Konfigurations- und Änderungs-Management Wie Sie alle Prozesse bei der Softwareentwicklung immer voll im Griff haben

Autor / Redakteur: Matthias Zieger* / Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Egal, ob es sich um Bordnetzwerke, um elektronische Steuergeräte oder Bordcomputer handelt: Innovationen in der Automobilbranche basieren heute meist auf Software. Und genau darauf ist Gigatronik als Entwicklungsdienstleister in Sachen Automobilelektronik und Informationstechnologie spezialisiert. Ein automatisiertes Konfigurations- und Änderungs-Management unterstützt das Unternehmen effizient dabei, die von der Automobilindustrie geforderten hohen Qualitätsanforderungen bei der Softwareentwicklung zu erfüllen.

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Automobil und Elektronik wachsen immer mehr zusammen. Neue Fahrzeuge enthalten inzwischen eine Vielzahl elektronischer Helfer, die Mensch, Fahrzeug und Umwelt intelligent miteinander verknüpfen. Vor einer Markteinführung erproben Automobilhersteller ihre neuen Modelle zunächst auf der Basis funktionsfähiger Prototypen. Dabei sind darin vielfach auch Software- und Elektronik-Produkte der Stuttgarter Gigatronik GmbH verbaut. Das Unternehmen ist auf Entwicklungsdienstleistungen in der Automobilelektronik und Informationstechnologie spezialisiert und beliefert Premium-Hersteller wie Audi, BMW, Daimler oder Porsche sowie deren Systemlieferanten – vorwiegend mit Individual-Software. Dazu gehören Steuergerätesoftware, die Konfiguration von Betriebssystemen, Informations- und Analysesysteme mit Datenbanken, PLM-Systeme, Prüfsysteme und abteilungsübergreifende Prüfstände sowie On-Board- und Off-Board-Diagnose-Software.

Hohe Softwarequalität sichert Markterfolg

GT-POWERspy Services von Gigatronik erlaubt einfache und effiziente Betrachtungen und Analysen des Fahrzeugbordnetzes und eine genaue Überprüfung der Energieverteilung im Fahrzeug (Archiv: Vogel Business Media)

Der 2001 gegründete Mittelständler wächst rasant und beschäftigte Ende 2007 neben dem Hauptsitz in Stuttgart an Standorten in Köln, Ingolstadt sowie München bereits mehr als 350 Mitarbeiter. „Ganz wesentlich für unseren Markterfolg ist, dass die Entwicklung von Software- und IT-Lösungen schon in der Prototypenphase auf Basis modernster Technologien erfolgt und mit den Entwicklungszyklen der Premium-Hersteller Schritt hält“, erklärt Sven Sauerzapf, Leiter Diagnose/Informations- & Prüfsysteme bei Gigatronik. „Ebenso wichtig sind umfassende Maßnahmen zum Qualitäts-Management und zur Qualitätssicherung bei der Softwareentwicklung. ABS-Systeme oder die elektronische Stabilitätskontrolle müssen einwandfrei arbeiten und Diagnosesysteme keine Antworten nach der Ursache einer Störung schuldig bleiben.“

Automatisierung sorgt für fehlerfreie Entwicklung

Das automatisierte Konfigurations- und Änderungs-Managementsystem StarTeam bietet eine umfassende Reihe von Lösungen zur Erfassung von Softwareänderungen und zur Konfigurationsverwaltung (Archiv: Vogel Business Media)

Seit 2003 steuert Gigatronik die Entwicklung neuer Software und neuer Systeme mithilfe des automatisierten Konfigurations- und Änderungs-Managementsystems StarTeam von Borland, einer robusten, offenen und flexiblen Plattform, die auf Industriestandards wie Java basiert. Mit dem Werkzeug lassen sich unterschiedliche Entwicklungsphasen festhalten und fortlaufend aktualisieren. So kann der aktuelle Entwicklungsstatus einer Software jederzeit eingesehen werden.

„Durch das automatisierte Konfigurations- und Änderungs-Management überblicken wir sicher alle Versionen im Entwicklungszyklus einer Software“, verdeutlicht Sven Sauerzapf. Dadurch werden mögliche Fehlerquellen wie die Arbeit mit einer bereits veralteten Version praktisch ausgeschlossen oder auf ein Minimum reduziert. Der in Entwicklungsdateien hinterlegte Quellcode wird außerdem automatisch auf Fehler geprüft. Erkennt die Software fehlerhaften oder schadhaften Code, wird der Entwickler über eine Warnmeldung benachrichtigt und kann diesen umgehend ersetzen. Außerdem nutzen Entwickler oder Testingenieure die Analyse- und Berichtsfunktionen, um den Fortschritt von Projekten zu verfolgen.

Kunden mit ins Boot holen

StarDraw zeigt den Status einzelner Projekte in Form übersichtlichen Grafiken (Archiv: Vogel Business Media)

Unterstützt von StarTeam hat Gigatronik im Rahmen der Softwareentwicklung auch seine Prozesse zu Kunden effizienter und transparenter gestaltet. Ursprünglich schickten Kunden Änderungsanforderungen (Change Requests) zu einem Softwareprojekt per E-Mail in einem Word-Dokument. Die Entwickler bei Gigatronik mussten diese Änderungen dann manuell in die Lösung übertragen, was die Möglichkeit von Übertragungsfehlern in sich barg.

Heute hinterlegen Kunden über einen vollständig in das Konfigurations- und Änderungs-Managementsystem integrierten Web Client fachliche Änderungen wie Masken- und Funktionserweiterungen, Datenänderungen sowie Fehlermeldungen direkt in der Lösung. Zugleich sehen sie jederzeit den aktuellen Bearbeitungsstatus ihrer Änderungen und Anfragen. „Indem wir die Kunden ins Boot holen, verbessern wir die Zusammenarbeit mit ihnen und erhöhen so die Kundenbindung“, erklärt Sven Sauerzapf. Realisiert hat der Mittelständler den Web Client mithilfe von Programmierschnittstellen, die StarTeam über das Software Developer‘s Kit (SDK) bereitstellt.

Der von Gigatronik auf Grundlage des SDK entwickelte Web Client ist aber nur eine von vielen Möglichkeiten, die Lösung individuell anzupassen und zu erweitern. Das ist eine der wesentlichen Stärken von StarTeam, wie das unabhängige Marktforschungsunternehmen Forrester Research in einer umfassenden Bewertung der Software herausfand.

Vollautomatisierter Check-Out und Check-In

Ist ein Entwicklungsprojekt abgeschlossen, lassen sich die fertigen Anwendungsprogramme vollautomatisiert erstellen. Dabei werden alle Daten zu einem Softwareprojekt ausgecheckt, der Code kompiliert, die ausführbaren Programme über InstallShield zu einer Set-up-Datei gepackt und als fertige Installationsroutine wieder in das Programm eingecheckt. Diese wiederum lässt sich dann auf einer CD oder DVD ausgeben.

Unterstützt wird dieser Prozess zusätzlich durch einen Buildserver mit eigener Ablaufsprache, der mit StarTeam verbunden ist. Damit lassen sich selbst hunderttausende von Dateien sowie große Datenmengen problemlos verarbeiten und verwalten.

Höherer Reifegrad für die Softwarequalität

Um effiziente Abläufe bei der Software-Entwicklung sowie eine gleich bleibend hohe Qualität der jeweils hergestellten Software sicherzustellen, wendet Gigatronik das Prozessmodell der Capability Maturity Model Integration (CMMI) an. Dabei handelt es sich um eine systematisch aufbereitete Sammlung von bewährten fachlichen Praktiken und fest definierten Anforderungen an eine gute Softwareentwicklung.

„StarTeam unterstützt uns hier bereits sehr wirkungsvoll“, stellt Sven Sauerzapf fest. „Doch wir wollen unsere am CMMI-Modell orientierten Entwicklungsabläufe weiter optimieren und verfeinern, um den nächst höheren Reifegrad zu erlangen. Dazu etwa müssen wir Projekte nach einem anpassbaren Standardprozess durchführen und eine kontinuierliche Prozessverbesserung etablieren.“ Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Gigatronik seit Oktober 2007 mit CaliberRM und Together auf zwei weitere Borland-Produkte.

Prozessgesteuerte Integration, effiziente Entwicklung

CaliberRM als Software-Tool für das Anforderungs-Management soll sicherstellen, dass die entwickelte Software sämtlichen Kundenerfordernissen gerecht wird. Der Mittelständler plant für das Anforderungs-Management überdies die Einführung standardisierter elektronischer Abläufe mit Kunden auf Basis des Austauschformates RIF (Requirement-Interchange-Format). Damit soll es künftig möglich sein, schon in der Anfangsphase von Softwareentwicklungsprojekten, etwa bei der Definition der Anforderungen, Dokumente und Lastenhefte verlustfrei auszutauschen.

Mit Together als grafischer Modellierungsplattform wiederum will der Mittelständler die Entwicklung neuer Anwendungen oder die Übernahme von Design-Informationen noch einfacher gestalten. Alle Tools arbeiten überdies dank einer Prozessgesteuerten Integration reibungslos zusammen. Dadurch lassen sich zum Beispiel Anforderungen aus CaliberRM mit einem UML-Diagramm aus Together und Source-Code aus StarTeam nahtlos miteinander verknüpfen und so die Softwareentwicklung noch effizienter steuern.

*Matthias Zieger ist Technology Consultant Entwicklungsprozesse bei Borland.

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