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100. Jahrestag des Untergangs Wie heutige Technik die Titanic-Katastrophe verhindert hätte

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

100 Jahre ist es bereits her - aber noch heute bewegt kaum eine Katastrophe die Gemüter so sehr, wie der Untergang der Titanic. Zahllose Mythen umranken die Havarie und bis heute sind längst nicht alle Umstände geklärt. Eines aber ist sicher: Die vielen, seit damals ständig verbesserten Sicherheitsmaßnahmen würden heute die Katastrophe verhindern.

Alle Verbesserungen in der Seeschifffahrt auf einen Blick - vom Untergang der Titanic 1912 bis heute (Bild: AGCS)
Alle Verbesserungen in der Seeschifffahrt auf einen Blick - vom Untergang der Titanic 1912 bis heute (Bild: AGCS)

Mit einer Länge von 269,04 m, einer Breite von 28,19 m, einer Höhe von 53,33 m, einem Tiefgang von 10,54 m sowie 46.329 Bruttoregistertonnen war die Titanic zu ihrer Zeit das größte Schiff der Welt und technisch auf dem neuesten Stand.

Mit 1600 kW eines der größten elektrischen Schifffsnetze

Die technische Ausstattung des Giganten war rekordverdächtig. So hatte die Titanic eines der größten elektrischen Netze aller Schiffe zur damaligen Zeit. Die Energie für das 100-V-Gleichspannungsnetz, das bis zu 16.000 A liefern konnte, kam von vier dampfbetriebenen 400-kW-Generatoren. Darüber hinaus war ein Telefonsystem mit 50 Leitungen und 1500 Klingeln vorhanden, mit denen die Passagiere den Steward holen konnten. Die Beleuchtung übernahmen 10.000 Glühbirnen. An Bord waren 48 Uhren, für Wärme in den Kabinen sorgten 520 Heizkörper und 76 der insgesamt 150 Elektromotoren auf der Titanic waren nur für die Belüftung zuständig.

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Ein besonderes Ausstattungsmerkmal der Titanic und eine Neuheit auf diesem Gebiet waren vier elektrische Fahrstühle, von denen drei in die Flure der Ersten und einer in der Zweiten Klasse integriert waren.

Stärkste Funkstation ihrer Zeit

Die Marconi-Funkstation der Titanic übertraf mit ihrer Leistung die aller anderen Schiffe. So lieferte ein Standardsender damals 500 W, während auf der Titanic ein 1,5-kW-Löschfunkensender mit rotierender Funkenstrecke installiert war. Er garantierte unabhängig von den atmosphärischen Bedingungen eine Reichweite von rund 350 Seemeilen. Die auf 500 kHz sendende Funkstation war Marconi-Eigentum und wurde von den Marconi-Mitarbeitern Jack Philips und Harold Bride bedient.

Schiffsantrieb mit mehr als 50.000 PS

Angetrieben wurde die Titanic von drei Schiffsschrauben und erreichte 23 bis 24 Knoten Höchstgeschwindigkeit und 21 Knoten Reisegeschwindigkeit. Die äußeren Propeller wurden von Vierzylinder-Kolbendampfmaschinen mit jeweils 15.000 PS angetrieben. Der Abdampf dieser Maschinen wurde in eine Niederdruck-Parsons-Turbine mit 16.000 PS geleitet, die den mittleren Propeller antrieb. Tatsächlich waren die Maschinen in den Tests stärker als geplant, so dass die Titanic mit einer Maschinenleistung von insgesamt 51.000 PS registriert wurde. Die maximal erreichbare Antriebsleistung lag bei ca. 60.000 PS. Die Titanic verbrauchte auf See 620 bis 640 t Kohle pro Tag.

Warum sank das unsinkbare Schiff?

Der Luxusliner galt als unsinkbar - und wie es dennoch dazu kommen konnte, dass das Schiff am 15. April 1912 nach der Kollision mit einem Eisberg etwa 1500 Menschen in den Tod riss, ist bis heute umstritten.

Sicherere südliche Route

Die Titanic begann ihre Jungfernfahrt von Southampton nach New York am 10. April 1912 unter Kapitän Edward John Smith. Wie zu dieser Jahreszeit üblich, führte der Kurs südlich der direkten Route Richtung Westen, um dem Eisrisiko durch den kalten Labradorstrom zu entgehen.

Jungfernfahrt durch Eisfelder

Kapitän Smith wusste bereits vor der Abfahrt, dass das Eisfeld in Umfang und südlicher Ausdehnung größer war als in den vergangenen Jahren. Zudem empfingen die Funker während der Fahrt mehrere Funksprüche von anderen Schiffen, die vor Eisfeldern und Eisbergen warnten. Jedoch wurden nicht alle Eiswarnungen an die Brücke weitergeleitet, da die Funker mit der Übermittlung privater Telegramme beschäftigt waren. So fehlten der Brücke genaue Informationen zur aktuellen Position des Eisfeldes. Da die neue Funktechnik damals noch nicht richtig ernst genommen wurde, verstießen die Funker damit jedoch nicht gegen Vorschriften. Laut Zeugenaussagen war den Offizieren die Eisberggefahr zwar bewusst, aber jeder hatte unterschiedliche Informationen und keiner kannte alle Eisbergwarnungen.

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