Angemerkt Wenn der Atomstromfilter die Elektronen sortiert

Autor: Peter Koller

Die Zahlen sind alarmierend: In den 1990er-Jahren erreichte der Anteil Europas an der Halbleiterfertigung noch mehr als 15% der Weltproduktion. Im letzten Jahrzehnt ist er auf unter 10% gefallen.

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Europa, und damit Deutschland, läuft Gefahr, bei einer Kerntechnologie abgehängt zu werden. Die EU-Kommission hält mit milliardenschweren Programmen wie ECSEL dagegen und will neue Zukunftsfelder wie Graphen für die europäische Elektronikbranche besetzen. Das ist überfällig, lobenswert - und geht doch etwas am Kern des Problems vorbei. Denn in Deutschland, einst als Land der Ingenieure apostrophiert, hat sich die generelle Einstellung zu technischem Fortschritt grundlegend gewandelt.

Verpixelte Fassaden auf Google Earth sind ein sichtbarer Beleg für die sprichwörtliche German Angst vor Technology. Man weiß nicht genau, ist es Ursache oder Wirkung, doch mit der Angst kommt Unverständnis. Jedenfalls erreichen uns in der Redaktion des öfteren Pressemitteilungen für so geniale Produkte wie einen Filter für die Steckdose, der die Elektronen aus Atomstrom heraussiebt. Das wäre in seiner Absurdität unterhaltsam, wenn nicht so traurig wäre, dass Menschen dafür tatsächlich Geld ausgeben.

Technikverständnis wird in Deutschland zur Angelegenheit einer Nerd-Elite. Aber wie soll schon in der Schule Begeisterung für Technik geweckt werden, wenn selbst in einem eher besser gestellten bayerischen Gymnasium die IT-Ausstattung aus der Zeit gefallen scheint, wie ein befreundeter Lehrer klagt.

Und während in den USA das Maker-Movement mit Crowdfunding, Rapid-Prototyping-Platinen und 3-D-Druckern spannende Start-Ups hervorbringt, taugt das Thema in Deutschland gerade mal zur TV-Unterhaltung: im gefühlt 2723. Aufguss einer Casting-Show wetteifern ab August Jungunternehmer bei Vox um Anschubfinanzierung. Ob das der richtige Weg ist, technologische Aufbruchstimmung zu erzeugen?

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