Suchen

Smarte Textilien Wenn Elektronik und Stoffe zusammenwachsen

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Ein Feuerwehrhandschuh mit Digitalthermometer oder eine Jacke mit textiler Tastatur: Die Zahl der Schnittstellen zwischen Elektronik- und Textilindustrie wächst. Das ist Thema auf dem Anwenderforum „Smart Textiles“ in Wolfurt/Österreich.

Firma zum Thema

Wichtige Messwerte im Blick: Innenseite eines Batteriekastens mit Sensornetz.
Wichtige Messwerte im Blick: Innenseite eines Batteriekastens mit Sensornetz.
(Bild: Invent)

Mit Kupfer und Silber lässt sich die Leitfähigkeit in Textilien verbessern. Elektronische Geräte rücken daher immer näher an Fasern, Fäden und textile Flächen. Um die Textilbranche und die Elektronikindustrie weiter zu verdrahten, findet Anfang März im österreichischen Wolfurt das interdisziplinäre Anwenderforum „Smart Textiles“ statt.

Bildergalerie

Dazu müssen Prozesse und Komponenten zweier ganz unterschiedlicher Branchen vereint werden: Textil und Elektronik. Das sagt Friedrich von Dungern, Projektmanager für Faserverbundmaterialien bei Invent aus Braunschweig. Er präsentiert auf dem Anwenderforum ein vom Bundesforschungsministerium gefördertes Projekt zur Integration von Sensoren in Faserverbundstrukturen.

Dabei werden mit Silbertinte Leitungsbusse auf Polymervliese gedruckt, um darauf Sensormodule aufzubringen. Die integrierte Sensorik soll künftig in Batteriekästen, Organ-, Medikamenten- oder Chemikalien-Transportboxen „wichtige Messwerte wie Temperatur und Beschleunigung erfassen und drahtlos auf mobile Endgeräte übertragen“, erklärt von Dungern.

Feuerwehrhandschuh mit Digitalthermometer

Textilien „mit Grips“ haben nach Aussage von Prof. Dr.-Ing. Götz Gresser, Chef des veranstaltenden Instituts für Textil- und Verfahrenstechnik (ITV) in Denkendorf, mit Blick auf Elektronik, Automobilbau, Bekleidung, Energie- und Medizintechnik enormes Umsatzpotenzial. „Damit Konstrukteure und Entwickler wissen, welche neuen Flächenmaterialien inzwischen anklopfen, bringen wir beim Smart-Textiles-Forum Wissenschaft und Mittelstand aus der D-A-CH-Region zusammen.“

Darunter auch Marc-Andre Graewer, Geschäftsführer der Graewer Hightech & Safety Solutions aus Wendlingen bei Stuttgart. Graewer wird einen mit der Firma Friedrich Seiz entwickelten Feuerwehrhandschuh mit integriertem Digitalthermometer vorstellen, der gerade von der Berliner Feuerwehr getestet wird.

Zum Entwicklungshintergrund: Feuerwehrleute müssen sich in Gebäuden mit starker Rauchentwicklung regelrecht zur Brandstelle vortasten; dabei droht hinter jeder geschlossenen Tür eine Rauchgasdurchzündung, auch Flashover genannt. „Bisher müssen Türen an definierten Punkten händisch auf Wärme geprüft werden – ohne isolierende Handschuhe“, sagt der Unternehmer. Das risikoreiche Manöver entfalle dank des „Lasertemp“ genannten Elektronikgerätes künftig, denn mit dem auf dem Handschuhrücken aufgebrachten Hilfsmittel lasse sich die Oberflächentemperatur von Türen auf einer Entfernung von 60 bis 80 cm bestimmen.

Elektronik und Textilien sind grundverschieden

„Weil Elektronik grundverschieden anders entwickelt und produziert wird als Textilien, bleibt viel zu tun, um Fasern mit elektronischem Zusatznutzen zu verbinden“, sagt Geschäftsführer Dr. Klaus Jansen. Weitere Beispiele vor Ort: eine Jacke mit integrierter drahtloser textiler Tastatur; transparente leitfähige Gewebe; textile Schnittstellen; Gewebe mit lichtlenkenden Eigenschaften; textile Photovoltaik zur Stromerzeugung.

Das Smart-Textiles-Forum, das vom Textilforschungsinstitut Thüringen-Vogtland in Greiz initiiert wurde, ist einschließlich Vorgängerformaten die älteste europäische Fachveranstaltungsreihe zur Thematik.

Hier gelangen Sie zum Programm und zur Anmeldung (externer Link)

(ID:44491176)