Bauelemente-Distribution in Deutschland

Wie sich die Krise auf die deutsche Bauelemente-Distribution ausgewirkt hat

23.04.2010 | Redakteur: Margit Kuther

Ingo Gürtler: „Nach der Krise ist vor der Krise, aber die Distribution in Deutschland hat eine Zukunft “
Ingo Gürtler: „Nach der Krise ist vor der Krise, aber die Distribution in Deutschland hat eine Zukunft “

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Die schwerste weltweite Wirtschaftskrise seit 1929 hat tiefe Spuren in der globalen und deutschen Wirtschaft hinterlassen und es wird noch einige Jahre dauern, bis wieder an die Wachstumsraten vor der Krise angeknüpft werden kann. Welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die Bauelemente-Distribution in Deutschland hat, zeigt Ingo Gürtler, Senior Partner & Business Analyst bei Europartners Consultants Deutschland, einem Team von internationalen Unternehmensberatern.

Nach dem dramatischen Einbruch Ende 2008, Anfang 2009, zeigt sich eine leichte Bodenbildung in der deutschen Wirtschaftsentwicklung. Stabilisierende Maßnahmen der deutschen Regierung und eine weltweite Koordination haben eine weitere Eskalation verhindert. Das Bruttosozialprodukt schließt 2009 mit einer jährlichen Wachstumsrate CAGR (Compound Annual Growth Rate) von -4,8%, dem niedrigsten Wert seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Für 2010 und den folgenden Jahren ist mit weiteren Erholungen zu rechnen, die aber moderat ausfallen dürften.

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Positive Tendenz dank weltweiten Aufschwungs

Die Parameter zeigen eine positive Tendenz, hervorgerufen durch den wieder erstarkten weltweiten Aufschwung sowie durch die Stabilisierung der Finanzmärkte. Trotzdem ist eine gewisse Vorsicht geboten.

Nach dem dramatischen Einbruch Ende 2008, Anfang 2009, zeigt sich eine leichte Bodenbildung in der deutschen Wirtschaftsentwicklung
Nach dem dramatischen Einbruch Ende 2008, Anfang 2009, zeigt sich eine leichte Bodenbildung in der deutschen Wirtschaftsentwicklung

Der weltweite Aufschwung basiert primär auf unterstützenden Maßnahmen der jeweiligen Regierungen, die dazu Milliarden-Kredite aufgenommen haben. Nach dem Auslaufen der Konjunkturpakete wird sich zeigen, inwieweit die weltweite Wirtschaft wieder auf eigenen Beinen stehen kann.

Ein großes Risiko für ein gesundes lang anhaltendes Wirtschaftswachstum sind die hohen Staatsverschuldungen in fast allen Industrieländern dieser Erde. Steigende Steuern und Abgaben, sowie sinkende Staatsinvestitionen können den weiteren weltweiten Aufschwung bremsen.

Der Export ist wichtig für die Industrie

Mit Ausnahme der USA liegen die wichtigsten Handelspartnerländer Deutschlands in Europa
Mit Ausnahme der USA liegen die wichtigsten Handelspartnerländer Deutschlands in Europa

Einen großen Anteil am deutschen Bruttosozialprodukt hat der Außenhandel und für die deutsche Industrie ist der Export, der mit 22% zum BIP beiträgt, ein wichtiges Kriterium. Seit Beginn der Rezession ist der Auftragseingang aus dem Ausland um 42% geschrumpft. Außer den USA liegen alle unsere wichtigsten Handelspartnerländer in Europa. So sollte unser Augenmerk speziell auf die wirtschaftliche Erholung von Frankreich, den Niederlanden, England und Italien gerichtet sein. Zwar sehen wir weltweit eine synchrone Erholung der internationalen Wirtschaften, aber sie ist noch nicht ausreichend, um sich selbst zu tragen.

China strebt Wachstumsraten von über zehn Prozent an

China hat sich als erste Nation schon im dritten Quartal 2009 von der Krise befreit und strebt nun wieder Wachstumsraten von über 10% an, wie sie auch für China notwendig sind. Die chinesischen Wachstumsraten werden durch starke Subventionen der einheimischen Wirtschaft getragen. Zur Erholung der chinesischen Wirtschaft beigetragen hat auch die Produktion von Konsumgütern wie Handys, LCD-Farbfernseher, Digitalkameras und andere Konsumgüter, die im dritten und viertem Quartal auf Grund des Weihnachtsgeschäfts enorm angezogen hat.

Der Anteil Chinas am deutschen Export hat sich von 3,5% 2008 auf 4,5% 2009 zwar verbessert, aber nur auf Grund der Tatsache, dass sich die deutschen Gesamtexporte 2009 verschlechtert haben. China und auch andere Schwellenländer wie Indien und verschiedene Staaten in Südamerika spielen gesamtwirtschaftlich derzeit noch nicht die maßgeblichen Rollen im deutschen Export, aber langfristig gesehen bieten sie uns neue Chancen, weiter zu expandieren.

Neben dem lokalen muss das globale Umfeld betrachtet werden

Auf Grund der globalisierten Wirtschaft ist es mittlerweile sehr wichtig für die gesamte Lieferkette der deutschen Elektronik- und Elektroindustrie geworden, neben dem lokalen auch das globale Umfeld zu beobachten und in marktpolitische Strategien mit einzubringen.

Die deutsche Elektronik- und Elektroindustrie hat 2008 einen Umsatz von 180 Mrd. € erzielt, der auf Grund der Wirtschaftskrise 2009 auf 145 Mrd. € eingebrochen ist
Die deutsche Elektronik- und Elektroindustrie hat 2008 einen Umsatz von 180 Mrd. € erzielt, der auf Grund der Wirtschaftskrise 2009 auf 145 Mrd. € eingebrochen ist

Die deutsche Elektronik- und Elektroindustrie nimmt international eine Führungsrolle ein und ist der führende Produktionsstandort in Europa. 2008 wurde ein Umsatz von 180 Mrd. € erzielt. Auf Grund der Wirtschaftskrise ist der Umsatz 2009 auf 145 Mrd. € eingebrochen, das entspricht einem Rückgang von 20%.

Der bis dahin positive Wachstumstrend seit 2002 wurde unterbrochen. Drei Jahre hat die Industrie gebraucht, um sich von der letzten Krise zu erholen, obwohl der Rückgang nur -3,5% betrug. Sicher ist, dass die deutsche Elektronik- und Elektroindustrie nach dieser Krise einen wesentlich längeren Zeitraum benötigen wird, um die Umsatzzahlen von 2007 und 2008 zu erreichen. Der synchrone weltweite momentane Aufschwung kann den Prozess allerdings beschleunigen.

In der Automatisierungstechnik und Industrieautomation ist Deutschland führend

Die Elektronik- und Elektroindustrie in Deutschland ist sehr gut strukturiert, wobei in den wichtigsten Schlüsselindustrien durch neue innovative Technologien zusätzliches Umsatzpotenzial entsteht
Die Elektronik- und Elektroindustrie in Deutschland ist sehr gut strukturiert, wobei in den wichtigsten Schlüsselindustrien durch neue innovative Technologien zusätzliches Umsatzpotenzial entsteht

Die Elektronik- und Elektroindustrie in Deutschland ist sehr gut strukturiert, obwohl in den letzten zwanzig Jahren Schlüsselindustrien wie die Unterhaltungselektronik und die Telekommunikationstechnik aus Kostengründen abgewandert sind. Dieser Prozess wurde in allen westlichen Industriestaaten beobachtet. Mit der Automationstechnik und Industrieautomation hat sich aber die deutsche Industrie eine weltweite wichtige High-Tech-Position geschaffen, die von Abwanderung wenig betroffen ist. In der Energietechnik, die zurzeit nur einen Anteil von 7% hat, steckt noch sehr viel Zukunftspotenzial. In der dazugehörigen Solartechnik nimmt Deutschland schon eine weltweite Spitzenposition ein. Vernetzte Haustechnik ist der Schlüssel für die Zukunft in der Energietechnik.

Steuerung von Licht, Strom und Wärme muss optimiert werden

Optimale Steuerung von Licht, Strom und Wärme nicht nur in Bürogebäuden oder in Industriekomplexen, sondern auch in Einzelhaushalten und Ladengeschäften, ist in den nächsten fünf bis zehn Jahren ein Muss für jedes neue und jedes zu renovierende Gebäude. Die entsprechenden EG-Richtlinien sind schon in der Vorbereitung. Analog dazu hat auch die Beleuchtungsindustrie langfristig gesehen die Chance, ihren Anteil von derzeit +2% auf +5% auszubauen. Die Umstellung von Wärme emittierenden Leuchtquellen zu effizienteren Alternativen wie LED- und OLED-Technologien wird diesem Marktsegment zu einem wesentlichen Umsatzschub mit High-Tech-Elektronik verhelfen.

Potenzialträchtige Kraftfahrzeugelektronik

Die Fahrzeugelektronik, die zurzeit mit 6% am gesamten Umsatz der deutschen Elektronik- und Elektroindustrie beteiligt ist, hat noch wesentliches Ausbaupotenzial. Deutschland gehört zu den weltweit führenden Automobil-Nationen. Die langfristige Umstellung von fossilen Brennstoffen auf alternative Energien wie Wasserstoff und Elektroantrieb, die zwar nicht mehr in den Kinderschuhen steckt, aber trotzdem noch am Anfang ihrer Entwicklungsperiode steht, verlangt noch wesentlich mehr intelligente Elektronik in der Antriebs- und Steuerungstechnik eines Fahrzeuges, als heute bereits benötigt wird.

Generell ist festzustellen, dass in den wichtigsten Schlüsselindustrien durch neue innovative Technologien der deutschen Elektronik- und Elektroindustrie zusätzliches und nachhaltiges Umsatzpotenzial entsteht. Dieses ersetzt nicht nur in Billiglohn-Länder abwandernde Applikationen, sondern stellt auch ein langfristiges Wachstum sicher.

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Die Frage hat zwar nichts mit dem Artikel zu tun, aber Google antwortet hierauf mit folgendem...  lesen
posted am 23.03.2015 um 09:34 von SLiebing

wie kriege ich mein Telefon wieder funktionstüchtig?? Da steht plötzlich auf dem Display DTAM. Ich...  lesen
posted am 22.03.2015 um 10:15 von Unregistriert


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