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Wie Elektronik bei einem Langzeit-EKG unterstützt

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Eine effiziente Lösung für ein elektronisches System zum Langzeit-EKG haben zwei Unternehmen entwickelt: Der Patient trägt das kabellose Sensorsystem und die Vitalparameter werden verschlüsselt übertragen. Aktuell ist die Diagnoseeinheit in der Schweiz im Einsatz.

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Die Vitalparameter des Patienten werden über einen kabellosen Sensor aufgenommen und verschlüsselt übertragen.
Die Vitalparameter des Patienten werden über einen kabellosen Sensor aufgenommen und verschlüsselt übertragen.
(Bild: evismo)

Mit einem Langzeit-EKG sollen Risiken für einen Schlaganfall rechtzeitig erkannt werden. Denn es wären bis zu 80% der Schlaganfälle vermeidbar, wenn die Hauptrisikofaktoren in einem frühen Stadium überwacht würden [1]. Patienten mit Vorhofflimmern (AFib) [2] haben ein um das Fünffache erhöhtes Schlaganfallrisiko [3]. Diese Diagnose betrifft 4,5 Mio. Menschen in der Europäischen Union und ist für rund ein Drittel der Krankenhausaufenthalte wegen Herzrhythmusstörungen verantwortlich.

Das sind Gründe, warum sich Ärzte für ein Langzeit-EKG aussprechen. Jedoch ist auch bei anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine längere Überwachung sinnvoll. Denn je nach Beschwerden liefert ein 24/48-stündiger EKG-Holter in bis zu 90% der Fälle keine klaren Ergebnisse [4].

Fernüberwachung in der Schweiz

Für Patienten in der Schweiz bietet Evismo eine konstante Fernüberwachung der Vitalparameter durch erfahrene Kardiologen. Bei evismo-CardioFlex handelt es ich um ein kabelloses Langzeit-EKG und bietet Allgemeinärzten, Kardiologen, Kliniken, Stroke Centers oder Krankenhäuser eine hohe Diagnosesicherheit. Das System greift täglich aus der Ferne auf die EKG- und Bewegungsdaten zu und prüft, ob genügend Informationen für eine Diagnose vorhanden sind.

Ein wasserdichter Sensor misst kontinuierlich die Vitalparameter und überträgt sie auf eine Medizin-Plattform. Die medizinischen Daten sind stark verschlüsselt und erfolgt über ein mitgeliefertes, hochsicheres, dediziertes Mobilgerät: das MedicalSuite Mobile Device inklusive einer App.

Tragedauer von einem bis dreißig Tagen

Der wasserdichte EKG-Sensor wird so kurz wie möglich, aber so lange wie möglich getragen. In der Regel liegt die Tragedauer bei einem bis dreißig Tagen. Die tägliche Datenprüfung und EKG-Analyse läuft nur so lange, bis eine Diagnose gestellt werden kann. Dies vermindert Mehrfachuntersuchungen und macht eine raschere Diagnose und Behandlung möglich. Dadurch wird die Patientenzufriedenheit gesteigert, der Aufwand für Ärzte und medizinisches Personal minimiert sowie die Diagnosekosten gesenkt.

Der Patient wird informiert, sobald der Sensor entfernt werden kann. Die Analyse der Daten und die Diagnosestellung erfolgen abschließend durch den überweisenden Kardiologen oder durch einen Kardiologen aus dem Schweizer Evismo-Servicecenter.

Wie das EKG-Sensorsystem entstanden ist

CardioFlex ist eine Schweizerisch-finnische Entwicklungspartnerschaft. Der finnische Medizintechnik-Spezalist Bittium entwickelte das System zusammen mit Evismo auf Grundlage bereits vorhandener Bittium-Applikationen. Die webbasierte Bittium MedicalSuite als Serviceplattform überwacht kabellos aus der Ferne die Biosignale von Patienten und somit den sicheren Informationsaustausch. Außerdem übernimmt die MedicalSuite das Informationsmanagement zwischen medizinischen Serviceanbietern, Krankenhäusern und Fachärzten.

Die als offene Gesamtlösung konzipierte EKG-Anwendung ermöglicht eine modulare Weiterentwicklung der Komponenten und kann auch für die Erhebung anderer Patientendaten, etwa zur Überwachung von Langzeit-EEG oder zur Diagnose von Schlafstörungen, verwendet werden.

Nach einer umfassenden Testphase ist die Diagnoseeinheit seit Anfang 2020 im Realbetrieb. In einem weiteren Anwendungsfeld erfasst die CardioFlex die sogenannte Herzfrequenzvariabilität (HRV), etwa durch Arbeitsmediziner bei der Diagnose von Burnout oder anderen Stresserkrankungen. Bei dieser Art der EKG-Analyse wird die Analysesoftware Cardiscope verwendet, die restlichen Bausteine des Medizin-Systems bleiben jedoch gleich.

Zukünftig plant Evismo eine Ausweitung des aktuellen Setups. Ziel ist es, weitere Vitalparameter zu erfassen und auszuwerten. Dazu gehören etwa Blutdruck, Sauerstoffsättigung oder EEG. Alles soll auf einer medizinischen Plattform konsolidiert werden. Auf Basis der gemessenen Vitalparameter wird das Unternehmen ein Fernmonitoring, beispielsweise für chronisch kranke Patienten oder die ärztliche Betreuung zu Hause nach Krankenhausaufenthalt anbieten, wodurch Patienten früher entlassen und zuverlässig überwacht werden können.

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