte Einkaufsstrategie.

Bewertungsergebnisse „Mitarbeiterqualifikation“ im Branchenvergleich und Gesamt
Bewertungsergebnisse „Mitarbeiterqualifikation“ im Branchenvergleich und Gesamt
(Quelle: Conmoto Consulting Group)
Im Mittelfeld rangieren Themen wie Mitarbeiterqualifikation, Entscheidungseffizienz sowie Organisation und Beschaffungsprozess – nicht schlecht, aber dennoch ein klares Signal, dass es auch deutlich besser sein könnte.

Diskrepanz in der Eigen- versus Fremdsicht

Mit Abstand am besten wurde der Einflussbereich „Performance Management“ beurteilt. Die Top 25% der Unternehmen in allen berücksichtigten Branchenclustern messen und berichten ihre Einkaufsleistungen regelmäßig jeden Monat.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Eigen- versus Fremdsicht auf den Einkauf zeigt merkliche Diskrepanzen. Dies spiegelt die allzu menschliche Neigung wider, in der Eigensicht den verantworteten Bereich tendenziell besser zu beurteilen, als dieser mit etwas größerem Abstand, sozusagen aus Fremdsicht, bewertet wird. Dementsprechend gestehen die Vorstände und Geschäftsführer dem Einkauf weniger Reife zu, als es die Einkaufsleiter für ihren Bereich tun. Einzig beim Entwicklungspotenzial im Einkauf sind sich die Entscheidungsträger nahezu einig: Es wird noch viel Luft nach oben gesehen.

Das Reifegradmodell des wertorientierten Einkaufs

Reifegradmodell des wertorientierten Einkaufs
Reifegradmodell des wertorientierten Einkaufs
(Quelle: Conmoto Consulting Group)
Unternehmen, die ihren Einkauf verbessern wollen, müssen zunächst die aktuelle Ist-Situation ermitteln. Conmoto hat hierfür eine Klassifizierung entwickelt, die den Reifegrad des Einkaufs im Status quo darstellt. Die schlechteste Stufe ist der unorganisierte Einkauf (Stufe 1). Hier sind die Beschaffungsprozesse nicht eindeutig definiert. Das Einkaufen findet durch den Bedarfsträger statt und ist unorganisiert.

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