Supply Chain Management Wie digitalisierte Lieferketten das Inflationsrisiko minimieren

Von Margit Kuther

Moderne Lieferketten sind auf maximale Kosteneffizienz ausgelegt. Doch ihnen fehlt die Flexibilität, um rasch auf veränderte Situationen wie den Ukrainekrieg oder Corona reagieren zu können. Was tun? Ein Kommentar von Christian Lanng, Gründer und CEO von Tradeshift.

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Christian Lanng: „Jeder Verbraucher will niedrigere Preise, bis zu dem Punkt, an dem er die Ware gar nicht mehr bekommen kann.“
Christian Lanng: „Jeder Verbraucher will niedrigere Preise, bis zu dem Punkt, an dem er die Ware gar nicht mehr bekommen kann.“
(Bild: Tradeshift)

Der IMF (International Monetary Fund) hat Recht, wenn er Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage als eine der Hauptursachen für die weltweite Inflation identifiziert. Regierungen und Unternehmen sollten nicht darauf zählen, dass diese „vorübergehend“ sind, wie der IMF behauptet. In Wahrheit könnte es eine Weile dauern oder sogar nie zur „Normalität“ zurückkehren und die internationalen Lieferketten müssen sich auf eine lange Zeit der Volatilität einstellen.

Die vierteljährlichen Untersuchungen von Tradeshift zeigen, dass der weltweite Aufschwung nur stockend vorankommt. In China beispielsweise – dem ersten Land, das von der Pandemie betroffen war – sind die Transaktionen in der Lieferkette um 22 Prozent zurückgegangen. Das ist das zweite Quartal in Folge, in dem die Aktivitäten zweistellig zurückgingen, was größtenteils auf Engpässe in der Lieferkette zurückzuführen ist.

Moderne Lieferketten – auch solche, die auf „Just-in-Time“ basieren – sind auf maximale Kosteneffizienz ausgelegt, doch fehlt ihnen die Flexibilität, um auf tiefgreifende und sich schnell verändernde Situationen wie Covid oder andere globale Krisen zu reagieren. Dies macht Unternehmen nicht nur anfällig für einen Einbruch, sondern auch für eine plötzliche oder ungleichmäßige wirtschaftliche Erholung.

Während jeder, vom IMF bis zum Elektronikhersteller, auf eine schnelle Erholung hofft, ist klar, dass sich die Lieferketten ändern müssen. Die digitale Technologie muss eine zentrale Rolle spielen, indem sie beispielsweise einen schnelleren, besser vorhersehbaren Cashflow, einen besseren Zugang für Lieferanten und eine größere Wahlfreiheit im Falle von Störungen ermöglicht.

Auf Störungen und Lieferantenengpässe flexibler reagieren

Die Inflation hat viele Ursachen, und es gibt keine Patentlösung. Einer der Hauptfaktoren für die steigenden Preise von Chips bis hin zu Autos sind jedoch ironischerweise die Strukturen und Systeme, die Unternehmen in den letzten 30 Jahren zur Kostensenkung geschaffen haben.

Schlanke Fertigungstechniken, Just-in-Time-Lieferketten und die Hyperspezialisierung der Produktionslinien senken die Kosten, wenn die Zeiten gut sind. Aber wenn eine Katastrophe wie COVID-19 zuschlägt, sind Einkäufer und Lieferanten nicht mehr in der Lage, sich anzupassen. Deshalb haben die Landwirte im vergangenen April überschüssige Ernten vergraben und tonnenweise Milch ausgeschüttet, während die Regale in den Lebensmittelgeschäften leer waren. Deshalb kam es in den USA zu Engpässen bei der Fleischversorgung, nachdem die Industrie von einer Handvoll nationaler Fleischverpackungsbetriebe abhängig wurde. Und es ist der Grund, warum weltweit Millionen von Autos weniger gebaut werden, weil sie die benötigten Mikrochips nicht bekommen können.

Die Verbraucher konnten noch nie viel gegen die Inflation tun. Doch das könnte sich jetzt ändern. Es gibt immer mehr informierte Käufer und das könnte eine Lösung sein. Der gleiche technologische Ansatz, der die Herkunft und Nachhaltigkeit von Waren sicherstellt, indem er sie in jeder Phase der Lieferkette verfolgt, bietet auch die Flexibilität und Wahlfreiheit, die es Unternehmen ermöglicht, schnell auf Krisen zu reagieren – zum Beispiel durch die schnelle Aufnahme neuer Lieferanten. In dem Maße, wie der Druck auf Unternehmen durch den Verbraucher in Bezug auf ethische und nachhaltige Aspekte zunimmt, wird dies dazu beitragen, dass Unternehmen die Mängel ihrer bestehenden Lieferkettenvereinbarungen untersuchen.

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