Wie Hacker ganze Städte lahmlegen

| Autor / Redakteur: Raffaela Römer* / Dr. Anna-Lena Gutberlet

Stromnetze gehören, ebenso wie die Wasserversorgung oder Transportsysteme, zu den sogenannten kritischen Infrastrukturen. Sie vor Angriffen zu schützen ist das Ziel des deutsch-französischen Forschungsprojektes Bercom.
Stromnetze gehören, ebenso wie die Wasserversorgung oder Transportsysteme, zu den sogenannten kritischen Infrastrukturen. Sie vor Angriffen zu schützen ist das Ziel des deutsch-französischen Forschungsprojektes Bercom. (Bild: Clipdealer)

Stromnetze gehören, ebenso wie die Wasserversorgung oder Transportsysteme, zu den sogenannten kritischen Infrastrukturen. Ihre Steuerung läuft teils über das Mobilfunknetz - das birgt Risiken. Ziel des deutsch-französischen Forschungsprojektes Bercom ist es, die kritischen Infrastrukturen vor Angriffe zu schützen.

Auf einmal ging nichts mehr. Kein Licht, kein Fernsehen, nichts, was mit Strom betrieben werden muss. Es war das Jahr 2015, kurz vor Weihnachten. Mehrere Stunden waren damals 700.000 Haushalte in der Ukraine von der Energieversorgung abgeschnitten. Und nicht nur sie, sondern auch industrielle Einrichtungen bekamen große Probleme.

Beispielsweise konnte ein Hochofen nicht geregelt heruntergefahren werden; die dadurch entstandenen Schäden waren schwerwiegend. Das Perfide an der Situation: Sie war bewusst und von Menschenhand herbeigeführt worden. Ein Hackerangriff auf die Computersysteme der Energieversorger steckte dahinter.

Stromnetze gehören, ebenso wie die Wasserversorgung oder Transportsysteme, zu den sogenannten kritischen Infrastrukturen. Sie vor Angriffen zu schützen ist das Ziel des deutsch-französischen Forschungsprojektes Bercom, das seit September 2015 läuft und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt wird. Der Name steht für „Blaupause für eine pan-europäische Systemplattform für widerstandsfähige kritische Infrastrukturen“.

Zwölf Projektpartner, darunter Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Dortmund, arbeiten dafür zusammen. Gemeinsam wollen sie bis August 2018 zum Beispiel ein sicheres Mobilfunknetz entwickeln, das für Betreiber von kritischen Infrastrukturen reserviert sein soll und das in die bereits bestehende Kommunikationsinfrastruktur integriert werden kann.

Mobilfunk als günstige und flexible Alternative

Zum Bochumer Team gehört David Rupprecht, Doktorand am Horst-Görtz-Institut für IT-Sicherheit. Er erklärt, warum Mobilfunk für Netzbetreiber überhaupt eine so große Rolle spielt: „In Deutschland gibt es beispielsweise aufgrund der Energiewende immer mehr Windkraftparks. Die Windräder, die die Energie erzeugen, sind über große Flächen verstreut. Damit die Mitarbeiter sie von der Schaltzentrale aus steuern können, nutzen sie zumindest auf der letzten Strecke Mobilfunk.“

Eine zuverlässige Steuerung solcher Anlagen ist wichtig, beispielsweise um eine Kontrolle über die erzeugte Energiemenge zu haben. Ist sie viel höher als die abgenommene Energiemenge, wird das Stromnetz überlastet, und es kann zu Ausfällen kommen, was wiederum auch die Kommunikationssysteme lahmlegt. Angreifer können das System stören, indem sie eine überschüssige Stromproduktion zulassen und Sicherheitsmaßnahmen des Systems außer Kraft setzen. Ein Netzausfall wie in der Ukraine wäre die Folge.

Beunruhigend sei, so David Rupprecht, dass momentan viele Betreiber von kritischen Infrastrukturen veraltete und damit unsichere Kommunikationstechnologien einsetzen wie etwa Modems oder auch den veralteten Mobilfunkstandard GSM (Global System for Mobile Communications). Er ist im Privatbereich längst abgelöst worden von LTE (Long Term Evolution), der übernächsten Generation von Mobilfunkstandards. Im Vergleich zu seinen Vorgängern ist er zwar gegen eine große Zahl bekannter Angriffe geschützt, doch auch LTE hat Sicherheitslücken.

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Dazu gibt es eine interessante Lektüre: Blackout, von Marc Elsberg. Als Hörbuch sehr spannend...  lesen
posted am 06.12.2017 um 13:00 von diethelmnoll

Wenn mal wieder irgendwo eine Anlage ein merkwürdiges Verhalten an den Tag legt, den Geist aufgibt...  lesen
posted am 04.12.2017 um 14:51 von Olaf Barheine


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