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Wie Sie eine Relaisspezifikation technisch richtig schreiben

| Autor / Redakteur: Olaf Lorenz * / Kristin Rinortner

In den Teilen eins bis sechs unserer Serie haben wir gezeigt, dass sehr viele Parameter notwendig sind, um ein elektromechanisches Relais zu beschreiben. Wie nun eine Relaisspezifikation aussieht, erfahren Sie in diesem Teil.

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Relais-Basiswissen: In unserer Serie zu elektromechanischen Relais erläutern wir die technischen Grundlagen zu Aufbau und Funktion von Relais.
Relais-Basiswissen: In unserer Serie zu elektromechanischen Relais erläutern wir die technischen Grundlagen zu Aufbau und Funktion von Relais.
(Bilder: TE Connectivity )

Relais für industrielle Anwendungen und Elektrogeräte sind in den meisten Fällen gemäß der IEC 61810 und UL 508 getestet und verfügen über VDE-, UL- oder andere Zertifikate. Bei den Angaben von elektrischen Lebensdauern werden oft die Gebrauchskategorien der IEC 60947-5-1 verwendet. In vielen Fällen kann ein erfahrener Schaltungsentwickler mit diesen Angaben ein passendes Relais für seine Anwendung finden. Allerdings ist es nahezu unmöglich, alle potentiellen Einsatzbedingungen, Lebensdauern und Grenzbelastungen jeder Relaisvariante zu testen und im Datenblatt zu beschreiben.

Automobilrelais werden in der Regel nicht nach der IEC 61810, sondern nach Kundenspezifikationen getestet. Diese kundenspezifischen Testergebnisse werden anschließend häufig für die Angaben in den allgemeinen Datenblättern verwendet. Datenblätter unterschiedlicher Relaishersteller basieren also auf unterschiedlichen Spezifikationen und sind nur bedingt vergleichbar.

Ist die Auswahl des passenden Relais anhand des Datenblatts nicht möglich, empfiehlt es sich, dem Relaishersteller die technischen Anforderungen der Anwendung in Form einer eigenen Spezifikation mitzuteilen.

Im Folgenden sind einige Parameter aufgeführt, die der Relaishersteller für ein technisch zuverlässiges Angebot benötigt.

Last:

  • Name und Funktion der Last
  • Lastspannung, nominaler und maximaler Wert
  • Laststrom, Einschalt-, Dauer- und Ausschaltstrom
  • Induktivität bei Motorlasten (bzw. cos φ bei Wechselspannungslasten)
  • Geforderte Lebensdauer in Schaltzyklen (evtl. auch mit statistischer Sicherheit)
  • Überlastanforderungen, beispielsweise Kurzschlussfestigkeit
  • Isolationsanforderung (hauptsächlich bei U > 60 V DC/25 V AC)

Ansteuerung:

  • Ansteuer-/Spulenspannung, minimaler, nominaler und maximaler Wert
  • Spulenbeschaltung, z.B. Dioden parallel zur Spule
  • Schaltzeitforderungen, z.B. maximale Ansprech- und Rückfallzeiten
  • Erregungsdauern, minimaler und maximaler Wert

Umgebungsbedingungen:

  • Umgebungstemperatur am Relais
  • Schwing- und Schockbelastungen, eventuell differenziert nach Einbaulage
  • Dichtheitsanforderung, z.B. RT- oder IP-Klasse
  • Maximale Größe und Gewicht

Verarbeitung:

  • Lötprofile bei Leiterplatten-Relais
  • Festigkeitsanforderungen bei Steck- und Schraubverbindungen.

Wenn der Kunde eigene Anforderungen an den Nachweis, ob die Spezifikation erfüllt wurde, hat, ist die Vorgabe eines Testplans hilfreich. Der Testplan sollte auch die Anforderung an die Relaisparameter während und nach den Tests und die Anzahl der zu testenden Relais enthalten.

* Olaf Lorenz arbeitet als Applikationsingenieur bei TE Connectivity in Berlin.

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