Stromversorgungen Wie sich magnetische Störungen beim drahtlosen Laden vermeiden lassen

Autor / Redakteur: Jorge Victoria * / Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Drahtlos ist derzeit voll im Trend – und zwar nicht nur, wenn es um Daten, Sprache und Bilder geht. Denn immer mehr Anwender haben es satt, für ihre verschiedenen Mobilgeräte immer zig unterschiedliche Ladegeräte mitschleppen zu müssen. „Wireless Charging“ heißt die Lösung, mit der sich Smartphone & Co. drahtlos laden lassen. Aber immer wieder stören Magnetfelder die schnurlose Übertragung, da die Abstände zwischen empfindlichen Komponenten und Geräten immer kleiner werden. Wir verraten Ihnen, wie sich solche Störungen verhindern lassen.

Firmen zum Thema

Störungen des Magnetflusses beim drahtlosen Übertragen von Energie lassen sich mit geeigneten Ferritfolien verhindern
Störungen des Magnetflusses beim drahtlosen Übertragen von Energie lassen sich mit geeigneten Ferritfolien verhindern
(Bild: Würth Elektronik)

Aufgrund des immer kleineren Abstands zwischen Leiterplatten, integrierten Schaltungen und anderen empfindlichen Geräten kommt es in letzter Zeit vermehrt zu Störungen durch Magnetfelder. Gleichzeitig wird die schnurlose Übertragung von Energie und Daten auf Magnetkopplungsbasis immer beliebter: Qi-WPC, NFC, RFID, PMA, A4WP, WCT etc. sind nur einige Beispiele von vielen.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 15 Bildern

Mit Ferritmaterialien lässt sich der Magnetfluss steuern und so die Effizienz der Energieübertragung verbessern, Zuverlässigkeit und Reichweite der Datenübertragung erhöhen und unerwünschte Störmagnetkopplungen vermeiden.

Ferrite schirmen Magnetfelder

Wie nun können Ferritmaterialien Magnetfelder so umleiten, dass die Leistungsfähigkeit der HF-Kommunikation verbessert wird und elektromagnetische Störungen unterdrückt werden? Ferritmaterialien weisen, wenn sie in einem Magnetfeld H platziert werden, die Fähigkeit zur Konzentration des Magnetflusses auf (Bild 1). Diese Fähigkeit wird durch die relative Permeabilität quantifiziert: µ = B / B0

Wir können nun nützliche ebenso wie unerwünschte Magnetfelder (Störfelder) steuern, indem wir die Ferrite gezielt platzieren und formen.

Das passende Ferritmaterial für die jeweilige Frequenz

Ein Teil des konzentrierten Flusses wird aufgrund von Ummagnetisierungsverlusten und Wirbelströmen in Wärme umgewandelt. Zur Quantifizierung dieser Verluste und der Effizienz der Flussumleitung können wir die Permeabilität in den Idealanteil µ' und den Verlustanteil µ'' unterteilen. Dies kennen wir als komplexe Permeabilität µr = µ' – j µ''. Ferritmaterialien mit einem hohen µ''-Wert sind nützlich beim Umgang mit Störungen, während ein hoher Wert für µ' zur Maximierung der Magnetflusssteuerung erforderlich ist. Beide Parameter hängen von der Frequenz (Bild 4) ab, d.h., das Material muss so ausgewählt werden, dass es in dem von der Anwendung vorgegebenen Frequenzbereich auch funktioniert.

Magnetische Kopplung bei geringen Abständen

Technologien wie NFC und die drahtlose Energieübertragung stellen für Effizienz und Schirmung eine Herausforderung dar. Sie funktionieren mit magnetischer Kopplung bei geringen Abständen und sind in der Regel von hochintegrierten elektronischen Schaltungen umgeben, bei denen Platz und Gewicht begrenzt sind. Zwar können klassische leitfähige Schirmungen gegen unerwünschte Störkopplungen schützen, indem sie ein Gegenfeld erzeugen, doch fällt die Effizienz der gewünschten Übertragung in diesem Fall drastisch ab.

Ferrite steuern das Magnetfeld

Am besten ist es natürlich, das Magnetfeld dort zu konzentrieren, wo es benötigt wird. So schützt man das Umfeld und erhöht seine Wirksamkeit. Dann werden Materialien mit hohem µ'- und niedrigem µ"-Wert im Bereich der Kommunikationsfrequenz benötigt. Würth Elektronik eiSos bietet verschiedene Ferrittypen an, die diese Anforderungen erfüllen, z.B. die dielektrisch-magnetische Folie WE-FAS, (Bild 2).

Dieses Verbundmaterial ist aus einem Polymer geformt, der mit Ferritpulver gefüllt ist. Es bietet maximale Flexibilität, weist jedoch aufgrund des Polymers reduzierte magnetische Eigenschaften auf. Der µ"-Wert erstreckt sich bis hinauf zu mehreren Gigahertz, und die Folie kann zudem das elektrische Feld abschwächen, sodass es sich hierbei um eine empfehlenswerte Option für die Reduzierung hochfrequenter EMI handelt.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 15 Bildern

Flexible Folie aus gesintertem Ferrit

Ein weiteres Beispiel ist WE-FSFS, eine flexible Folie aus gesintertem Ferrit (Bild 3). Diese Materialserie bietet hohe Permeabilität und niedrige Verluste bei sehr geringer Stärke (ab 0,1 mm). Das Material setzt sich aus angerissenen dünnen Ferritplatten zusammen, die jeweils zwischen einer Schicht Selbstklebeband und einer Außenbeschichtung aus PET angeordnet werden, die Materialschutz, einen hohen Oberflächenwiderstand und eine gute Up/Down-Isolierung bietet. Dabei handelt es sich um die beste Option zur Steuerung des Magnetflusses.

Magnetfelder stören die drahtlose Energieübertragung

Wenn große Leistungen durch Magnetkopplung übertragen werden, durchfließt der vom Sender generierte Magnetfluss den Empfänger, gleichzeitig aber auch die Ladeeinheit und das mobile Gerät (Bild 5). Durch die Streufelder erwärmen sich die benachbarten leitfähigen Komponenten (d.h. der Akku) und induzieren Störungen in die Stromschleifen (ICs, Leiterbahnen).

Das richtige Ferritmaterial ist entscheidend

Die Simulation In Bild 6 zeigt durch farbliche Kennzeichnung, wie sich der Fluss in der Sendespule konzentriert (grün, gelb) und dann die Empfängerspule erreicht, gleichzeitig jedoch auch an der Rückseite des Senders erkennbar ist (hellblau). Durch die Anordnung von Ferritfolien an den Sender- und Empfängerspulen wird der Fluss auf den dazwischen liegenden Bereich konzentriert, und die außerhalb dieses Bereichs gelegenen Schaltungen werden geschützt (Bild 7, Bild 8).

Es gibt verschiedene Standards für die drahtlose Energieübertragung, die bei unterschiedlichen Frequenzen arbeiten (Tabelle). Das Material für die Ferritfolie muss entsprechend (d.h. mit größtmöglichem µ'- und minimalem µ“-Wert) ausgewählt werden. Der Verlustanteil µ" bei WE-FSFS 354 ist über einen Wert von 2 MHz hinaus niedriger als 2, während µ' größer als 200 ist – dies ist die perfekte Schirmung für Qi- und PMA-Standards. Bei höheren Frequenzen ist WE-FSFS 364 aufgrund der niedrigen Verluste die beste Wahl: µ" verbleibt unter 2 bis 13,56 MHz, während µ' auch dann noch über 100 liegt.

Leitfähige Oberflächen stören die Übertragung

NFC-Anwendungen wie mobiles Bezahlen, ÖPNV oder Zugangskontrolle verwenden für den Datenaustausch die Frequenz 13,56 MHz. Sender- und Empfängerspulen müssen so abgestimmt sein, dass sie bei dieser Frequenz resonieren; ein passender Stromkreis ist normalerweise Bestandteil der entsprechenden Schaltung. Allerdings wird die Kommunikation bei Vorhandensein einer leitfähigen Oberfläche (z.B. Akku, Erdungsplatte, Metallgehäuse) im Bereich einer der Spulen aufgrund von Wirbelströmen unterbunden.

Der durch das Lesegerät (Bild 9, blaue Linien) generierte Fluss durchquert die leitfähige Fläche, die die Wirbelströme erzeugt. Durch diese Wirbelströme wird ein Gegenfluss erzeugt (Bild 9, rote Linien), der die Kommunikationseffizienz beeinträchtigt. Gleichzeitig wird die Induktivität der Spule L aufgrund des Vorhandenseins leitfähigen Materials in ihrer Nähe reduziert. Dadurch erhöht sich die Resonanzfrequenz und ist folglich nicht mehr auf die Resonanzfrequenz der anderen Spule abgestimmt.

Hohe Dämpfung aufgrund ohmscher Verluste

Aufgrund der ohmschen Verluste R, die im leitfähigen Material durch Wirbelströme auftreten, erhöht sich die Dämpfung im Resonanzkreis, und die Bandbreite der Resonanz nimmt zu (Bild 11, rote Linie): Q = ω0 L / R.

Gleichzeitig verringert sich das globale Impedanzmaximum durch die Verstimmung. Ein Ausgleich dieser Frequenz- und Bandbreitenänderung durch die jeweils andere Schaltung ist sehr schwierig.

Mithilfe der Ferritfolie WE-FSFS 364 mit hohem µ' bei 13,56 MHz lässt sich der Fluss umleiten. Hierdurch lassen sich leitfähige Flächen und Wirbelströme umgehen, und die Induktivität wird erhöht.

Niedrige µ"-Werte im Bereich derselben Frequenz stellen sicher, dass sich die Verluste R nicht nennenswert erhöhen, und garantieren eine Resonanz mit kleiner Bandbreite (Bild 12, Bild 13, Bild 14, grüne Linie).

Ferrite ermöglichen höheren Wirkungsgrad

Nach der Erläuterung des Mechanismus und der Messung des Verhaltens von Ferritmaterialien haben wir gesehen, wie diese Materialien (und insbesondere Ferritfolien) dank ihrer Fähigkeit, den Magnetfluss zu steuern, eine herausragende Schirmungsleistung in kritischen Anwendungen wie Energieübertragung und NFC bieten.

Durch die Auswahl geeigneter Materialien und ihre korrekte Anordnung lässt sich ein hoher Wirkungsgrad bei der Energieübertragung erzielen. Gleichzeitig werden unerwünschte Interferenzen und Emissionen sowie eine Erwärmung des Gerätes minimiert. Dank ihrer hohen Leistungsfähigkeit und ihrer geringen Dicke stellen die flexiblen Folien aus gesintertem Ferrit einen unverzichtbaren Partner dar, wenn es darum geht, die Effizienz dieser Technologien zu verbessern und ihr Integrationsniveau zu steigern.

* Jorge Victoria ist Product Manager EMC Components bei der Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG in Waldenburg.

(ID:42478824)