Plagiate Wie Sie sich technisch vor Produktfälschungen schützen können

Redakteur: Gerd Kucera

Qualitätsmarken und innovative Produkte müssen vor Fälschern geschützt werden. Denn der gute Name einer Firma kann schnell ruiniert sein, wenn minderwertige Imitate im Markt auftauchen.

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Der internationale Wettbewerbsdruck steigt in der Elektronikbranche zunehmend. Vor allem aus Ostasien werden immer mehr Elektronikprodukte auf den Weltmarkt gebracht. „So stieg der Anteil aus den Ländern der Region Asia Pacific von 20 Prozent im Jahr 1995 auf inzwischen etwa 40 Prozent“ konstatiert Volker Hahn, Marketing Director bei tesa scribos, „alleine China erhöhte seinen Anteil von 3 Prozent im Jahr 1995 auf fast 20 Prozent. Doch auch Südkorea, Malaysia, Singapur und Thailand befinden sich heute in den Top 10 der globalen Elektronikproduzenten.“

Die deutschen Hersteller können sich dieser Konkurrenz nur durch neue, optimierte Technologien und hochqualitative Produkte erwehren. Diese müssen jedoch im Zeitalter des Internets und der weltweiten Handelsbeziehungen vor Fälschern geschützt werden. Denn der gute Name einer Firma oder des Herstellungsortes „Made in Germany“ kann schnell ruiniert sein, wenn schlecht gemachte Imitate im Markt auftauchen.

Neben dem beeinträchtigten Image schmerzt den Markeninhaber auch der reduzierte Umsatz und Gewinn. So ist es für viele Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll, für einen stringenten Markenschutz zu sorgen. Dabei zeigen Untersuchungen, dass sich bereits Maßnahmen lohnen, welche die Fälschungsquote nur um ein Prozent senken.

Hahn: „Ein erster Schritt zum Markenschutz sind deutlich sichtbare Kennzeichnungen wie Logos, ungewöhnliche Farben oder Hologramme. Allerdings können solche, im Markt auch für Fälscher leicht erhältliche Markierungen, die Originalware nur von einfachen und schlecht gemachten Kopien unterscheiden. Eine konsequente Fälschungssicherheit erfordert dagegen Merkmale, deren Technologie nicht frei im Markt verfügbar ist. Den höchsten Schutz bieten serielle Sicherheitsmerkmale, die eine für jeden einzelnen Artikel individuelle Identität bieten, wie bei einem Reisepass. Die Seriennummer wird hierbei fälschungssicher in die Markierung eingebunden. Das bedeutet, die jeweilige Nummer wird nicht nur einfach aufgedruckt, sondern in verschiedene Prüfebenen des Originalitätsmerkmals integriert. Zum Beispiel lassen sich individuelle Informationen auf mehreren Prüfebenen in verschiedene Etiketten schreiben. Dadurch können individuelle Produktkennzeichnungen auf unterschiedliche Arten überprüft werden. Steht diese Technologie nur einem Anbieter zur Verfügung, ist eine Nachahmung praktisch unmöglich.“

Der französische Elektronikhersteller Parrot, der für seine Bluetooth Headsets und seinen per Smartphone gesteuerten Quadrokopter „AR.Drone“ bekannt ist, verwendet eine solche Technologie. Er verhindert damit das Eindringen von billigen Batteriekopien in die Produktions- und Lieferprozesse. Während der Herstellung wird in jede Batterie ein fälschungssicheres Kennzeichnungsetikett fest integriert. Parrot nutzt dabei das Holospot-System zur stückindividuellen Identifikation für Zoll und Handelspartner. Zusätzlich überwacht das Unternehmen damit seine asiatische Batterieproduktion.

Bei jeder Charge werden die Holospot-Seriennummernin einer Datenbank mit der jeweiligen Charge verknüpft. So kann zum einen das Produktionsvolumen kontrolliert werden, zum anderen lassen sich Kerndaten für jede Batterie abfragen, wie das Produktionsdatum oder die Chargennummer. Anhand der Daten kann Parrot zudem kontrollieren, ob die Zahl der verwendeten Kennzeichnungsetiketten mit der Zahl der hergestellten Produkte übereinstimmt.

Hahn: „Jedes wichtige Bauteil der AR.Drone wird darüber hinaus mit einer eigenen stückindividuellen Seriennummer versehen. Diese wird zukünftig mit der im Holospot gespeicherten und vor Fälschungsversuchen geschützten Seriennummer verknüpft. In Garantiefragen kann so beispielsweise geklärt werden, ob alle Teile des beanstandeten Quadrokopters zusammengehören oder nicht. Mit solchen und ähnlichen Systemen können Unternehmen dafür sorgen, dass ihre neu entwickelten oder hochqualitativen Markenprodukte nicht gleich in den Händen von Nachahmern oder Produktfälschern landen.“

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