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Wie die Distribution den Vormarsch der Medtech-Industrie unterstützt

| Redakteur: Margit Kuther

Die Nachfrage nach Medizintechnikprodukten steigt. Wegen neuer EU-Richtlinien, insbesondere der EU-MDR, sind innovative und nachhaltige Konzepte mehr gefragt denn je.

Medizintechnik: Das Potenzial ist immens, doch Entwickler haben nicht nur mit Produktneuheiten, sondern auch mit einer wachsenden Anzahl neuer Regularien 
zu kämpfen.
Medizintechnik: Das Potenzial ist immens, doch Entwickler haben nicht nur mit Produktneuheiten, sondern auch mit einer wachsenden Anzahl neuer Regularien 
zu kämpfen.
(Bild: gemeinfrei/Darko Stojanovicmeinfrei / Pixabay )

Gerade in Zeiten von Corona erfährt die Medizintechnik besondere Bedeutung – ein an sich schwieriger Markt, nicht zuletzt aufgrund strenger Sicherheitsvorschriften, der dennoch vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten für (deutsche) Medizintechnikunternehmen bietet. Die Basis hierfür sind die demografische Entwicklung der Bevölkerung und eine steigende Anzahl an chronisch erkrankten und dauerhaft pflegebedürftigen Menschen. Weitere Triebfedern sind hohe Investitionen von Schwellenländern in den Gesundheitsbereich und technologische Neu- oder Weiterentwicklungen wie die Digitalisierung, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Entwicklungen in der Sensorik und auch individualisierte Medizintechnik.

Nicht nur durch neue Apparate und Schutzmechanismen für COVID-19, sondern der generelle Einzug moderner Technologien erwirkt Änderungen der Geschäftsmodelle der Medizintechnikhersteller. Hier können Bauelementedistributoren mit ganzheitlichen Logistiklösungen und einem permanent erweiterten Produktportfolio unterstützen.

Logistiklösungen und Produkt-Knowhow

Die Distributoren elektronischer Bauelemente beraten die Einkäufer und die Entwickler der Medtech-Unternehmen herstellerunabhängig und umfassend bei der Auswahl und dem Design-In spezifischer Komponenten und Module. Dabei profitieren die Entwickler technischer Produkte insbesondere für neue Designs. Schließlich gilt es, Bauteile mit möglichst überschaubaren Lieferzeiten einzuplanen. Zudem müssen die Bauelemente unterschiedlicher Hersteller effizient miteinander funktionieren, sollen innovative Systeme ihre volle Leistungsfähigkeit erzielen können.

Vielfältige Flexibilität, etwa bei der Auftragsabwicklung

In den meisten produzierenden Unternehmen gehört die fristgerechte Anlieferung von Rohstoffen und Bauteilen zum Alltag. Gleichwohl können digitale Beschaffungsprozesse dabei unterstützen, eine möglichst lückenlose Lieferkette sicherzustellen. Die Bauelementedistribution bedient die differierenden Anforderungen der Hersteller und steht den Unternehmen als zuverlässiger Partner zur Seite. Etwa durch den elektronischen Austausch strukturierter geschäftsrelevanter Daten.

Mit Hilfe von EDI(Electronic Data Interchange)-Schnittstellen lassen sich Erfassungsfehler vermeiden und die Auftragsabwicklung durch automatisch angestoßene Prozesse optimieren. „Entwicklern und Einkäufern bieten Distributoren nicht nur umfängliche Services, sie halten zudem detaillierte Informationen zu neuesten Produkten bereit,“ sagt Andreas Falke, Geschäftsführer des FBDi (Fachverband der Bauelemente Distribution eV). „Zudem stellt die Distribution mit einem umfassenden Warenlager und vorausschauender Lagerhaltung insbesondere in schwierigen Zeiten die Verfügbarkeit von Komponenten sicher.“

Der Distributor als Trendscout, nicht nur in Coronazeiten

Zudem versteht sich die Bauelementedistribution als Trendscout. Deshalb sind die Unternehmen darauf ausgerichtet, auch die kurz- bis mittelfristigen Anforderungen der Industrie durch optimale Bauelementeverfügbarkeit bedienen zu können. Für die Medizintechnik erwarten Experten in den kommenden Jahren zukunftsweisende Entwicklungen, die für ein effizienteres Gesundheitswesen sorgen sollen. Dazu zählen etwa digital vernetzte medizintechnische Einheiten und neu entwickelte, eigenständig agierende Automatisierungs- und Robotiklösungen.

Diese Smart Devices sollen zum Beispiel im Laborbereich einen effizienten Probendurchsatz bei geringerem Ressourcenverbrauch ermöglichen. Auch Synergieeffekte werden im E-Health-Sektor verstärkt zum Tragen kommen. So sollen sich Krankheiten mit neuen Technologien früher erkennen und verlässlichere Diagnosen erstellen lassen. Das wiederum kann Klinikaufenthalte verkürzen oder ganz vermeiden. Andere Errungenschaften wie Telemonitoring, digitale Assistenzsysteme und die Robotik können hingegen vielen Patienten ein höheres Maß an Mobilität bieten. Insbesondere die Coronakrise hat den 3D-Druck in den Fokus gerückt, um Sicherheitsausstattung und andere Geräte zu produzieren.

Alle Anwendungen könnten ohne Bauteile nicht funktionieren. Darunter spielen Sensoren in vielen Anwendungen eine zusehends wichtige Rolle, damit medizinische Geräte sicherer und leistungsfähiger arbeiten, bei zugleich vereinfachter Bedienung. Auch Wearables profitieren von intelligenten Sensoren. Unabhängig von der letztendlichen Anwendung kann die Distribution mit Starter-Kits und Referenzdesigns dazu beitragen, Evaluierungs- und Entwicklungsphasen zu verkürzen. Das wiederum erlaubt dem Hersteller einen schnelleren Einstieg in die Massenfertigung.

Die Medizintechnik entpuppt sich als Jobmotor

Die Entwicklung und Fertigung international wettbewerbsfähiger Medizintechnik ist in Deutschland zudem ein wichtiger Jobmotor. Global erwirtschafteten führende Medizintechnikunternehmen im Jahr 2018 laut Erhebungen des Statista Research Department einen Gesamtumsatz von rund 434 Mrd. US-Dollar. Dabei entfallen knapp 40% der weltweiten Produktion auf die USA, wo laut Untersuchung sechs der zehn führenden Medizintechnikunternehmen ihren Sitz haben.

Deutschland listen die Analysten als zweitwichtigsten Produzenten mit einem Weltmarktanteil von rund 10%. Japan und China folgen mit 9 respektive 8%. Gemäß einer Studie vom BVMed (Bundesverband Medizintechnologie) ist Nordamerika der führende Markt für Medizintechnik, gefolgt von Europa, mit circa 27.000 MedTech-Unternehmen, in denen 210.000 Menschen beschäftigt sind. Zu den weltweit umsatzstärksten, in Deutschland ansässigen Unternehmen gehören Siemens Healthineers und Fresenius Medical Care.

Gesetzliche Hürden wie die EU-MDR meistern

Zeitgleich sehen sich Unternehmen der Medizintechnik mit neuen rechtlichen Anforderungen konfrontiert. So verändert die Europäische Medical-Device-Regulation (EU-MDR) das deutsche Medizinprodukterecht nachhaltig. Die neue Verordnung legt einheitliche Kriterien für sogenannte ‘Benannte Stellen’ bei der Zulassung von Medizinprodukten fest und regelt die Genehmigung klinischer Prüfung von Medizinprodukten.

Die damit verbundenen Rahmenbedingungen, beispielsweise die rechtskonforme Dokumentation, wirkt sich auf die Medizintechnikhersteller ebenso stark aus wie auf die Anbieter von Electronic Manufacturing Services (EMS) und Original Equipment Manufacturer (OEM). Ziel der mit den Regularien gekoppelten neuen Rahmenbedingungen ist es, europaweit sowohl die Qualität als auch die Sicherheit und Leistungsfähigkeit von Medizinprodukten zum Schutz von Patienten und Anwendern zu verbessern. Auftritt Distribution, die genau diese Zielgruppen bedient und damit eine Schlüsselrolle einnimmt.

Die Medtech-Branche ist mit einer komplexen Gesetzgebung konfrontiert, die immense Kenntnisse vielfältiger Sachverhalte erfordert. Die Unternehmen müssen demgemäß ihre Unternehmenskonzepte an diese Regularien anpassen. „Hier bietet der FBDi-Verband eine wichtige Plattform für den regelmäßigen Austausch unter den Distributoren. Die Competence Circles reichen von Markteinschätzungen bis hin zu Umweltregularien, und liefern wertvolles Spezialwissen“, führt Falke aus. „Schließlich darf ein elek- tronisches Produkt in der EU nur dann in Verkehr gebracht und in Betrieb genommen werden, wenn es den Bestimmungen aller auf das Produkt anwendbaren EU-Richtlinien entspricht.“ Der konstruktive Austausch unterstützt dabei, Vorgaben und gesetzliche Richtlinien zum Öko-Design einzuhalten – Stichwort FBDi Umwelt- & Konformitätskompass, der ab Sommer 2020 in der Neuauflage auch als Webtool verfügbar ist.

Diesen Beitrag lesen Sie auch in der Fachzeitschrift ELEKTRONIKPRAXIS Ausgabe 17/2020 (Download PDF)

Gerade die neuen EU-Richtlinien treiben die Nachfrage nach innovativen Konzepten voran – und schaffen damit Potenzial für die Distribution, die mit geballtem Branchenwissen auch den Blickwinkel der Hersteller erweitern können. Darüber hinaus unterstützen sie die Marktteilnehmer mit ganzheitlichen Lösungen dabei, Marktpotenziale voll auszuschöpfen. Genügend Möglichkeiten also, um eine treibende Rolle in diesem Zukunftsmarkt zu spielen.

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