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Wie chinesische Start-ups die Produktivität ihrer Programmierer ankurbeln

Redakteur: Julia Schmidt

In China sollen hübsche, junge Damen die introvertierten meist männlichen Entwickler unterhalten und für ein angenehmes Arbeitsklima sorgen.

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In China gibt es „Programmier-Cheerleader“, die die introvertierten Programmierer motivieren und für ein angenehmes Arbeitsklima sorgen sollen.
In China gibt es „Programmier-Cheerleader“, die die introvertierten Programmierer motivieren und für ein angenehmes Arbeitsklima sorgen sollen.
(Bild: Clipdealer)

Offene, loftartige kreative Workspaces, flexibler Arbeitsort, wie das hippe Café um die Ecke, jeden Tag kostenlos frisches Obst und Club-Mate. Firmen hier zu Lande müssen sich neben einem attraktiven Gehalt schon einiges einfallen lassen, um Entwickler zu ködern. Fachkräftemangel ist das Buzzword. Nicht jeder kann und will es sich leisten wie Google gleich eine Rutsche im Foyer zu installieren, damit man nicht mehr die schnöden Treppen nach unten steigen muss.

Die Chinesen setzen da seit einigen Jahren noch eine ganz andere Waffe ein und die soll nachweislich sogar die Produktivität verbessern: Programmier-Cheerleader. Hübsche, junge Damen, die dazu da sind, den Programmierern Gesellschaft zu leisten, sie zu massieren, ihnen Kaffee zu bringen, mit ihnen Pingpong zu spielen und zu plaudern. Programmierer sind bekanntlich ja eher nerdig, etwas verkopft und sozial gehemmt.

2015 berichtete bereits die Facebook-Seite „Trending in China“, von dem aus westlicher Sicht doch etwas arg sexistischen Beruf. Nun hat die New York Times ein ausführliches Portrait einer jungen Dame, Shen Yue veröffentlicht, die hauptberuflich als „Programmer Motivator“ tätig ist. Auch 2018 ist der Beruf offenbar immer noch gefragt.

Dass die chinesische Arbeitswelt, trotz Anti-Diskriminierungsgesetze häufig offen sexistisch und diskriminierend sein kann, sollte man nicht verschweigen. Das Stellenanfordungen wie weiblich, jung, hübsch, 90-60-90 vollkommen indiskutabel sein sollten, ist auch klar. Aber wie Frau Shen der NYT gegenüber berichtet, ist zumindest ihr Job doch etwas vielfältiger als es bei Trending in China damals noch klang.

So organisiert sie etwa Geburtstagsparties und unterhält sich mit den introvertierten Kollegen, damit diese erzählen, was sie gerade bewegt und wie sie mit der Arbeit zurechtkommen. Und sie übernimmt auch ansonsten Aufgaben, die in unserer Arbeitswelt üblicherweise von der netten Dame übernommen werden, die am Empfang sitzt oder der persönlichen Assistentin.

Unter dem Aspekt, dass Burn-out, Depressionen und mehr durch die getriebene Leistungskultur in vielen Fachbereichen immer mehr zunehmen, sollte man einmal konstruktiv über das tatsächliche Potenzial dieses Berufsfeldes diskutieren – einem Workspace Motivator. Der darf dann auch gern den Kaffee oder den Club-Mate servieren.

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