Betriebssysteme Wie sich Windows Embedded 8 individuell gestalten lässt

Autor / Redakteur: Wolfgang Unger * / Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Kiosk- oder Werbedisplays mit Windows Embedded 8 Standard lassen sich individuell anpassen und mit einer eigenen Marke branden. Wir zeigen Ihnen, wie das geht.

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Individuelles Embedded Windows 8: Mit ein paar Tricks lässt sich Windows anpassen
Individuelles Embedded Windows 8: Mit ein paar Tricks lässt sich Windows anpassen
(Foto: Rainer Sturm, pixelio.de)

Eine Windows- oder Anwendungsfehlermeldung auf einem Gerät wie Kiosk oder Werbedisplay mindert nicht nur den Gesamteindruck, sondern auch den Wert eines Gerätes. Auf einem Werbedisplay verdeckt die Meldung die Werbung, was durchaus problematisch sein kann. Abgesehen von den optischen Aspekten: An einem Kiosk-System beeinträchtigt die Fehlermeldung die Funktionsweise oder schließt im schlimmsten Fall die Hauptapplikation und erlaubt dem User keine weitere Interaktion mit dem Gerät. Bereits mit Windows XP Embedded hat Microsoft begonnen, Features zu entwickeln, welche diese Szenarien verhindern sollen. Mit jeder Embedded-Version kamen neue Features hinzu, sodass Windows Embedded 8 Standard zu dem am besten versteckbaren Embedded-Betriebssystem geworden ist.

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Die verschiedenen Features in Windows Embedded 8

Bild 1: In früheren Windows-Embedded-Versionen unterdrückte die Komponente "Message Box Auto Reply" alle Standard-Windows-Message-Boxen
Bild 1: In früheren Windows-Embedded-Versionen unterdrückte die Komponente "Message Box Auto Reply" alle Standard-Windows-Message-Boxen
(Elbacom)
Windows Embedded 8 Standard enthält Embedded-Branding- und Lockdown-Module, also Betriebssystemkomponenten, mit denen sich beispielsweise das Bootlogo tauschen lässt, eine benutzerdefinierte Shell für unterschiedliche Benutzer festgelegt werden kann, Fehlermeldungen und unerwünschte Dialoge gefiltert oder das Bootmenü deaktiviert werden kann. Frühere Windows-Embedded-Versionen enthielten die Komponente „Message Box Auto-Reply“. Diese unterdrückte alle Standard-Windows-Message-Boxen (Bild 1), indem ein Klick auf den Standardbutton der Meldung simuliert und das Erscheinen der Meldung im Windows Event Log protokolliert wurde.

Dieses Feature stieß leider schnell an seine Grenzen, da nicht alle unerwünschten Meldungen Standard-Windows-Message-Boxen sind. Daher entwickelte Microsoft in Windows Embedded Standard 7 den „Dialog Filter“, welcher in der aktuellsten Version unter Windows Embedded 8 Standard verfügbar ist. Er filtert beliebige Dialoge (Bild 2) und Fenster. Diese gefilterten Fenster werden bereits vor dem Rendering blockiert, sodass der Anwender davon nichts bemerkt. Die Konfiguration kann flexibel durch den Fenstertitel oder die Fensterklasse vorgenommen werden.

Wenn der Bluescreen nicht mehr zu sehen ist

Mit einem weiteren Feature des „Dialog Filters“ lassen sich nicht nur Fenster filtern, sondern auch der Darstellungszustand beliebig anpassen. So ist es möglich, bestimmte Fenster immer maximiert darzustellen oder andere immer zu minimieren. Die Standardversion des Filters bietet damit schon eine Vielzahl an Möglichkeiten – sollte jedoch komplexeres Filtern notwendig sein, bietet Microsoft eine Programmierschnittstelle inklusive Beispielcode an, um den Filter nach den jeweiligen Bedürfnissen zu erweitern.

In Windows Embedded 8 Standard ist das Modul „Unbranded Boot“ enthalten, mit dem einzelne Teile des Standard-Windows-Bootbildschirms unterdrückt werden können. Zur Auswahl stehen die Entfernung des Windows Logos, der drehenden Statusanzeige und eventueller Statusmeldungen, welche noch am Bootbildschirm angezeigt werden (Bild 3). Ist ein Unified Extensible Firmware Interface, oder kurz UEFI, vorhanden, lässt sich in der Gerätefirmware ein eigenes Bootlogo hinterlegen. Diese Grafik wird dann während des gesamten Bootvorgangs angezeigt (Bild 4).

Außerdem bietet das Modul die Möglichkeit, den Zugang zum F8- und F10-Bootmenü zu sperren. Somit hat ein Endanwender keine Möglichkeit, zu den erweiterten Booteinstellungen zu gelangen – das System bootet immer mit den vorgegebenen Einstellungen. Um gerade bei Kiosk-Systemen einen Bluescreen zu vermeiden, lässt sich das System so konfigurieren, dass mögliche Bluescreens durch schwarze Bildschirme ohne weitere Ausgabe ersetzt werden. Das System ist in der Lage, automatisch neu zu starten.

Den Anmeldebildschirm bei Windows anpassen

Das Custom-Logon-Modul ermöglicht es, den Anmeldebildschirm bei Windows anzupassen. Zum einen lässt sich der Sperrbildschirm deaktivieren, um Anwender direkt zur Passworteingabe aufzufordern. Zum anderen können Statusanimationen unterdrückt werden und es lassen sich Elemente ausblenden. Dazu zählen beispielsweise der Button zum Herunterfahren, der Eingabehilfen-Button oder der Benutzer-Wechseln-Button.

Wird die automatische Anmeldung verwendet, kann der gesamte Anmeldebildschirm unterdrückt werden. Ebenfalls möglich ist, die „Blocked Shutdown Resolvers“ zu unterdrücken. Der Dialog erscheint, wenn Anwendungen das Abmelden eines Benutzers blockieren. Wird der Dialog unterdrückt, werden alle noch offenen Anwendungen ohne weitere Nachfrage beendet. Diese beiden Features ermöglichen den direkten Start einer Applikation, ohne die standardmäßige Explorer-Shell zu starten.

Mit Hilfe des „Custom Shell Launchers“ lassen sich Desktopapplikationen direkt booten. Der Launcher bietet Konfigurationsmöglichkeiten die festlegen was passeniert, wenn die Shell-Applikation geschlossen wird oder abstürzt. Als Aktionen können beispielsweise der Neustart der Shell-Applikation konfiguriert oder des Gerätes initiiert werden. Der „App Launcher“ ermöglicht den direkten Start einer Windows Store Applikation, die früher als Metro-App bezeichnet wurde. Diese wird dann – ohne Umwege über den Startbildschirm – direkt nach der Anmeldung des Benutzers gestartet.

Beide Features können auf Benutzerbasis konfiguriert werden, beispielsweise um die benutzerdefinierte Shell nur für Benutzer zu starten, Administratoren jedoch den vollen Desktop oder eine Administrator-Shell zur Verfügung zu stellen. Eine Kombination der genannten Features ist empfehlenswert. Dadurch werden mögliche Angriffsflächen beseitigt und die Gesamtoptik des Gerätes verbessert. Das Ergebnis ist ein Gerät, welches bereits nach dem Einschalten in einem individuellen Design hochfährt, fließend in Ihre Anwendung übergeht und sich im Fehlerfall selbst regeneriert, ohne Fehlermeldungen zu erzeugen. Windows Embedded 8 Standard bringt alle dafür notwendigen Features mit.

* Wolfgang Unger ist Microsoft Embedded Technical Specialist bei Elbacom und entwickelt Tools für Windows Embedded.

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