Suchen

Editorial Wenn die Automobilindustrie Medizintechnik herstellt

| Redakteur: Kristin Rinortner

Vieles, wovon wir glaubten, dass es unmöglich sei, lässt sich auf einmal in der Corona-Krise umsetzen. Doch was davon bleibt und erweist sich auch als sinnvoll?

Firma zum Thema

Wenn die Automobilindustrie Medizinprodukte herstellt: „Covid-19 ist eine Chance, vieles auf den Prüfstand zu stellen.“
Wenn die Automobilindustrie Medizinprodukte herstellt: „Covid-19 ist eine Chance, vieles auf den Prüfstand zu stellen.“
(Bild: Clipdealer )

Der wohl kleinste, vollständig steuerbare mikroelektronische Roboter der Welt ist 0,8 mm lang und breit sowie 0,14 mm hoch. Dieser „Mikro-Roboter“ wird durch einen Zwillings-Düsenjet angetrieben. Die Antriebseinheit besteht aus aufgerollten Mikro-Röhrchen, die Schub durch den Ausstoß von Sauerstoffbläschen erzeugen.

Der „Mikro-Bot“ ist mechanisch hochflexibel und integriert elektronische Komponenten und steuerbare Aktoren aus dünnem, temperaturempfindlichen Polymer. Durch Temperaturänderungen kann der Aktor geöffnet und geschlossen werden, um kleine Objekte zu greifen.

Das Team um Prof. Oliver Schmidt von der TU Chemnitz, das diesen Bot entwickelt hat, ist überzeugt, dass so der Einsatz von biomedizinischen Sensoren und Aktoren möglich wird, die Medikamente gezielt verabreichen oder Krankheiten im Organismus diagnostizieren.

Die Entwicklung eines vollständig kontrollier- und steuerbaren mikroelektronischen Roboters war lange Zeit Science Fiction. Eine deutsche Automobilindustrie, die medizinische Ausrüstung produziert, gehörte bis jetzt auch in dieses Genre. Derzeit prüft beispielsweise eine Task-Force von VW, Bosch, Audi und Dräger jedoch, wie sich das umsetzen lässt. Gleichzeitig ignorieren die Verantwortlichen zahlreiche EMS-Dienstleister, die die entsprechenden Voraussetzungen, angefangen von Knowhow über Fertigungsanlagen bis zu den entsprechenden medizinischen Zertifizierungen, parat haben.

Auf der anderen Seite lassen sich in vielen Firmen und Communities aber auch Ansätze eines neuen, solidarischen, nicht auf die Maximierung von Gewinn, sondern auf das Allgemeinwohl ausgerichteten Denkens finden.

Es wird sich durch Covid-19 noch vieles verändern. Allein dadurch, dass die Regierungen Einfluss auf ihre jeweiligen Volkswirtschaften nehmen müssen, um diese gemeinschaftlich zu retten. Europaweit fließenden immensen Geldmitteln wird eine Verstaatlichung folgen.

Covid-19 ist eine Chance oder ein „Schuss vor den Bug“. Sehen wir es als Möglichkeit zu lernen und uns weiterzuentwickeln, Umweltschädigungen zu reduzieren, nachhaltige Wirtschaftskreisläufe zu implementieren, für eine gerechte Verteilung von Wohlstand zu sorgen und solidarisch zu sein.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46492982)