Analyse der Satellitendaten Wie Inmarsat den letzten Flug von MH370 rekonstruiert hat

Redakteur: Peter Koller

Seit gestern ist es traurige Gewissheit: Flug MH370 ist im Süden des Indischen Ozean abgestürzt. Das ergab eine Analyse von Satellitendaten des Inmarsat-Netzwerks.

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Eine Boeing 777-200 der Malaysia Airlines beim Endanflug auf den Chek Lap Kok Airpor
Eine Boeing 777-200 der Malaysia Airlines beim Endanflug auf den Chek Lap Kok Airpor
(Bild: Malaysia Airlines Boeing 777-200ER 9M-MRC HKG 2012-7-15.png / Sergey Kustov, Wikimedia Commons / BY-SA 3.0)

Nach zwei Wochen zwischen Hoffen und Bangen gab Malaysias Ministerpräsident Najib Razak gestern offiziell bekannt: "Auf Basis der Analyse von Satellitendaten haben wir festgestellt, dass MH370 den südlichen Korridor entlang geflogen ist und dass die letzte Position des Flugzeugs inmitten des südlichen Indischen Ozeans war, weit entfernt von jeder Landemöglichkeit. Auf Basis dieser Informationen müssen wir davon ausgehen, dass MH370 dort abgestürzt ist."

Die Daten, auf die sich der Premier bezog, stammen aus einer Analyse von Informationen des Inmarsat-Satellitennetzwerks. MH370, eine Boeing 777-200 mit 239 Menschen an Bord, hatte nach dem Abbruch der regulären Kommunikationswege noch sieben sogenannte Pings an die Inmarsat-Satelliten gesendet – die Pings dienen dem Aufbau einer Kommunikationsverbindung zwischen Flugzeug und Satellit. Sie enthielten eine eindeutige Kennung des Flugzeugs, aber keine konkreten Flugdaten.

Um den letzten Flug von MH370 nachzuverfolgen, hat der Satellitenbetreiber Inmarsat die einmal pro Stunde gesendeten Pings gemeinsam mit der britischen Flugunfall-Behörde Air Accidents Investigation Branch analysiert und modelliert. Zunächst wurden dazu die Laufzeit der Signale und ihr Höhenwinkel ausgewertet. Das hatte zunächst zu den beiden mutmaßlichen Flugkorridoren im Süden und Norden geführt.

Eine Einschränkung auf den südlichen Korridor brachte schließlich eine Analyse des Doppler-Effektes der Pings, eine Frequenverschiebung ausgelöst durch die Bewegung des Flugzeugs relativ zum Satelliten. "Wir haben diese Daten mit denen von Flugzeugen des gleichen Typs verglichen, die in der Vergangenheit im südlichen Korridor unterwegs waren und sie erwiesen sich als praktisch identisch", sagte Jonathan Sinnatt, der Pressesprecher von Inmarsat. Die Daten seien aber noch von einer anderen Satellitenfirma überprüft worden, bevor sie am Montag an die Untersuchungsbehörden übermittelt wurden, sagte er.

Laut dem Premier Najib Razak kam bei der Positionsermittlung eine neue, bisher noch nie verwendete Methode zum Einsatz. Inmarsat Senior Vice President Chris Mc Laughlin sagte dem TV-Sender Sky News, diese neue Methode erlaube die Feststellung des Flugzeugkurses mit einer Abweichung von etwa plusminus 100 nautischen Meilen. "Bedauerlicherweise stammt der Satellit, der die Signale empfing, aus den 1990er Jahren und ist nicht mit GPS ausgestattet". Daher sei kein genaueres Tracking möglich.

Das Inmarsat-Netzwerk besteht aus zehn Satelliten, die in einem geosynchronen Orbit in 35.786 km Höhe über die Erde fliegen.

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