Gebäudesteuerung Wie Finke in seinen Möbelhäusern mit KNX Energie spart

Autor / Redakteur: Günther Ohland* / Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Der größte Störfaktor in einem vernetzten Gebäude ist der Mensch. Deshalb setzt die Möbelhauskette Finke bei der Vernetzung auf KNX und konnte die Energiekosten bereits spürbar senken.

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Unzählige LED-Leuchten setzen die Ware ins rechte Licht und schaffen eine angenehme Einkaufsatmosphäre. Gesteuert wird alles über KNX.
Unzählige LED-Leuchten setzen die Ware ins rechte Licht und schaffen eine angenehme Einkaufsatmosphäre. Gesteuert wird alles über KNX.
(Bild: Finke/bab-tec.de)

Mit einer Verkaufsfläche von 40.000 m² bewirtschafteter Gesamtfläche ist das Finke Möbelhaus in Hamm ein Haus der oberen Größenklasse. Eine alte Marketingweisheit besagt: Licht lockt Leute. Und deshalb strahlen überall auf der Welt Verkaufsflächen und auch die Fassaden besonders hell. Jeder weiß aber auch, dass Licht Energie ist und damit viel Geld kostet.

Wichtig für motivierte Verkäufer und entspannte Kunden ist außerdem ein angenehmes Arbeitsklima. Dazu gehören Heizung, Kühlung und Lüftung, die wiederum viel Energie benötigen. Der Energieverbrauch einer Verkaufsfläche ist ein entscheidender betriebswirtschaftlicher Faktor, und gigantische Verkaufsflächen führen zu gigantischen Energiekosten. Letzteres muss nicht sein, fand Dietmar Schneider, Energieberater bei der Möbelhauskette Finke und setzte konsequent auf KNX-Sensoren und -Aktoren sowie auf den EIBPORT und FACILITY-MASTER von BAB Technologie. Hinzu kam viel Sach- und gesunder Menschenverstand. Damit ließen sich die Energiekosten um fast 50 Prozent reduzieren.

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Der Mensch hat als Störfaktor keinen Einfluss

Die eigentliche Idee hinter dem Konzept bei Finke in Hamm und in allen deutschen Finke-Häusern ist es, den tatsächlichen Licht-, Luft- und Heizungs-Ist-Zustand fortlaufend zu ermitteln und an die jeweiligen Bedingungen anzupassen. Licht soll nur dort sein, wo es gebraucht wird. Die verschiedenen LED-Leuchten sind mit vernetzten Präsenzmeldern ausgerüstet. Lichtschalter fehlen gänzlich.

Eine Tatsache haben Energieberater gelernt: Der größte Störfaktor für eine Energieoptimierung ist der spontane Eingriff des Menschen. Licht wird in Räumen zwar eingeschaltet, aber oft nicht wieder ausgeschaltet. Die Heiztemperatur wird von einem Mitarbeiter nach oben korrigiert, der nächste senkt sie ab. Und im Extremfall kämpft die Klimaanlage gegen die Heizung. Bei Finke sorgen Sensoren dafür, dass stets optimale klimatische und Beleuchtungs-Zustände für Kunden, Mitarbeiter und die Energierechnung herrschen. Und KNX sorgt dafür, dass alle Regeln zuverlässig ausgeführt werden.

Die gesamte Haustechnik spricht KNX

Dietmar Schneider, Herr über die Gebäudetechnik in den Finke-Häusern, schwört auf KNX: „KNX ist zuverlässig und bietet alle Möglichkeiten der Automation, auch bei einer so großen und komplexen Installation, wie hier. FACILITYMASTER, EIBPORT und die Visualisierungstools waren eine wichtige Voraussetzung, damit die Gebäudesteuerung auch Hausmeister-kompatibel gestaltet werden konnte. Alles muss auch für Hausmeister plausibel und leicht verständlich sein.“

Die gesamte Haustechnik spricht KNX. „Nicht-KNX-fähige Komponenten wurden entsprechend umgebaut, nicht immer zur Freude der Hersteller“, ergänzt Schneider. Dies war bei den beiden Heizkesseln notwendig. Die positive Folge der Einbeziehung in das Gesamtsystem ist, dass die Kessel bedarfsgerecht zu 90 Prozent der Zeit auf der kleinsten Stufe laufen können. Beide Kessel ergänzen sich bei Bedarf. Wärme wird nur dann erzeugt, wenn die Raumsensoren vor Ort einen Bedarf melden. So konnten die Zahl der Starts der Kessel von nicht vernetzt 271.000 auf ca. 80.000 reduziert werden. Das Ziel, die Kosten um 30 Prozent bis 40 Prozent zu reduzieren, wurde erreicht.

Eine angenehme Nebenerscheinung ist, dass die Wartungskosten gleichermaßen gesenkt werden konnten. Bei weniger Starts und weniger Betriebskosten verschleißen die Komponenten langsamer, als im Normalbetrieb. Das Erreichte spricht für sich. Die Energiekosten konnten gegenüber dem Stand vor der Automatisierung mit KNX nahezu halbiert werden. Damit rechnet sich die Investition schon nach wenigen Jahren.

Licht wird planmäßig eingesetzt

Der Markt öffnet täglich um 10:00 Uhr. Von 7:00 Uhr bis zur Eröffnung wird auf- und eingeräumt und weitere Vorarbeiten werden getroffen. Dazu müssen die Verkaufsflächen nicht durchgängig beleuchtet werden. Dort wo gearbeitet wird – und Präsenzmelder erkennen das - herrschen optimale Lichtverhältnisse, andere Bereiche sind noch dunkel. Ohne diese Steuerung würde elektrische Energie für die Beleuchtung vergeudet.

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Zum Ende des Geschäftstages wird das Licht planmäßig um ein Drittel reduziert. Auch wird das Tageslicht gemessen und berücksichtigt. Wie oft sieht man vom natürlichen Licht und zusätzlich mit elektrischem Licht beleuchtete Schaufenster, Ausstellungsflächen, Parkplätze und Fassaden. Nicht so bei Finke. Jeder Raum und jedes kleine Segment im Verkaufsbereich ist einzeln adressierbar. Ein wichtiges Kriterium für die Stromrechnung sind Lastspitzen. Diese entstehen in konventionellen Häusern morgens beim „Hochfahren“ des Gebäudes. Tausende von Leuchten und Vorschaltgeräten starten gleichzeitig, ebenso Gebläse und Pumpen und in der Gastronomie starten Öfen, Kaffeemaschinen und Wärmesysteme. Die Folge ist eine enorme Verbrauchsspitze. Nicht so beim gemanagten System bei Finke. Dies ist darauf ausgelegt, Spitzen zu vermeiden. Dank Vernetzung mit dem EIBPORT klappt dies absolut zuverlässig.

Ganz unterschiedliche Szenarien sind möglich

Wochentage, Samstage, verkaufsoffene Sonntage und die Vorweihnachtszeit bedeuten unterschiedliche Szenarien. Das Steuerungssystem, das auf Basis der EIB-Ports und Facility-Master von BAB-Technologie von Dietmar Schneider und seinem Team entwickelt wurde, verfügt über einen Kalender. Auch kurzfristige Änderungen, beispielsweise wegen Stadtfesten und anderer Ereignisse, lassen sich per Mausklick einstellen. Kein mühsames Schalten hunderter von Leuchten und manueller Steuerung von Lüftung und Heizung, Und dabei steht nicht die Bequemlichkeit im Fokus, sondern die Zuverlässigkeit.

Ein echter Hingucker ist die Fassade. Die RGB-LED-Strahler von Philips sind von Dietmar Schneiders Kommandostand in Farbe und Intensität frei ansteuerbar. Ob französische Nationalfarben nach dem Terroranschlägen von Paris oder Weihnachtsstimmung: mit der KNX-Steuerung ist alles möglich.

Ein wichtiger Aspekt bei Systemen dieser Komplexität ist die IT-Sicherheit. Es könnte rein theoretisch für Kriminelle interessant sein, das IT-System mit der Gebäudesteuerung eines Möbelhauses zu kapern und das Unternehmen zu erpressen. Finke hat hier Vorkehrungen getroffen, damit so etwas nicht passieren kann. Nach außen hin zum Internet wurden hohe Schutzstandards implementiert aber auch gegen Angriffe von Innen wurden dank der EIB-Ports und des Facility-masters die bestmöglichen Verfahren umgesetzt. So ist es wohl praktisch ausgeschlossen, dass die Gebäudesteuerung von Kriminellen „übernommen“ werden kann. Die Finke-Möbelhäuser in Paderborn, Münster, Jena, Erfurt und Kassel sind, wie das Haus in Hamm, ausgestattet und lassen sich aus Hamm heraus steuern und überwachen.

Standards im Smart Home

* Günther Ohland ist freier Fachjournalist und Buchautor sowie Erster Vorsitzender der Smart Home Initiative Deutschland e.V.

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