Wie Sensorik Motorradfahrer unterstützt und schützt

| Redakteur: Hendrik Härter

Der Notbremsassistent verkürzt die Reaktionszeit und unterstützt den Fahrer durch einen dosierten Bremseingriff bei drohenden Auffahrunfällen.
Der Notbremsassistent verkürzt die Reaktionszeit und unterstützt den Fahrer durch einen dosierten Bremseingriff bei drohenden Auffahrunfällen. (Bild: Continental)

Assistenzsysteme gibt es nicht nur im Auto. Auch am Motorrad gibt es vom Bremsassistenten über Abstandsregeltempomat oder einen Scheinwerfer-Assistenten viele Helfer, die den Fahrer unterstützen. Denn ein passiver Schutz ist am Motorrad nur begrenzt möglich.

Die Reaktionszeit verkürzen und den Motorradfahrer mit einem dosierten Bremseingriff unterstützen: Damit will Continental auf den Markt gehen. Herzstück sind Radarsensoren, die eine verbesserte Objekterkennung bieten. In die Entwicklung flossen unter anderem das Know-how von Sicherheitssystemen aus dem Pkw- und Nutzfahrzeugbereich mit ein. Doch es gibt Unterschiede: Während der Pkw-Notbremsassistent bei drohender Kollision autonom eine Vollbremsung mit maximaler Bremskraft einleitet, bremst das Motorradsystem deutlich dosierter.

Es ist eher darauf ausgelegt, den Fahrer zu unterstützen, als die Kontrolle zu übernehmen. Laut Continental Unfallforschung könnten mit einem Notbremsassistenten ein Großteil der Auffahrunfälle verhindert werden – in naher Zukunft auch bei kreuzendem und entgegenkommendem Verkehr. „Der Motorrad-Notbremsassistent hat daher in erster Linie einen indikativen Charakter: Er weist den Fahrer auf kritische Situationen hin und macht diese schneller verständlich“, sagt Christian Pfeiffer, Projektleiter ARASTM für 2-Wheeler & Powersports bei Continental. Die Abkürzung steht für Advanced Rider Assistance Systems.

Mithilfe eines Radarsensors überwacht der Notbremsassistent den Bereich vor dem Motorrad. Besteht die Gefahr einer Kollision mit einem vorausfahrenden Fahrzeug oder einem anderen Hindernis, wird der Fahrer zunächst gewarnt: optisch, akustisch oder auch haptisch, beispielsweise durch Vibrationen im Lenker. Ein geringer Vorbremsdruck unterstützt ihn anschließend bei seinem aktiven Bremsvorgang. Reagiert der Fahrer nicht auf die Warnung, baut der Notbremsassistent selbstständig Bremskraft auf – vorausgesetzt beide Hände sind am Lenker. Die Bremsbeschleunigung ist dabei erheblich niedriger als in einem Pkw-Notbremssystem üblich.

Algorithmen erkennen kleine Objekte auf der Straße

Die Nah- und Fernbereichsradarsensoren sind mit der fünften Generation, die 2019 in Serie gehen wird. So kommen verbesserte Objekterkennungsalgorithmen zum Einsatz, die auch kleine Objekte detektieren können. Darüber hinaus lässt sich durch die so genannte Elevations-Messfähigkeit die Höhe von Objekten bestimmen. Dadurch kann der Sensor Stauenden unter einer Brücke oder Straßenbegrenzungen wie Randsteine noch besser erkennen. Ein weiterer Vorteil, der gerade beim knappen Bauraum von Motorrädern wichtig ist: Das Radarsystem ist noch kompakter geworden.

Der Radarsensor ist nicht nur das zentrale Element des Notbremsassistenten, sondern bei vielen modernen Motorrädern auch die einzige Komponente, die zusätzlich erforderlich ist, um diese Assistenzfunktion zu realisieren. Vor allem im High-End-Segment sind in der Regel alle anderen Komponenten bereits im Fahrzeug verbaut. Dazu gehört beispielsweise das Sensorcluster, das Beschleunigungen und Drehraten misst. Das Radarsystem analysiert unter Einbeziehung der Daten des Sensorclusters die Fahrsituation, die Positionen anderer Verkehrsteilnehmer und ob in der Konsequenz eine Notbremsung erforderlich ist.

Umgesetzt wird die Bremsung dann vom Bremsensteuergerät, während parallel über das Motorsteuergerät die Motordrehzahl entsprechend reduziert wird. Continental kann alle beteiligten Technologien für Motorräder jeder Größe aus einer Hand liefern, inklusive des Kombiinstruments, das den Fahrer bei einer drohenden Kollision warnt.

Abstand wird automatisch eingehalten

Eine weitere ARASTM-Funktion, die ebenfalls mit nach vorn gerichtetem Fernbereichsradar arbeitet, ist der Abstandsregeltempomat. Das System passt die Geschwindigkeit des Motorrads – selbst bei leichter Schräglage des Zweirads – automatisch der des vorausfahrenden Fahrzeugs an und gewährleistet damit zu jeder Zeit einen sicheren Abstand. Als perfekte Ergänzung zum Notbremsassistenten sorgt dieser intelligente Abstandregeltempomat vor allem bei dichtem Verkehr auf Autobahnen für ein entspanntes und sicheres Fahren. Dadurch wird der Fahrer entlastet, und er kann Konzentration und Aufmerksamkeit schonen. Damit diese auf dem Motorrad besonders wichtigen Ressourcen im vollen Umfang verfügbar sind, wenn es darauf ankommt: auf der nächsten kurvigen Bergstrecke.

Zu den weiteren ARASTM-Funktionen gehören der Totwinkelassistent, die Verkehrszeichenerkennung und der Scheinwerferassistent. Der Totwinkelassistent erfasst durch einen Nahbereichsradarsensor die Umgebung hinter dem Motorrad und warnt den Fahrer bei einem beabsichtigten Spurwechsel vor Fahrzeugen im toten Winkel. Die Verkehrszeichenerkennung registriert per Kamera Tempolimits, Überholverbote und Einfahrverbote in Einbahnstraßen und zeigt diese dem Fahrer an.

Assistenten helfen Unfälle zu vermeiden

Der Scheinwerferassistent erkennt die Lichter vorausfahrender und entgegenkommender Fahrzeuge und schaltet wann immer möglich das Fernlicht ein. Darüber hinaus warnt die Kollisionswarnung den Fahrer bei Kollisionsgefahr, beinhaltet jedoch im Gegensatz zum Notbremsassistenten keine Notbremsfunktion. Durch den modularen Aufbau sämtlicher Systeme kann Continental Lösungen anbieten, die speziell auf unterschiedliche Märkte, Handelsbestimmungen und gesetzliche Vorschriften zugeschnitten sind.

„Anders als bei Pkw-Insassen ist ein passiver Schutz, wie beispielsweise durch Airbags, von Motorradfahrern nur sehr begrenzt möglich. Daher ist die Unfallvermeidung gerade beim Zweirad von herausragender Bedeutung“, sagt Pfeiffer. „Die umfelderfassenden Systeme stellen hier den nächsten großen Schritt in Richtung Fahrsicherheit dar, mit dem wir unserer ‚Vision Zero’ einen Schritt näherkommen.“ Besonders in asiatischen Ländern, wie beispielsweise Indien, in denen motorisierte Zweiräder alltägliche Transportmittel und die Verkehrsopferzahlen extrem hoch sind, lässt sich durch solche Systeme die Sicherheit steigern. „Ähnlich wie heute schon das Motorrad-ABS wird auch der Notbremsassistent seinen Weg in diese Märkte finden“, ist Pfeiffer überzeugt.

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