Wie Digitalisierung für Sicherheit und Effizienz in der Supply Chain sorgt

| Autor / Redakteur: Stefan Sutalo * / Margit Kuther

Einblick ins Rechenzentrum von Rutronik: Digitale Lösungen sorgen zusammen mit organisatorischen und strukturellen Maßnahmen für eine möglichst sichere und effiziente Beschaffung.
Einblick ins Rechenzentrum von Rutronik: Digitale Lösungen sorgen zusammen mit organisatorischen und strukturellen Maßnahmen für eine möglichst sichere und effiziente Beschaffung. (Bild: Rutronik)

In Zeiten der Allokation bei vielen Bauteilen zeigt sich, dass eine gut funktionierende Supply Chain entscheidend sein kann – und dass diese gerade bei Schwierigkeiten reibungslos funktionieren muss.

Eine funktionstüchtige Supply Chain ist nicht nur in Verknappungssituationen zwingend erforderlich, sondern auch bei Naturkatastrophen, Cybercrime oder bei der inzwischen fast unbeherrschbaren Zahl an Produktänderungen und -abkündigungen. Digitale Lösungen sorgen zusammen mit organisatorischen und strukturellen Maßnahmen für eine möglichst sichere und effiziente Beschaffung.

Die Supply Chain ist zu komplex als dass ein einzelner Distributor in Situationen wie der aktuellen Verknappung Versorgungssicherheit herstellen könnte. Dennoch gibt es einige Maßnahmen, um in der Situation handlungsfähig zu sein und Kunden so schnell wie irgend möglich mit den benötigten Komponenten zu beliefern.

Auch Rutronik hat zahlreiche Anstrengungen unternommen – und tut dies noch, angefangen bei der frühzeitigen Disposition der Bauteile über die Installation von Eskalationsteams und -abläufen sowie regelmäßigen Gesprächen mit den Herstellern bis hin zu zusätzlichen Arbeitskräften, um die gestiegenen Liefermengen und Expresslieferungen in gewohnter Qualität zu bewältigen.

Die Basis hierfür besteht in digitalen, automatisierten Prozessen. Sie sorgen in „normalen“ Zeiten für Effizienz sowohl beim Kunden und Hersteller als auch bei Rutronik. Wenn durch Verknappung, Naturkatastrophen oder große Unfälle – etwa einem Brand in einer großen Produktionsstätte – die Herausforderungen steigen, erleichtern sie es Distributoren, die Supply Chain in gewohnter Weise aufrecht zu erhalten.

Der Distributor setzt konsequent auf digitale Prozesse. Die automatisierte elektronische Übermittlung langfristiger und kurzfristiger Planzahlen des Kunden im Rahmen individueller Logistikkonzepte ermöglicht die optimale Disposition und verschlankt die Prozesse. Das bedeutet mehr Sicherheit, Reaktionsfähigkeit und Qualität bei geringeren Kosten.

Auch die Traceability, also die Rückverfolgbarkeit aller Komponenten, wird damit möglich. Indem sichergestellt ist, dass die Bauteile und gegebenenfalls sogar ihre Komponenten tatsächlich vom genannten Hersteller stammen, sind Kunden vor unerwarteten Ausfällen durch Fälschungen gefeit.

Auch bei Bestellungen außerhalb der Logistikkonzepte sorgen digitale Systeme für eine einfache, schnelle und sichere Beschaffung. Auf der Homepage finden Kunden nicht nur den Bestand, Preise, Tracking-Funktionen sowie eine Übersicht über alle Bestellungen in Echtzeit, sondern auch Such- und Hilfefunktionen. Mittels „Mass Quotation“ können Kunden ihre eigene Teileliste mit eigenen Artikelnummern unverändert hochladen, das System erzeugt daraus die Rutronik-Artikelliste, mit der alle oder ausgewählte Komponenten bestellt werden können. Entwicklern stehen verschiedene CAD-Modelle der Bauelemente zum Download zur Verfügung, die sie direkt in ihr CAD-Programm übernehmen können.

Zwischenfälle wie Vulkanausbrüche, Erdbeben oder Unfälle, aber auch menschliches Versagen können jedoch dafür sorgen, dass trotz Automatisierung und Null-Fehler-Prinzip an irgendeiner Stelle in der Lieferkette etwas schief geht. Dann ist eine schnelle Reaktion das A und O. Eine hochperformante CAQ-Software (Computer-Aided Quality) unterstützt bei Rutronik sämtliche Qualitätsprozesse, hilft diese zu optimieren, steigert die Transparenz und identifiziert zusätzliche Potenziale. So wird das Ziel, immer besser zu werden, konkret umgesetzt.

Alle Systeme von Rutronik entsprechen der EU-DSGVO

Die Achillesferse der Digitalisierung ist die Daten- und Informationssicherheit. Systeme, die die Daten verarbeiten, sind angreifbar für Manipulation und Spionage. Beides kann die Lieferkette in ähnlicher Form in Mitleidenschaft ziehen wie Naturkatastrophen, das haben Angriffe wie WannaCry eindrücklich gezeigt.

Den Schutz personenbezogener Daten soll die europäische Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) gewährleisten. Die Hardware und alle genutzten Systeme von Rutronik erfüllen die EU-DSGVO. Zudem werden alle Mitarbeiter hinsichtlich Datenschutz und Informationssicherheit sensibilisiert und müssen regelmäßig an Schulungen zu diesem Themenkomplex teilnehmen.

Das Unternehmen hat sich darüber hinaus für eine noch umfassendere Lösung entschieden und ein nach ISO 27001 zertifiziertes, TÜV-geprüftes Information Security Management System (ISMS) etabliert. Es umfasst alle in der Norm spezifizierten 14 Bereiche, darunter z.B. Zutrittskontrollen, Gerätesicherheit, Regeln beim Kauf von Hardware sowie Leitlinien für Lieferantenbeziehungen. Dies setzt der Distributor weltweit um, auch wenn in den betreffenden Ländern weniger stringente Qualitäts- und Sicherheitsstandards gelten.

Hinzu kommen zwei komplett redundant ausgelegte Rechenzentren an räumlich getrennten Orten inklusive unterbrechungsfreier Stromversorgung (USV) und mehr. Diese sind Teil eines übergreifenden „Business Continuity“ Konzeptes, um im Falle einer Betriebsstörung die Geschäftsprozesse aufrechterhalten zu können.

Effizienz für den Normalbetrieb

Eine Herausforderung anderer Art stellt sowohl für den Distributor, aber auch für dessen Kunden und Lieferanten die zunehmende Zahl an PCNs (Product Change Notifications) und PTNs (Product Termination Notifications) dar. Alleine im Jahr 2017 hat Rutronik einen Anstieg der PCNs um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Die Komponentenhersteller stellen die Informationen zwar bereits in elektronischer Form zur Verfügung. Da sie jedoch in uneinheitlichen Formaten kommen, ist eine automatisierte Verarbeitung unmöglich, und sie werden immer noch meist manuell verwaltet.

Die Informationen müssen den betreffenden Produkten, Stücklisten bzw. Plattformen zugeordnet, bewertet und an entsprechende Stellen im Unternehmen oder an Kunden bzw. Partner weitergeleitet werden. Nicht selten kommt es Doppelbearbeitungen durch redundante Meldungen. Um auch im Umgang mit PCNs und PTNs ein Lean Management zu erreichen und seinen Kunden das Obsoleszenz-Management zu vereinfachen, setzt der Distributor auch in diesem Bereich auf Digitalisierung.

Als aktives Mitglied in der COG (Component Obsolescence Group) hat Rutronik den dort erarbeiteten smartPCN Standard bereits umgesetzt. Damit liegen die PCN- und PTN-Daten alle im XML-Format vor, so dass Kunden diese digital einlesen und verarbeiten können. Die Risikobewertung hinsichtlich der Verfügbarkeit – entscheidend vor allem bei Design-In Produkten – wird so erheblich einfacherer und sicherer. Doubletten sind sofort erkennbar, so dass Mehrfachbearbeitung vermieden wird.

Beschaffung muss nicht einfach sein – kann es aber

Auf der e-Commerce-Plattform werden PCNs nach wie vor stets mit dem Produkt angezeigt und sind zusätzlich in einer Datenbank gesammelt einsehbar. Ist ein benötigtes Produkt betroffen, lassen sich mit der spezifischen Alternativen-Suche Ersatz für geänderte oder abgekündigte Komponenten finden. Dies funktioniert auch, um günstigere oder schneller lieferbare Bauteile ausfindig zu machen. Dabei sind die Treffer nach Grad der Übereinstimmung mit dem ursprünglichen Bauteil sortiert, abweichende Features sind dank Markierung sofort erkennbar.

Die Beschaffung elektronischer Bauelemente ist also nicht zwangsläufig einfach und sicher – kann es aber sein. Mit digitalen Lösungen lassen sich viele Risiken ausschließen und Herausforderungen effizient bewältigen.

* Stefan Sutalo ist Produktbereichsleiter Passive Bauelemente bei Rutronik in Ispringen.

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