Suchen

FBDi Wie Unternehmen die juristischen Tücken der EU-Verordnungen durch eine gleiche Sprache meistern

| Redakteur: Margit Kuther

Mit einem Bein im Gefängnis steht, wer in der EU ein Produkt in Verkehr bringen will. Denn es warten etliche juristische Fallstricke. Der FBDi hat daher seinen Mitgliedern eine Informationssammlung zusammengestellt, die nicht nur Distributoren helfen, sich im Dickicht der EU-Verordungen zurechtzufinden.

Firmen zum Thema

ELEKTRONIKPRAXIS: Herr Dorwarth, Sie sind mit EU-Verordnungen bestens vertraut, denn Sie sind Vorsitzender des FBDi-Arbeitskreises Umwelt&Compliance und Manager Environmental Affairs&Compliance bei Avnet EM EMEA. Skizzieren Sie uns doch kurz die Tücken der EU-Verordnungen.

Jens Dorwarth: Ein Produkt darf in der EU nur dann in Verkehr gebracht und in Betrieb genommen werden, wenn es den Bestimmungen sämtlicher auf das Produkt anwendbarer EU-Richtlinien entspricht. Für viele Beteiligte sind diese komplexen EU-Verordnungen undurchschaubar.

Daher empfiehlt der FBDi (Fachverband Bauelemente Distribution) allen Wirtschaftsakteuren in der Lieferkette in punkto EU-Vorschriften die gleiche Sprache zu sprechen: Es geht darum, welche Daten zur Erfüllung der EU-Verordungen per Produkt notwendig und erforderlich sind, unabhängig vom Übermittlungsformat.

Den Überblick erleichtert der FBDi mit neuen Maßnahmen: Das Pictorial liefert eine Übersicht über Produktgruppen und generell anfallende Regularien, während das Mandatory Data die weitere erforderliche Dokumentation aufschlüsselt. Beide Informationssammlungen sind auf die Distribution zugeschnitten und beschränken sich auf die tatsächlich erforderlichen Auskünfte. Es sind keine statischen Dokumente, sondern vielmehr passt der FBDi sie fortlaufend an sich ändernde Vorschriften an.

Was macht den Informationsaustausch in der gleichen Sprache so wichtig?

Definitionen und Auffassungen aus unterschiedlichen Perspektiven (technisch und gesetzlich) führen zu verwirrenden Auslegungen und Interpretationen und damit zu den unterschiedlichsten Bewertungen. Darum ist dem FBDi die gleiche Sprache entlang der Lieferkette so wichtig, als eine harmonisierte Grundlage zur Bewertung von Produkten. Das heißt, die Information auf eine einfache, anschauliche und minimalisierte Weise auszutauschen, die auf die Belange der Elektronik Distribution zugeschnitten ist.

Ergänzendes zum Thema
So führen Pictorial und Mandatory Data durch EU-Verordungen

Das Pictorial und Mandatory Data des FBDi bietet konkrete Hilfestellung durch die über 30 EU-Vorschriften.

Das Pictorial stellt in plakativer Art dar, wie welches Produkt unter Berücksichtigung der EU-Verordnungen, Richtlinien und Gesetzgebungen betreffend Substanzregulierungen, CE Konformität und abfallwirtschaftlichen Aspekten je nach Rolle als Wirtschaftsakteur zu typisieren ist. Aus dieser Typisierung ergeben sich die entsprechenden Informations-, Dokumentations- und Kennzeichnungsanforderungen, die im Mandatory Data aufgeschlüsselt sind. Somit bildet das Pictorial eine Grundlage für eine gemeinsame Sprache zum Austausch von Informationen entlang der Lieferkette. Dank leicht nachvollziehbarem Aufbau müsste es tatsächlich jeder verstehen können.

Wie wirken denn die Verordnungen ineinander?

Grundsätzlich gilt: Alle Arten von Produkten müssen die Anforderungen aus REACh, POP (Persistent Organic Pollutants) und CLP (Classification and Labelling of Products) erfüllen, sobald sie physikalisch in den europäischen Wirtschaftsraum eingeführt oder dort produziert werden. Es gibt keine Ausnahme für Import zum Export oder Produktion für Export oder eigene Verwendung.

Sollen die Produkte auf dem europäischen Markt zur Verfügung gestellt und in den Betrieb genommen werden, finden RoHS, Batterieverordnung, Verpackungsverordnung und CE-Richtlinien Anwendung. Die abfallrechtlichen Verpflichtungen (aus den nationalen Umsetzungen der WEEE-, der Batterie- und Verpackungsverordnung) finden dann Anwendung für genau jenes Land innerhalb der EU, in dem das Produkt letztlich vertrieben wird.

Inwieweit unterscheiden sich die Pflichten eines Distributors, ob er von außerhalb der EU importiert oder nicht?

Importiert ein Distributor Waren von außerhalb der EU, garantiert er automatisch als Importeur für die Einhaltung aller für das Produkt anwendbaren und relevanten Gesetzgebungen. Dazu gesellen sich Vorschriften aus der REACh-Verordnung, z.B. die Notifikationspflicht für in Produkten enthaltene Substanzen der Kandidatenliste, kumuliert über alle importierten Produkte.

Als Importeur muss er Konformitätserklärungen des Herstellers vorhalten, und alle importierten Produkte, die unter eine CE-Richtlinie fallen, mit einer Kennzeichnung versehen, die ihn als Importeur identifiziert.

Die genannten Verpflichtungen entfallen für einen innereuropäisch tätigen Distributor, wenn sein Vorlieferant von innerhalb der EU liefert.

Es heißt, dass die RoHS-Verordnung mit RoHS II eine CE-Richtlinie werden soll. Welche Neuerungen bringt das mit sich?

Auch wenn derzeit noch nicht bekannt ist, wann RoHS II in Kraft treten wird, kommen damit einige gravierende Änderungen auf die Elektro- und Elektronikindustrie zu. Dazu gehört, basierend auf dem uns vorliegenden Dokument der Kommission und des Parlaments: Sobald RoHS II eine CE-Richtlinie ist, müssen Produkte mit CE gekennzeichnet werden und über eine entsprechende Dokumentation verfügen.

RoHS II bekommt den derzeitigen WEEE-Anwendungsbereich als eigenen Anwendungsbereich und zusätzlich die Kategorie 11, die alle, in den vorhergehenden 10 Kategorien nicht genannten Elektro- und Elektronikprodukte enthält. Die zugelassenen Ausnahmen in RoHS (‚RoHS By Exemption as of Annex’) erhalten Auslaufdaten.

Danach ist ein Produkt, das eine solche Ausnahme nutzte, nicht mehr RoHS-konform bzw. kompatibel. Nach Ablauf der Übergangsfristen dürfen nur noch RoHS-konforme Produkte in Verkehr gebracht werden.

Was bedeutet das konkret für die Distribution?

(ID:27417360)