Logistik Wie sich Sparpotenziale bei C-Teilen nutzen lassen

Autor / Redakteur: Roman Wolf * / Margit Kuther

Commodity-Teilen kosten nicht viel, sind aber trotzdem teuer: Der Verwaltungsaufwand steht in keinem Verhältnis zu den Bauteilekosten. Lesen Sie, wie sich mit Prozessoptimierung bei Liefermenge und Verpackungseinheiten Geld sparen lässt.

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Einkauf: C-Teile kosten nicht viel, sind in der Gesamtkalkulation aber dennoch teuer.
Einkauf: C-Teile kosten nicht viel, sind in der Gesamtkalkulation aber dennoch teuer.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Über 71 Milliarden Commodities – also Kleinteile wie Stecker, Widerstände usw. – haben Kunden im Jahr 2020 bei Rutronik bestellt. Den großen Mengen steht bei den meisten dieser Komponenten ein Preis von wenigen (Zehntel-)Cent gegenüber – damit zählen sie zu den so genannten C-Teilen. Um hier Einsparungspotenziale zu realisieren, lohnt eher der Blick auf die Bestellprozesse als auf den Warenwert. Rutronik unterstützt seine Kunden dabei.

Nehmen wir an, ein Unternehmen benötigt jeden Monat 40.000 Chipwiderstände. Um den Lagerbestand gering zu halten, wird jede Woche eine Bestellung über 10.000 Widerstände ausgelöst. Vier Mal im Monat muss also ein Mitarbeiter die Ware auspacken, den Lieferschein prüfen, die Lieferscheinposition im Warenwirtschaftssystem buchen und schließlich die Ware ins Regal räumen. Die Bauteile mit einem Warenwert von wenigen Euro verursachen damit Prozesskosten, die mindestens gleich hoch oder sogar höher sind als der eigentliche Warenwert. Die Potenziale zur Kostenreduzierung sind in diesem Bereich deshalb deutlich höher als durch mögliche Preisanpassungen im Zuge von jährlichen Preisverhandlungen.

Prozessoptimierung bei Liefermenge und Verpackungseinheiten

Mittels optimierter Beschaffung lassen sich die Lieferscheinpositionen – und damit Aufwand und Kosten bei der Warenannahme – drastisch reduzieren.
Mittels optimierter Beschaffung lassen sich die Lieferscheinpositionen – und damit Aufwand und Kosten bei der Warenannahme – drastisch reduzieren.
(Bild: Rutronik)

Um die Prozesskosten zu reduzieren, sind Liefermengen und Verpackungseinheiten effektive Hebel: Viele Commodities sind in Verpackungseinheiten von 5.000 bis zu 50.000 Stück, in der Regel auf der Rolle, verfügbar. Dabei gilt: Je größer die gewählte Einheit, desto geringer die Prozesskosten. Würde das Unternehmen aus obigem Beispiel statt vier Mal im Monat 10.000 nur einmal im Monat 40.000 Chipwiderstände bestellen, reduzierte sich der Aufwand auf nur noch ein Viertel. Der Lagerbestand nimmt dadurch zwar zu, durch den geringen Wert der C-Teile ist dies in der Regel jedoch zu vernachlässigen.

Durch derartige Optimierungen konnte Rutronik für zahlreiche Kunden mit Bestellmengen von Milliarden-Stückzahlen pro Jahr die Lieferscheinpositionen drastisch reduzieren, beziehungsweise bei steigenden Mengen auf gleichem Niveau halten. Und jede Position weniger auf dem Lieferschein bedeutet geringere Prozesskosten.

Geringe Lagerhaltungskosten, aber trotzdem Versorgungssicherheit

Steht ein geringer Warenbestandswert im Fokus, bietet ein Konsignationslager eine gute Möglichkeit, um diesen niedrig zu halten. Die Waren lagern produktionsnah beim Unternehmen, das sie bedarfsgerecht entnehmen kann. Fakturiert wird erst bei Entnahme. So verbindet ein Konsignationslager geringe Lagerhaltungskosten mit einer optimierten Steuerung des Warenflusses und Versorgungssicherheit.

Steigerung von Effizienz und Qualität

Um die Beschaffungsprozesse generell so effizient wie möglich zu gestalten, hat Rutronik bereits vor Jahren die Digitalisierung des gesamten Prozesses vom Auftrag beziehungsweise Forecast bis hin zur Lieferavisierung und Rechnungsstellung vorangetrieben. Neben standardisierten Datenformaten wie EDIFACT, VDA oder SAP IDOC kann Rutronik auch andere Formate, z. B. Excel- oder Textdateien, verarbeiten, sodass möglichst alle Kunden von einem elektronischen Datenaustausch und damit einer automatisierten Beschaffung profitieren können. Quasi nebenbei steigt dadurch auch die Datenqualität.

Das gilt für den herkömmlichen Beschaffungsprozess mit Auftrag und Auftragsbestätigung ebenso wie für dynamische Liefersysteme mit rollierendem, langfristigem Forecast. Letztere tragen zudem erheblich zur Versorgungssicherheit bei. Denn je genauer der Distributor die langfristigen Bedarfe seiner Kunden kennt, desto besser kann er sie auch im Falle von kurzfristigen Marktänderungen im Herstellerbacklog berücksichtigen – und solche Situationen gibt es zuhauf, seien es Unwetter in Landstrichen mit vielen Produktionsstätten, die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie oder Bedarfssteigerungen, die zu Allokationen führen, wie im Jahr 2018.

Mehr als Warenbeschaffung

Logistik ist viel mehr als nur die richtige Ware zur richtigen Zeit am richtigen Ort bereitzustellen. Sie bildet auch einen wesentlichen Bestandteil zur Optimierung der Kostenstruktur und zum Unternehmenserfolg. Bei den C-Teilen tragen effiziente Lieferprozesse erheblich ganz besonders dazu bei, die Logistik- und Abwicklungskosten auch bei steigenden Mengen so gering wie möglich zu halten. Deshalb ist ein individuell abgestimmtes, intelligentes Belieferungskonzept hier sinnvoller als eine Just-in-time-Belieferung.

* Roman Wolf ... ist Project Manager Supply Chain Solution bei Rutronik.

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