Künstliche Intelligenz Werden Roboter den Menschen die Arbeit wegnehmen?

Redakteur: Franz Graser

Der technische Fortschritt lässt die Frage, ob Maschinen die Menschen in der Arbeitswelt überflüssig machen, aktuell werden. Welche Folgen könnte eine Über-Automatisierung haben?

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Mickey McManus, Futurist und Chef der Ideenschmiede MAYA Design: Aus seiner Sicht sind High-Performance-Teams aus Menschen und Maschinen keine Utopie.
Mickey McManus, Futurist und Chef der Ideenschmiede MAYA Design: Aus seiner Sicht sind High-Performance-Teams aus Menschen und Maschinen keine Utopie.
(Bild: National Instruments)

Die diesjährige Tagung der American Association for the Advancement of Science stand im Zeichen der möglichen Folgen der Fortschritte im Bereich der Robotik und der künstlichen Intelligenz. Der dunklen Seite der schönen neuen Welt widmete sich ein Diskussionsbeitrag von Moshe Vardi, einem israelisch-amerikanischen Informatiker, der an der Rice Universität in Houston/Texas lehrt.

Vardi fragte konkret: „Wenn Maschinen in der Lage sind, fast alle Arbeiten zu erledigen, die Menschen tun können, was bleibt dann für die Menschen zu tun übrig?“ Der Informatiker stellt einen qualitativen Unterschied zwischen bisherigen technischen Revolutionen und der kommenden Umwälzung vor. Bisher seien die Maschinen auf bestimmte Aufgaben spezialisiert gewesen, so zum Beispiel die mechanischen Webstühle. Jetzt aber sei die Menschheit mit der Möglichkeit von Maschinen konfrontiert, die Menschen in fast allen Belangen überlegen seien.

Der Informatiker hält es zumindest für möglich, dass eine Über-Automatisierung zu einem ähnlichen Effekt führe wie im römischen Reich, als Sklaven den Löwenanteil der Arbeit erledigten. „Kann unser Wirtschaftssystem damit fertig werden, wenn nur noch 50 oder 25 Prozent der Bevölkerung Arbeit haben?“ Im alten Rom habe dies zur bekannten Lösung panem et circenses (Brot und Spiele) geführt. Die andere Alternative sei ein Leben als Legionär gewesen, sagte Vardi laut einem Bericht des Online-Dienstes Ars Technica.

Wendell Wallach, ein Ethikprofessor an der berühmten US-Universität Yale, beschäftigte sich in seinem Beitrag mit der Frage der Moral im Umfeld von Maschinen. Er forderte die Robotik-Forschenden auf, einen Teil ihrer Mittel in die Erforschung der ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekte der Maschinen zu investieren. „Wir müssen in einer konzertierten Aktion intervenieren, damit diese Technik nicht zu einem gefährlichen Diktator wird“, sagte Wallach.

Tötungsmaschinen sind ein Übel an sich

Ein Beispiel dafür ist das moralische Dilemma, das im Zusammenhang mit dem autonomen Fahren immer genannt wird: Soll ein autonomes Fahrzeug, das sich auf Kollisionskurs mit einer Gruppe Kinder befindet, in die Kinder hineinfahren, um dadurch die Insassen des Fahrzeugs zu schützen? Oder soll das Vehikel gegen eine Mauer fahren und damit die Kinder schützen, damit aber möglicherweise die Fahrzeuginsassen töten?

Deshalb forderte Wallach, dass Ethiker und Sozialwissenschaftler in die Entwicklung autonomer Systeme einbezogen werden. Darüber hinaus forderte der Yale-Ethiker, dass es keine autonomen Waffensysteme geben dürfe, die selbsttätig über Leben und Tod von Menschen entscheiden. „Maschinen, die zum Töten programmiert sind, sind ein Übel an sich“, zitiert Ars Technica den Ethikprofessor. Dies würde den letzten Rest von Menschlichkeit im Kriege eliminieren.

Zumindest den wirtschaftlichen Aspekt sieht der Futurist Mickey McManus optimistischer als der Informatiker Moshe Vardi. McManus, Leiter der Innovationsschmiede MAYA Design, ist überzeugt, dass es auch in Zukunft noch Jobs geben wird. „Ich halte es für übertrieben, wenn manche Leute denken, dass es keine Jobs mehr geben wird“, sagte McManus in einem Gespräch mit ELEKTRONIKPRAXIS.

Teams aus Menschen und Maschinen

Allerdings würde sich das Anforderungsprofil der Arbeit ändern. „Noch vor zehn Jahren hätte ich nach Leuten gesucht, die in Six-Sigma firm sind, Spezialisten für Super-Lean sind und alles optimieren können. Aber das erledigen immer häufiger die Maschinen.“

„Heute würde ich Leute einstellen, die mit Mehrdeutigkeiten umgehen können. Sie müssen unterschiedlichste Dinge beherrschen, denn das macht sie viel agiler. Ich denke, es wird sehr interessant zu sehen sein, wie wir High-Performance-Teams bilden, in denen sowohl Maschinen als auch Menschen vertreten sind.“

McManus kann sich durchaus vorstellen, dass ganze Wertschöpfungsketten fast nur noch aus Maschinen bestehen – etwa aus lernenden Systemen, die Produkte entwickeln oder weiterentwickeln sowie aus vollautomatischen Fertigungssystemen.

Aus seiner Sicht ist das kein Nachteil. „Wenn wir uns das Spektrum zwischen dem ultimativ Bösen und dem ultimativ Guten ansehen, dann glaube ich, dass die Menschheit insgesamt eher zum Guten neigt. Wir haben Zivilisationen gebaut, wir haben wundervolle Dinge gedacht und realisiert. Ich habe hohe Erwartungen an die Zukunft.“

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