100. Jahrestag des Untergangs

Wie heutige Technik die Titanic-Katastrophe verhindert hätte

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Die Seemänner im Krähennest hatten keine Ferngläser

Die beiden Seeleute im Ausguck hatten keine Ferngläser, da der ursprünglich eingeteilte Zweite Offizier David Blair diese in einem Schrank eingeschlossen hatte, damit die wichtigen Instrumente nicht im Chaos der Abfahrt verloren gehen konnten. Nicht die Ferngläser gingen jedoch verloren, sondern Blair: Er wurde kurz vor dem Ablegen ausgetauscht - und so blieben mit ihm auch die Schlüssel zum Schrank mit den Ferngläsern an Land.

Die Eisbergwarnung kommt zu spät

Am 14. April gegen 23:40 Uhr Schiffszeit endeckten die Seeleute im Ausguck direkt voraus einen Eisberg und läuteten dreimal die Alarmglocke. Der Abstand zum Eisberg war mit etwa 300 m aber schon zu gering, so dass die Titanic trotz rasch eingeleiteter Wendung und Umkehrschub mit seiner vorderen Steuerbordseite gegen den auf 300.000 t geschätzten Eisberg stieß. Die Titanic schrammte am Eisberg entlang.

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Nietstellen geben nach - Schweißnähte hätten gehalten

Experten sprechen von sechs kleinen Rissen von insgesamt nur 1,2 m2 Gesamtfläche, die der Eisberg in die rechte Seite des Schiffes riss. Sicherheitshalber wurden sofort die Schotten geschlossen, die das Schiff von Bug nach Heck in einzelne Elemente teilte, um zu verhindern, dass das gesamtes Schiff voll Wasser läuft, wenn nur an einem Element ein Leck ist. Experten haben herausgefunden, dass der Eisberg die Titanic nicht aufgeschlitzt hat. Das Schiff ist vermutlich mehrfach gegen den Eisberg geprallt, wobei sich an den Nietstellen der Stahlplatten, aus denen das Schiff gefertigt war, Ritzen bildeten, durch die das Wasser in insgesamt sechs Kammern einströmte. Wären die Stahlplatten an nur zwei Stellen auseinandergerissen worden, hätte die Titanic dank des Schottenprinzips vermutlich die Kollision überstanden.

Kapitän Smith erkundete den Schaden ausführlich und beriet sich mit dem Schiffsarchitekten Thomas Andrews, der einen raschen Untergang voraussah. So erteilte Smith den Funkern Jack Phillips und Harold Bride gegen 0:15 den Befehl, Notrufe an andere Schiffe zu senden.

Die Passagiere halten die Evakuierung für ein Bootsmöver

Um 0:05 Uhr ordnete Kapitän Smith die Evakuierung der Titanic an und gegen 00:45 Uhr wurde das erste Rettungsboot ins Wasser gelassen. Offiziere und Stewards hatten zuvor den Auftrag erhalten, den Passagieren die Evakuierung als ein „Bootsmanöver“ zu erklären. Deshalb hatten viele Reisende der ersten Klasse es als übertrieben angesehen, Rettungswesten anzulegen.

Zu wenig Rettungsboote

Da nicht genug Rettungsboote an Bord waren, konnten sich von den 2207 Menschen nur 711 retten. Wären 48 Rettungsboote an Bord der Titanic gewesen, wie es Schiffsarchitekt Thomas Andrews vorgesehen hatte, dann hätten die 2224 Passagiere und Bestzungsmitglieder theoretisch überleben können. Aber der Reederei White Star Line war Komfort wichtiger asl Sicherheit. Deshalb sollte das Promenadendeck der ersten Klasse nicht mit zu vielen Booten blockiert werden und es waren nur 14 Rettungsboote, zwei Notfallkutter und vier Faltboote an Bord - immerhin vier Boote mehr, als damals für Schiffe über 10.000 t gesetzlich vorgeschrieben war.

Rettungsboote werden halbleer zu Wasser gelassen

Weil während der Evakuierung abzusehen war, dass weniger als die Hälfte der rund 2200 Menschen an Bord Platz in einem Rettungsboot finden werden, befahl der Kapitän: "Frauen und Kinder zuerst!" Auf der Backbordseite legte der Zweite Offizier die Regel in aller Strenge aus und ließ außer zwei Seeleuten zum Steuern und Navigieren keinen Mann in die Boote. An Steuerbord durften dagegen auch Männer zu ihren Frauen und Kindern steigen.

Die Konsequenzen aus dem Titanic-Unglück werden bereits 1913 gezogen

Der Schock, den der Untergang der Titanic auslöste, führte am 12. November 1913 zur ersten SOLAS-Konferenz (First International Conference on the Safety of Life at Sea – Erste internationale Konferenz über die Sicherheit des Lebens auf dem Meer) in London.

Eispatroullie überwacht Eisberge aus der Luft

SOLAS haben wir eine ganze Reihe von Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit auf See zu verdanken. So begann beispielsweise schon im selben Jahr die internationale Eispatroullie mit der Überwachung von Eisbergen aus der Luft, was auch heute noch zu ihren Pflichtaufgaben gehören.

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